Bali-Reise ins Labor für nachhaltigen Tourismus

Bali-Reise ins Labor für nachhaltigen Tourismus
Sie lebt ihr Thema: Dr. Nyoman Dini Andiani setzt sich in ihrer Heimat Nord-Bali für Frauenrechte und nachhaltige Tourismus- sowie Dorfentwicklung ein. Rund um Buleleng, wo sie im Hauptberuf an der Universität lehrt, kennt und betreut sie Projekte. Sie weiß, wer die Macher vor Ort sind. Denen steht sie mit akademischem Wissen und praktischer Hilfe zur Seite, damit diese Arbeit von Erfolg gekrönt wird. Ihr geht es darum, nicht nur Touristen auf die Insel zu locken. „Natürlich“, sagt sie, „die Menschen hier wollen auch am Tourismus verdienen.“ Dini, wie sie hier jeder nennen darf, jedoch geht es um mehr. Sie nennt es „Special-interest tourism“: „Mein Ziel ist, dass unsere Gäste das authentische Leben in unseren Dörfern erfahren“ – dass Touristen sich mit den Menschen auf Bali austauschen und sie verstehen lernen.

Video der Reise nach Bali
Immer wieder bringt Dini auch Gäste in die Region. Denen zeigt sie, was die Menschen in der bergigen und von üppigem Tropenwald überwucherten Region auf dieser indonesischen Insel antreibt. „Für mich geht es beim nachhaltigen Tourismus darum, die Harmonie zu bewahren“, betont Dini Andiani: „Wenn das Gleichgewicht zwischen Menschen, Kultur, Natur und Spiritualität gewahrt bleibt, kann der Tourismus nicht nur wirtschaftliche Vorteile bringen, sondern auch eine bessere und sicherere Zukunft für die Menschen auf Bali schaffen.“
Dinis Tourismus-Vision mit globalmagazin erlebt
Wie Dini dieses Credo in ihrer Arbeit umsetzt, erlebten Teilnehmer einer von globalmagazin mitorganisierten Tour. Gemeinsam mit dem ungarischen Pädagogen und Tourismusexperten Prof. Dr. Miklos Banhidi besuchte ein Duzend weiterer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Norden Balis. Es waren intensive Tage. Dini hatte sie vollgepackt. Sie wollte alles zeigen, was die Menschen hier auf die Beine stellen und was sie antreibt: Die Teilnehmer besuchten Plantagen mit Bioweinbau, sie debattierten mit einem Wildbienenzüchter im Urwald. Dini führte die Gruppe in Webereien, in denen traditionelle Stoffe auf hölzernen Webstühlen entstehen. Sie zeigte ihnen Bibliotheken, in denen in Palmblätter geritzte Texte konserviert sind oder ließ sie teilhaben, wie auf einer Aufzuchtstation Meeresschildkröten schlüpfen und ins Meer entlassen wurden oder sie zeigte ihnen, welchen Spaß die Bauern – und vor allem deren Jugend – beim Vorbereiten der Anbauflächen auf den mit Wasser gefluteten Terrassenfeldern haben: beim Spiel, das die Gemeinschaft fördert und dem sich anschließenden gemeinsamen Schlammbad.

Die Bali-Erkunder erlebten atemberaubende Landschaften. Sie bestaunten imposante Wasserfälle und genossen ein Bad in warmen Schwefelquellen. Sie lauschten traditionellen Instrumenten und genossen köstliche Speisen. Dini führte sie – bei Besuchen in hinduistischen Tempelanlagen – in die spirituellen Grundlagen der balinesischen Kultur ein und sie organisierte Diskussionen mit Schülerinnen und Schülern. Deren Neugier auf die Gäste aus allen Ecken der Welt, war groß, ihre Fragen interessiert. Die Antworten gaben mitunter das Startsignal für ganze Debattenrunden.
Bei Treffen mit Aktiven der von Dini Andiani betreuten Dorfprojekte tauschte sich die Besuchergruppe mit den Menschen vor Ort aus. Sie erfuhr von Schwierigkeiten, besprach mögliche Lösungen. Der Austausch war fruchtbar – für beide Seiten.
Wissenschaftliche Expertise und praktisches Handeln
Bei einer Konferenz an der State University in Buleleng schalteten sich zudem weitere Wissenschtler und Wissenschaftlerinnen aus mehreren Ländern zu. Sie stellten ihre Forschungsergebnisse zum Thema nachhaltige Dorf- und Tourismusentwicklung vor.
„Das“, meint Dini zu diesen Treffen, wo Expertise und praktisches Handeln sich ergänzen, „ist genau, was wir in unseren Dörfern brauchen: Sie verfügen über wunderschöne Natur- und Kulturressourcen, sind meist aber noch keine bekannten Reiseziele. Ich sehe es als Aufgabe, ihnen zu helfen. Diese Dörfer sollen ihr eigenes Potenzial erkennen und dann Verantwortung für den Schutz dessen übernehmen.“
Dann sieht Dini eine Win-win-Situation für Touristen und für die Dörfer auf Bali. „Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen vor Ort, wenn sie wirklich einbezogen werden und einen fairen Anteil an den Erträgen des Tourismus erhalten, einen stärkeren Anreiz haben, ihre Umwelt, ihre Kultur und ihre Gemeinschaft zu schützen.“
Deshalb ist für Dr. Nyoman Dini Andiani der Blic über die Campusgrenzen ihrer Universität so wichtig. Sie will mithelfen ihre Vision wahr werden zu lassen: „Dort, so glaube ich, beginnt nachhaltiger Tourismus erst wirklich.“
Gerd Pfitzenmaier















