Deutschlands Abhängigkeit von LNG aus USA

Deutschlands Abhängigkeit von LNG aus USA
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Deutschlands Abhängigkeit von LNG aus USA

handelsblatt.com: Deutschland hängt zunehmend von US-Flüssiggas ab. Aber was wären die Folgen, wenn Washington der Bundesrepublik den Gashahn abdreht? Experten warnen – und sehen ein zweites Risiko.

Deutschland hat seine Gasversorgung nach dem Ende der russischen Pipeline-Lieferungen umgestellt – doch die neue Sicherheit ist trügerisch: Mit der wachsenden Abhängigkeit von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus den USA steigt auch das politische Risiko, warnen Energieexperten im Gespräch mit dem Handelsblatt.

So sagt der Politologe Andreas Goldthau, Professor an der Universität Erfurt und Direktor der Willy Brandt School of Public Policy: „Die USA haben durch ihre LNG-Lieferungen nach Europa einen mächtigen Erpressungshebel.“ Jacopo Pepe, Energieexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), sieht durch ein solches Szenario erhebliche Risiken: „Eine Beschränkung von US-LNG-Lieferungen könnte einen Preisschock auslösen.“

Schon die Drohung, Lieferungen im Falle eines politischen Konflikts zu begrenzen oder zu verteuern, „könnte enorme Extrakosten zur Folge haben“, sagt Pepe. Im kommenden Winter werde sich daher zeigen, „wie belastbar unser neues Gasversorgungsmodell ist“.

Globaler asmarkt angespannt

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat sich die Gasversorgung Deutschlands grundlegend gewandelt. Mit dem Wegfall russischer Erdgaslieferungen per Pipeline hat die Bedeutung von LNG-Lieferungen stark zugenommen. Die USA spielen dabei eine dominierende Rolle – mit steigender Tendenz.

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Zugleich ist der globale Gasmarkt wegen des Streits um die Straße von Hormus angespannt. Rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels führt durch die Meerenge. Vor allem LNG-Tanker aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind auf die Passage angewiesen. Seit dem Angriff der USA auf den Iran sind die Lieferungen empfindlich gestört.

Zusätzlich wird die Lage in Deutschland durch den niedrigen Füllstand der Gasspeicher erschwert, der deutlich hinter den langjährigen Durchschnittswerten zurückbleibt. Experten befürchten, dass gegen Ende des Winters wegen stark geschwundener Reserven ein hoher zusätzlicher Bedarf an LNG-Lieferungen entstehen könnte.

„Wir sind dann auf die kontinuierliche Belieferung mit LNG angewiesen. Das macht uns erpressbar“, sagte Raffaele Piria, Senior Fellow am Ecologic Institut in Berlin, dem Handelsblatt.

Deutschland bezieht 90 Prozent des LNG aus den USA

Das Problem: Die Amerikaner haben unter Präsident Donald Trump wiederholt deutlich gemacht, dass sie Energielieferungen als machtpolitisches Instrument betrachten. Es bestehe „absolute Gewissheit, dass die USA Energieexporte als Hebel zur Durchsetzung politischer Ziele nutzen werden“, sagte Loyle Campbell von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) dem Handelsblatt.

Die stark gewachsene Bedeutung der USA für die Gasversorgung Europas und insbesondere Deutschlands ist frappierend. Im vergangenen Jahr stammten 57 Prozent der europäischen Flüssigerdgasimporte aus den USA. Das entspricht einem Viertel des gesamten Gasverbrauchs. Deutschland bezog sogar 90 Prozent seines Flüssigerdgases aus den USA.

Das Ecologic Institut, das niederländische Clingendael-Institut und das Norwegian Institute of International Affairs (NUPI) hatten bereits zu Jahresbeginn eine Studie veröffentlicht, die die wachsende Dominanz der USA bei der LNG-Versorgung Europas kritisch beleuchtet. Darin heißt es, die EU laufe Gefahr, ihre historische Abhängigkeit von russischem Gas und Öl gegen eine neue Energieabhängigkeit einzutauschen – von den USA.

Druck aus den USA ist Realität

Das Bundeswirtschaftsministerium weist diese Kritik regelmäßig zurück. Das Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU) verweist darauf, dass es eine Reihe von Ländern gebe, die LNG anbieten. Anders als bei leitungsgebundenen Gaslieferungen ließen sich neue Bezugsquellen leichter erschließen. Das Ministerium nennt Algerien, Nigeria und Katar. Weitere große LNG-Exporteure sind Australien, Russland und Malaysia…. weiterlesen

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