Greenwashing: Biodiversität überholt Klimawandel

Greenwashing: Biodiversität überholt Klimawandel
Foto:Pixabay CC/PublicDomain

Greenwashing: Biodiversität überholt Klimawandel

umweltdialog.de: Die Zahl der weltweit mit Greenwashing in Verbindung gebrachten Unternehmen ist laut RepRisk-Jahresbericht 2026 um 28 Prozent auf 1.594 gestiegen – der zweite Anstieg in Folge nach einem Rückgang 2024. Erstmals seit fünf Jahren hat Biodiversität den Klimawandel als häufigstes Greenwashing-Thema abgelöst, während sich das Risiko zunehmend auf Sektoren der Energiewende verlagert.

Der fünfte jährliche Greenwashing-Report des Schweizer Datenanbieters RepRisk zeichnet für den Betrachtungszeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 ein Bild wachsender Risiken: 1.594 Unternehmen wurden mit Greenwashing-Vorwürfen in Verbindung gebracht, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Branchenportal Mining Stock Education aus dem Report zitiert. Über fünf Jahre betrachtet hat sich die Zahl der erfassten Greenwashing-Vorfälle mehr als verdoppelt (+112 Prozent). RepRisk weist allerdings selbst darauf hin, dass die Greenwashing-Kategorie erst 2025 eingeführt wurde und die absoluten Fallzahlen auch die kontinuierliche Erweiterung der eigenen Datenerhebung (mehr Quellen, Sprachen, erfasste Unternehmen) widerspiegeln – Vergleiche über mehrere Jahre sind daher nur eingeschränkt belastbar, weshalb der Bericht selbst vor allem auf relative Anteile setzt.

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Inhaltlich zeigt sich eine Verschiebung: Themen rund um Biodiversität und Ökosysteme wuchsen von 162 Verknüpfungen (2024) auf 300 (2026) – nahezu eine Verdopplung –, während sich Klima- und Emissionsthemen mit 272 zu 275 Verknüpfungen kaum veränderten. Damit hat Biodiversität das Klima erstmals seit fünf Jahren als wichtigstes Umweltthema im Greenwashing-Kontext überholt.

Banken und Finanzdienstleister führen Negativliste an

Auch die sektorale Verteilung verschiebt sich: Der Anteil transitionsnaher Branchen – alternative Energien, Industriemetalle, Bergbau, Software/IT-Dienste und Versorger – an den Umweltthemen-Verknüpfungen stieg von 18 Prozent (2022) auf 29 Prozent (2026), während der Anteil von Öl und Gas im selben Zeitraum von 17 auf 12 Prozent sank. Die Prüfung richtet sich damit zunehmend auf jene Branchen, die die Energiewende aktiv mitgestalten sollen, statt nur auf klassische fossile Emittenten.

Mit Abstand größte Gruppe bleiben Finanzinstitute: Finanzdienstleister kommen auf 305 Unternehmen mit Greenwashing-Bezug (plus 40 Prozent zum Vorjahr), Banken auf 86 (plus 23 Prozent) – zusammen rund ein Fünftel aller sektoralen Verknüpfungen. RepRisk begründet dies mit der „enabling role“ von Finanzinstituten, die über Finanzierungs- und Anlageentscheidungen auch für die Klima- und Biodiversitätswirkung der von ihnen finanzierten Unternehmen mitverantwortlich gemacht werden.

Auf LinkedIn kommentierte RepRisk den aktuellen Bericht zusätzlich mit dem Hinweis, Europa zeige „einen anhaltenden Rückgang“ bei Greenwashing-Verknüpfungen sowie eine wachsende Persistenz bei Wiederholungstätern, insbesondere bei Fluggesellschaften und Banken – Aussagen, die der öffentlich einsehbare Teil des Berichts selbst nicht mit Zahlen unterlegt und die sich daher an dieser Stelle nicht unabhängig verifizieren lassen. Bemerkenswert: Der Vorgängerbericht für 2025 hatte Finanzinstitute explizit als unterdurchschnittlich bei Wiederholungsfällen eingestuft, während Fluggesellschaften, Autozulieferer und IT-Dienstleister dort die Liste anführten – ob sich das Bild für Banken 2026 tatsächlich gedreht hat, bleibt auf Basis der öffentlich zugänglichen Angaben offen.

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