Erd-Rotationsachse über 80 Zentimeter verschoben

Erd-Rotationsachse über 80 Zentimeter verschoben
Foto: Pixabay CC/PublicDoimain

Erd-Rotationsachse über 80 Zentimeter verschoben

n-tv.de: Südkoreanische Forscher:innen haben untersucht, welchen Einfluss die Entnahme von Grundwasser auf die Neigung der Erde hat. Das Ergebnis ist im planetarischen Maßstab winzig, aber dennoch überraschend.

Die Pole der Erdachse wandern. Als Ursache gelten unter anderem das Abschmelzen von Gletschern, aber auch die Verteilung des Grundwassers. Wenn es in großen Mengen entnommen und zum Beispiel in der Landwirtschaft eingesetzt wird, kann das die Erdrotation messbar beeinflussen. Ein südkoreanisches Forschungsteam hat im Jahr 2023 erstmals konkrete Zahlen dazu vorgelegt: Demnach habe die Grundwasserentnahme allein in den Jahren zwischen 1993 und 2010 die Erdachse um mehr als 80 Zentimeter verschoben.

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Wie der Mensch die Erdachse beeinflusst

Der Mensch hat die Erde auf vielfältige Weise verändert und dabei auch dazu beigetragen, die Rotationsachse des Planeten zu verschieben. Forscher:innen der Seoul National University haben im Jahr 2023 in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters eine Studie veröffentlicht, die den Einfluss von Grundwasserentnahmen belegt. Insgesamt soll sich der Rotationspol der Erde in der untersuchten Zeitspanne um rund 80 Zentimeter verschoben haben. Grundlage dafür ist die Schätzung, dass in diesem Zeitraum etwa 2.150 Gigatonnen Grundwasser entnommen wurden.

Die Erdachse ist eine gedachte Linie, um die sich unser Planet innerhalb von 24 Stunden einmal dreht. Sie verläuft durch den Erdmittelpunkt und verbindet Nord- und Südpol miteinander. Die Rotationsachse ist nicht senkrecht zur Umlaufbahn um die Sonne, sondern auf etwa 23,5 Grad geneigt. Dadurch bestimmt sie nicht nur den Tag-Nacht-Rhythmus, sondern auch die Jahreszeiten. Die Neigung der Erdkugel ist allerdings nicht konstant. Auch natürliche Prozesse wie die Anziehungskräfte von Mond und Sonne, Erdbeben oder die Eisschmelze können leichte Schwankungen bedingen.

Umfangreichere Berechnungen stehen aus

Für ihre Studie modellierten die Forscher:innen Veränderungen des Erdrotationspols und testeten verschiedene Szenarien der Wasserumverteilung. Besonders relevant sei demnach der Grundwasserabbau im Westen Nordamerikas und im Nordwesten Indiens. „Unsere Studie zeigt, dass unter den klimabedingten Ursachen die Umverteilung des Grundwassers tatsächlich den größten Einfluss auf die Verschiebung des Rotationspols hat”, sagte Ki-Weon Seo, der die Studie geleitet hatte, gegenüber Phys.org. „Ich bin sehr froh, die ungeklärte Ursache für die Drift des Rotationspols gefunden zu haben.“ Er fügte hinzu: „Andererseits bin ich als Bewohner der Erde und als Vater besorgt und überrascht, dass das Abpumpen von Grundwasser eine weitere Ursache für den Anstieg des Meeresspiegels ist.“

Surendra Adhikari ist Wissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory der Nasa und hat im Jahr 2016 ebenfalls Studien zur Schwankung der Erdachse geleitet. Er begrüßte die Untersuchungen seiner südkoreanischen Kolleg:innen. „Sie haben den Einfluss der Grundwasserentnahme auf die Polbewegung quantifiziert, und dieser ist ziemlich bedeutend“, kommentierte er in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Trotzdem fehle laut Popular Mechanics noch immer ein umfassendes Bild. Die Polbewegung wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst – von Grundwasser über Gletscher und Staudämme bis hin zu Prozessen im Erdinneren. Neue Technologien könnten Forscher:innen künftig dabei helfen, diese komplexe Gleichung besser zu entschlüsseln.

Bodenabsenkungen sind eine der Folgen

Die Konsequenzen von übermäßiger Grundwasserentnahme sind vielfältig. Sie kann unter anderem zu Bodenabsenkungen führen, den relativen Meeresspiegelanstieg verstärken und dazu beitragen, dass Salzwasser in Regionen vordringt, die auf Süßwasser angewiesen sind… weiterlesen

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