Daten aus 66 Ländern zeigen Schlüssel zum Glück

Daten aus 66 Ländern zeigen Schlüssel zum Glück
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Daten aus 66 Ländern zeigen Schlüssel zum Glück

forschung-und-wissen.de: Die Glücksforschung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem mit der Frage beschäftigt, was einzelne Menschen zufrieden macht. Dabei unterscheidet die Psychologie üblicherweise zwei Ebenen des Wohlbefindens. Glück im engeren Sinn beschreibt den emotionalen Zustand, also wie häufig jemand Freude, Gelassenheit und Zufriedenheit empfindet. Lebenszufriedenheit ist dagegen eine kognitive Bewertung, bei der Menschen ihr Leben als Ganzes beurteilen und prüfen, ob sie ihre langfristigen Ziele erreichen.

Deutlich weniger erforscht ist die Frage, was ganze Gesellschaften glücklich macht, denn das kollektive Wohlbefinden einer Nation ist mehr als die Summe der Einzelwerte ihrer Bürger. Manche Eigenschaften nützen dem Einzelnen, ohne der Gesellschaft zu helfen, andere entfalten ihre Wirkung erst, wenn viele Menschen sie teilen, etwa Toleranz gegenüber Andersdenkenden.

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Ein Team um die Psychologin Ewa Palikot vom Institut für Psychologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften hat diese Lücke nun mit einer großangelegten Analyse geschlossen. Die Forscher werteten Befragungsdaten von 97.220 Menschen aus 66 Ländern aus und prüften mehr als 200 soziale und psychologische Variablen auf ihren Zusammenhang mit Glück und Lebenszufriedenheit.

Mit mehrstufigen statistischen Modellen trennten sie dabei Effekte auf der Ebene einzelner Personen von Effekten auf Länderebene und berücksichtigten Störgrößen wie Alter, Geschlecht, Bildung, sozialen Status und den wirtschaftlichen Wohlstand der Staaten. Von allen geprüften Variablen erwiesen sich 56 Mechanismen als statistisch bedeutsam für das Wohlbefinden, die sich wiederum zu fünf übergeordneten Treibern zusammenfassen ließen.

Diese fünf Faktoren entscheiden über das Glück

Laut der im Fachjournal The Journal of Positive Psychology erschienenen Studie sind Gesellschaften dann am glücklichsten, wenn fünf Bedingungen zusammenkommen. Erstens muss die Gesellschaft individuelle Entfaltung zulassen, also die Freiheit, eigene Ziele zu verfolgen. Zweitens fördern aufklärerische Ideen und Institutionen wie Bildung, Wissenschaft und Rechtsstaatlichkeit das Wohlbefinden.

Drittens müssen die menschlichen Grundbedürfnisse gesichert sein, von Nahrung über Wohnen bis Gesundheit. Viertens brauchen glückliche Gesellschaften funktionierende Regierungs- und Sicherheitsinstitutionen, denen die Bürger vertrauen können. Fünftens schließlich wirken enge soziale Bindungen im unmittelbaren Umfeld, also verlässliche Beziehungen zu Familie, Freunden und Nachbarn.

Kein einzelner Faktor genügt für sich, erst ihr Zusammenspiel hebt das Glücksniveau ganzer Nationen messbar an.

Gemeinschaft schlägt Selbstoptimierung

Das zentrale theoretische Ergebnis der Untersuchung betrifft den Weg zum gesellschaftlichen Glück. Die Autoren unterscheiden einen individualistischen Pfad, bei dem jeder Bürger für sein eigenes Glück sorgt und daraus in der Summe eine glückliche Gesellschaft entstehen soll, und einen gemeinschaftlichen Pfad, bei dem die Gesellschaft Bedingungen schafft, unter denen Menschen das Wohlbefinden der anderen fördern.

Die Daten sprechen deutlich für den zweiten Weg, denn unterstützende und einbeziehende Umfelder steigerten das nationale Wohlbefinden erheblich stärker als rein individuelle Strategien. Interessant sind auch die Gegenläufigkeiten, die die Analyse aufdeckte, denn das Ausleben negativer Gefühle kann dem Einzelnen guttun, drückt aber die Stimmung der Gesellschaft, während gelebte Toleranz vor allem das Umfeld glücklicher macht… weiterlesen

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