Aus Zigaretten-Kippen werden Brillen

Aus Zigaretten-Kippen werden Brillen
br.de: In Pocking im Landkreis Passau stehen derzeit besondere Sammelbehälter – für Zigarettenstummel. Die Aktion soll die Umwelt schützen und die Kreislaufwirtschaft stärken. Denn aus den Filterstummeln werden Sonnen- und Lesebrillen.
In Pocking im Landkreis Passau ist derzeit zu sehen, wie aus einem der hartnäckigsten Alltagsabfälle ein neues Produkt entsteht: Unter dem Motto „Saubere Stadt. Saubere Sicht“ sammelt Augenoptikermeister Günter Loibl im gesamten Stadtgebiet Zigarettenkippen – damit aus ihnen neue Brillengestelle entstehen.
Sammlung in speziellen Behältern
Rund zwanzig Sammelbehälter stehen bereits – bei der Feuerwehr Pocking und Eggersham, den Pfadfindern, in Geschäften sowie Unternehmen. Auch die Stadt Pocking unterstützt die Aktion und hat unter anderem an der Stadthalle und auf Grünflächen entsprechende Behälter installiert. Mitmachen kann bei der Sammelaktion jeder und jede: Einfach Kippen aufsammeln und in die Behälter werfen. Mehr ist nicht nötig.
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Vom Abfall zum Brillengestell
Die gesammelten Zigarettenstummel sind dann der Ausgangspunkt für ein neues Brillenmaterial: Zunächst werden die Stummel von einem chilenischen Recycling-Spezialisten gereinigt und zerlegt. Schadstoffe wie Teer, Nikotin und Schwermetalle werden entfernt, ehe nur noch die Cellulose übrigbleibt. Ein Stoff, der in der herkömmlichen Brillenproduktion derzeit noch besonders wasserintensiv aus Baumwolle und Holz gewonnen wird.
Anschließend wird daraus ein schadstofffreies Granulat erzeugt, das an die oberbayerische Brillenmanufaktur FUNK geliefert wird. Dort wird das Granulat zu Platten gepresst, aus denen schließlich die Brillenfassungen gestanzt werden. Die Manufaktur sammelt also nicht selbst Zigarettenstummel.
Auch CO₂ wird eingespart
Rund 600 Zigarettenstummel werden dabei für eine Brille benötigt. Ein weiterer Vorteil: Laut dem Hersteller werden bei der Produktion bis zu vierzig Prozent weniger CO₂ ausgestoßen.
Die erste Kollektion brachte das in Kinsau ansässige Unternehmen im Frühjahr auf den Markt. Wie Augenoptiker Loibl betont, haben diese Modelle nichts mehr mit dem ursprünglichen Abfall zu tun: „Zigarettenstummel haben ein schlechtes Image, aber es ist davon nichts mehr an der Brillenfassung erkennbar. Hier geht es allein um den Rohstoff.“
Umweltproblem Zigarettenkippe
Dass dieser Rohstoff aus Zigarettenstummeln gewonnen wird, berührt ein deutlich sichtbares Umweltproblem: Denn Zigarettenfilter zählen auch in Bayern zu den häufigsten Abfallprodukten. Das wird in Pocking deutlich, als Loibl auf dem Weg zu einem Sammelbehälter an zahlreichen Stummeln vorbeigeht, die zwischen Pflastersteinen liegen: „Es ist schon erstaunlich, wie achtlos Menschen mit diesem Abfall umgehen. Dabei kann schon ein Zigarettenstummel bis zu 40 Liter Grundwasser verunreinigen.“
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