Geht fast überall: Wohlstand durch Erneuerbare

Geht fast überall: Wohlstand durch Erneuerbare
cleanthinking.de: Zehn Länder besitzen fast drei Viertel allen Öls und Gases, das je gefunden wurde. Sonne und Wind reichen dagegen in Ländern, in denen 97 Prozent der Menschheit leben, für mehr als das Zehnfache ihres heutigen Strombedarfs. Zukünftiger Wohlstand ist eng verknüpft mit dem Ausbau erneuerbarer Energien – und dem Abschied von fossilem Zeugverbrennen und Atomkraft.
Das Wohlstandsmodell des 20. Jahrhunderts hat eine einfache Geografie. Wer Öl und Gas im Boden hatte, verdiente, alle anderen zahlten. Nach einer Auswertung des Thinktanks Ember leben heute 71 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, die mehr Energie importieren als exportieren. Gesprengte Pipelines und die gesperrte Straße von Hormus schicken ihnen die Rechnung (mehr dazu: Fatih Birol sieht die Welt in einer Vertrauenskrise bei Öl und Gas). Dazu lässt der Panamakanal wegen El Niño weniger Schiffe durch.
Die neue Ember-Studie „The Age of Power” beschreibt, was an die Stelle dieses Modells tritt. Sie nennt vier Versprechen der elektrischen Wende: Souveränität, Demokratisierung, Überfluss und ein stabiles Klima. Zusammen ergeben sie Wohlstand durch erneuerbare Energien, und jedes Versprechen lässt sich mit Zahlen belegen.
Wer den Wohlstand im Reaktor sucht
In Deutschland läuft in diesen Tagen eine andere Erzählung. Fritz Vahrenholt und Björn Peters haben ein Buch veröffentlicht, das Kernkraft den „Schlüssel zum Wohlstand” nennt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wirbt für kleine modulare Reaktoren. Ihre eigenen Beamten halten diese laut einer vertraulichen Unterrichtung für den Bundestag für nicht marktfähig und pro Megawattstunde teurer als große Kernkraftwerke, berichtet der SPIEGEL.
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Selbst Vahrenholt hält die kleinen Reaktoren für zu teuer. „Die Small Modular Reactors mit 300 Megawatt sind tatsächlich um etwa 50 Prozent teurer”, sagt er im Interview mit der Berliner Zeitung. Er setzt auf das Großkraftwerk, und auch dort steckt der Fehler im eigenen Argument. Die Kosten der Kernenergie bestehen nach seinen Worten zu 90 Prozent aus Kapital. Eine solche Anlage rechnet sich nur, wenn sie fast rund um die Uhr läuft.
In einem Stromsystem, das mittags Solarstrom im Überfluss hat, konkurriert ein Reaktor mit Sonne und Wind um dieselben Stunden. Jede Stunde Stillstand verteuert seinen Strom. Bei kleinen Reaktoren wiegt das noch schwerer, weil ihre Megawattstunde ohnehin teurer ist (mehr dazu: SMR und Atomkraft: Harald Lesch zerlegt von der Leyens „strategischen Fehler”).
Ob große oder kleine Reaktoren: Diese Kraftwerke wirken angesichts dessen, was kommt, wie aus der Zeit gefallen. Wer so auf die Energiewelt blickt, trägt eine Vergangenheitsbrille. Technikverweigerung ist es, die Chancen der Electrotech-Revolution nicht ergreifen zu wollen, also des Umbaus auf Solarstrom, Windkraft, Batterien und elektrische Maschinen.
Was fast jedes Land schon besitzt
Das erste Versprechen heißt Souveränität. Öl und Gas konzentrieren Macht: Zehn Länder halten 73 Prozent der Menge, die je gefördert wurde oder als Reserve nachgewiesen ist. Sonne und Wind verteilen diese Macht. Fast jedes Land hat genug davon, um sich selbst zu versorgen. Bis 2040 können sich bis zu 15 Billionen Dollar an fossilen Renten von den Förderländern zu den Verbraucherländern verschieben.
Zehn Länder halten 73 Prozent des je gefundenen Öls und Gases. 97 Prozent der Menschen leben in Ländern, deren Wind- und Solarpotenzial mehr als das Zehnfache ihres Strombedarfs beträgt. QUELLE: EMBER, THE AGE OF POWER (2026), CC BY 4.0
Für Europa heißt das, als Kontinent zu rechnen. Energieintensive Grundstoffe entstehen dort, wo Strom am billigsten ist, in Spanien mit Sonne und Wind, in Norwegen mit Wasserkraft. Deutschland hat andere Stärken: Ingenieur*innen, einen innovativen Mittelstand, Maschinenbau, die Kreislaufwirtschaft der Zukunft. Wer zwischen den USA und China bestehen will, muss diese Arbeitsteilung organisieren.
Wie Haushalte und Betriebe ihren Strom selbst erzeugen
Das zweite Versprechen heißt Demokratisierung. Die Hälfte der weltweit installierten Solarleistung steht hinter dem Stromzähler, auf Dächern von Häusern, Höfen und Betrieben. Dachanlagen und Heimspeicher machen zusammen zwölf Prozent der globalen Kraftwerkskapazität aus. Im Stromsystem des 20. Jahrhunderts erzeugten wenige Konzerne den Strom, heute erzeugen, speichern und verkaufen ihn Haushalte, Stadtwerke, Genossenschaften und Mittelständler selbst… weiterlesen


