Europas LNG-Abhängigkeit eindämmen

Europas LNG-Abhängigkeit eindämmen
telepolis.de: Bis 2030 könnte die EU mit Erneuerbaren doppelt so viel Gas einsparen, wie sie derzeit aus Katar importiert. Doch ausgerechnet der Strompreis bremst.
Europas Gasspeicher sind vor dem Winter nur unzureichend gefüllt, der Iran-Krieg verschärft die Lage. Eine neue Studie des Instituts für Energiewirtschaft und Finanzanalysen (IEEFA) zeigt einen Ausweg aus der Abhängigkeit von Flüssigerdgas (LNG): Mit einem forcierten Ausbau von Wärmepumpen, Solar- und Windkraft könnte die EU bis 2030 rund 90 Milliarden Kubikmeter Gas einsparen — doppelt so viel, wie sie derzeit aus Katar importiert.
„Die Energiekrise des Jahres 2026 stellt die Stabilität der EU erneut auf die Probe“, schreibt das Institut in der am 28. Juli 2026 veröffentlichten Studie. Zugleich biete sie die Chance, „sich aus der Abhängigkeit von Gasimporten – unabhängig von der Herkunft – zu lösen und auf den Erkenntnissen aus der Energiekrise von 2022 aufzubauen“.
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Gasbedarf gesenkt
Nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine im Februar 2022 erhöhte demnach die EU die Importe von Flüssiggas vom Vorkriegsjahr 2021 bis 2025 um 84 Prozent. Die Hormuskrise und die Schäden der Exportanlagen in Katar haben laut Studienautorin Ana Maria Jaller-Makarewicz die Abhängigkeit der EU von LNG-Importen deutlich vor Augen geführt.
Um dem entgegenzutreten, müsse die EU ihren Gasbedarf senken, indem sie den Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie von Wärmepumpen beschleunigt, lautet ihre Empfehlung. So lasse sich der Bedarf an LNG-Importen eindämmen:
„Dies ist der wirksamste Weg, um Europas Abhängigkeit von volatilen Importen fossiler Brennstoffe strukturell zu reduzieren.“
Anhand von Zahlen von Eurostat und eigenen Analysen zeigt die Studie, dass die EU zwischen 2021 und 2024 ihren Gasbedarf um rund 78,5 Milliarden Kubikmeter senken konnte, was einem Rückgang von 20 Prozent entspricht. Als wesentliche Treiber hierfür gelten erneuerbare Energien und Wärmepumpen in Kombination mit politischen Maßnahmen zur Senkung des Gasverbrauchs.
So reduzierten laut Eurostat-Daten EU-Haushalte von 2021 bis 2024 ihren Gasverbrauch um 24 Prozent. Die Industrie verbrauchte um 20 Prozent weniger Gas, während der Verbrauch von Gewerbe- und öffentlichem Dienstleistungssektor um 19 Prozent sowie die Strom- und Wärmeerzeugung um 18 Prozent abnahm.
Gaseinsparpotenzial bis 2030
Zwischen 2022 und 2024 wurden in der EU rund 7,6 Millionen Wärmepumpen installiert. Ebenso stiegen in diesem Zeitraum in den EU-Ländern die Installationen von Photovoltaikanlagen, die eine Gesamtleistung von 146 Gigawatt aufweisen.
Deutschland, Spanien, Polen, Italien, Frankreich und die Niederlande installierten die meisten Anlagen. Im gleichen Zeitraum installierten die EU-Länder Windkraftanlagen mit einer Leistung von mehr als 43 Gigawatt, angeführt von Deutschland, Finnland, Schweden, Frankreich, Spanien, den Niederlanden und Polen.
Auf Grundlage der Analyse der Eurostat-Daten zur Wind- und Solarstromerzeugung sowie zu den Auswirkungen neuer Wärmepumpen auf den Gasbedarf im Vergleich zu den LNG-Importen der letzten Jahre kommt das Institut für Energiewirtschaft und Finanzanalysen zu dem Schluss, dass klimaverträgliche Energie dazu beigetragen hat, die Abhängigkeit der EU von LNG-Importen zu verringern.
Das Institut schätzt, dass der Einsatz von Wärmepumpen zusammen mit der gesteigerten Solar- und Windstromerzeugung den Gasbedarf der EU im Jahr 2024 um 8,8 Milliarden Kubikmeter Gas gesenkt haben.
Bis 2030 ließen sich durch neue Wärmepumpen, Solar- und Windkraftanlagen 90 Milliarden Kubikmeter Gas einsparen. Das sei doppelt so viel, wie die EU derzeit aus Katar importiert.
Hindernisse am Ausbau
Diese Rechnung kann allerdings nur aufgehen, wenn Hindernisse bei der Installation und Nutzung von Solar- und Windkraftanlagen aus dem Weg geräumt werden. Solange sie wegen negativer Strompreise an der Börse abgeregelt werden müssen, bremst das die Installation neuer Anlagen und somit die Gaseinsparquote… weiterlesen


