Batterien: Revolution im deutschen Stromnetz

Batterien: Revolution im deutschen Stromnetz
spiegel.de: Fast unbemerkt vollzieht sich im deutschen Stromnetz eine Revolution. Die Gesamtkapazität aller Batteriegroßspeicher könnte um den Faktor 27 wachsen – und damit das Stromsystem verändern.
Vor gut 21 Monaten erschien an dieser Stelle eine Kolumne mit der Überschrift »Ein Batterie-Tsunami rollt heran«. Sie handelte von der erstaunlichen Tatsache, dass bei den deutschen Gesamtkapazität zu diesem Zeitpunkt eine riesige Menge sogenannter Anschlussbegehren für Batteriegroßspeicher für das Stromnetz vorlag. Damals ging es um 161 Gigawatt (GW) beantragte Anschlussleistung. Die Kolumne und die zugrunde liegenden Zahlen lösten damals mancherorts große Skepsis aus (andernorts aber wurde das Thema ein paar Monate später dann aufgegriffen.
Die Zahl der Anschlussbegehren wuchs danach rasant weiter: Allein 2025 ging es laut Bundesnetzagentur um gut 573 Gigawatt.
Klar war aber immer: Diese gewaltige Zahl wird weder genehmigt noch gebaut.
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Jetzt zeigt sich: Der Tsunami ist trotzdem in vollem Gang. Schon bald würden wir unser Energiesystem »nicht wiedererkennen«, so kommentiert der Energiemarktexperte Tim Meyer neue, beeindruckende Zahlen der Bundesnetzagentur . Rechnet man alles zusammen, was in den Übertragungsnetzen und den Verteilnetzen an Anschlusszusagen erteilt wurde, kommt man bis zum 1. April 2026 auf insgesamt fast 80 Gigawatt Leistung und fast 200 Gigawattstunden Speicherkapazität. Und dabei wurde nur ein geringer Prozentsatz aller Anträge genehmigt. Um einmal zu verdeutlichen, was für eine gigantische Veränderung das ist: Das Wirtschaftsministerium unter dem Grünen Robert Habeck prognostizierte noch im Frühjahr 2024 Großspeicher mit 43 bis 54 Gigawatt Leistung – für das Jahr 2045! Im Jahr 2026 sind nun 80 Gigawatt genehmigt. Mit anderen Worten: Selbst Leute, die an diese Technologie glauben, haben ihr rasantes Wachstum dramatisch unterschätzt.
Werden all die Speicher mit bereits erteilten Anschlusszusagen gebaut, übersteigt ihre theoretisch mögliche Gesamtleistung die maximale Last, die es im deutschen Stromnetz derzeit gibt (etwa 75 Gigawatt Spitzenlast). Anders formuliert: Diese Speicher könnten – kurzzeitig – mehr Leistung liefern, als ganz Deutschland in der Spitze braucht.
Der gespeicherte Strom würde in diesem hypothetischen, unrealistischen Szenario nur für höchstens ein bis zwei Stunden reichen. Aber es geht ja auch nicht darum, das Land flächendeckend und dauerhaft mit Strom aus Akkus zu versorgen. Sondern darum, den Strom schnell billiger und sauberer zu machen, die Schwankungen eines erneuerbaren Stromsystems vor allem über den Tag hinweg auszugleichen.
Man muss bei Batterien immer zwischen diesen zwei Merkmalen unterscheiden:
Leistung – also das, was ein Speicher zu einem gegebenen Zeitpunkt maximal zur Verfügung stellen kann. Bei Ihnen zu Hause würde die Leistung des Batteriespeichers im Keller beispielsweise darüber entscheiden, ob sie den Fernseher und den Backofen gleichzeitig nur mit Strom aus der Hausbatterie betreiben können. Leistung wird in Kilo-, Mega-, Giga- oder Terawatt angegeben. Für die Größenordnung: Ein durchschnittliches Kohlekraftwerk liefert etwa ein Gigawatt Leistung.
Speicherbare Strommenge, oft Speicherkapazität genannt. Sie bestimmt, wie lang der Speicher seine Leistung zur Verfügung stellen kann, bis er leer ist. Vereinfacht gesagt: Je größer der Akku, desto weiter kann das Elektroauto damit fahren. Die Strommengen, die ein Akku speichern kann, werden heute meist in Kilo-, Mega-, Giga- oder Terawattstunden angegeben.
Kalifornien hat seinen Gasverbrauch halbiert
All das funktioniert nicht nur in Privathäusern oder Unternehmen mit oder ohne Photovoltaik auf dem Dach, sondern auch in viel größerem Maßstab. In Kalifornien sind derzeit beispielsweise Speicher mit gut 21 Gigawatt Leistung ans Netz angeschlossen, also etwa so viel Leistung wie 21 Kohlekraftwerke. Kalifornien hat auf diese Weise die Menge an Erdgas, die zur Stromerzeugung eingesetzt werden muss, binnen drei Jahren um 34 Prozent gesenkt . Das spart jede Menge Geld, denn Strom aus Gas ist teuer… weiterlesen


