Grün in Städten: Bäume mögen es urban

Grün in Städten: Bäume mögen es urban
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Grün in Städten: Bäume mögen es urban

zeit.de: Pflanzen und Grünflächen geht es bei hohen Temperaturen in der Stadt besser als auf dem Land. Ist das eine gute Nachricht? 

Stadtbäume stecken Hitze besser weg als solche im Umland? Was Forscher in der Fachzeitschrift PNAS berichten, ist zunächst schwer zu glauben. Schon wegen der Erinnerungen an den zurückliegenden Hitzesommer: mit flimmernder Luft über versiegelten Straßen und Plätzen; mit Bäumen und Grünflächen, die inmitten dieser Hitze Linderung boten. Denn über ihr Blätterdach verdunstet unablässig Wasser, was die Lufttemperatur in der Baumkrone um bis zu anderthalb Grad Celsius senkt. Am Boden im Schatten dieses grünen Sonnenschirms kann die Luft sogar um mehr als zehn Grad Celsius kühler sein.

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Gleichzeitig sind Städte »Hitzeinseln«, so nennen es sogar Fachleute in ihrem Jargon, sprechen vom urban heat-island effect: Urbane Flächen sind im Durchschnitt wärmer als ländliche. Besonders während heißer Sommertage und -nächte. Dauerstress also für die Kühlbäume, und man sollte meinen, in der Extrahitze litten sie besonders.

Tatsächlich aber berichtet jetzt ein internationales Forscherteam um Zhengfei Guo von der Universität Hongkong vom Gegenteil: Städtische Vegetation schlägt sich in der Hitze besser als ländliche. Das ergibt die Analyse von Satellitendaten aus 20 Jahren von gut 750 großen Städten in mehr als 100 Ländern. »In den meisten Städten lag der wesentliche städtische Vorteil in einer schnelleren Erholung«, sagt Co-Autor Jin Wu. Die Stadtgewächse seien »oft schneller zu ihrem ursprünglichen Grünzustand zurückgekehrt«.

„Wachsenden »globalen Abweichung« zwischen Land- und Stadtgrün“

Die Farbe von Blättern, Nadeln und Halmen nahmen die Fachleute als globalen Indikator für den Zustand der Vegetation. Und in knapp einem Drittel der Städte stellten sie dabei außerdem fest, dass die Vegetation auch widerstandsfähiger war, also weniger gesundes Grün verlor als im Umland. Diesen »doppelten Vorteil« der Stadtvegetation fand das Team allerdings fast ausschließlich in ariden, also von Natur aus trockenen Gegenden wie dem amerikanischen Westen, Nordafrika, dem Mittleren Osten sowie Australien.

Ein genereller Unterschied zwischen Stadt und Land findet sich ebenso in feuchten Gegenden und gemäßigten Breiten, auch in Europa. Mit 78 Prozent tritt er in fast vier Fünfteln der untersuchten Städte auf, und er hat sich zwischen dem Jahr 2001 und 2022 verstärkt. Deshalb sprechen Zhengfei Guo und seine Kollegen von einer wachsenden »globalen Abweichung« zwischen Land- und Stadtgrün: Im Umland zeige die Vegetation im Zeitverlauf eine langsamere Erholung, während urbane Grünflächen, Bäume und Pflanzen »stabil« geblieben seien oder sich ihr Zustand »leicht verbessert« habe. Die traurige Lesart der Analyse ist also: Vor allem geht es der Vegetation im Umland zusehends schlechter. Wobei die Studie zwar Muster und Trends in Satellitendaten aufzeigt, allerdings nicht die Frage nach der Ursache beantwortet. Aber zumindest darf man vermuten: Wenn Stadtgrün bei Bedarf bewässert wird, könnte das eine Rolle spielen.

„Doppelter Druck“

Urbane Gebiete bedecken nur etwa ein halbes Prozent der Erdoberfläche, beherbergen aber mehr als die Hälfte der Menschheit. Bis zum Jahr 2050 werden vermutlich sogar 70 Prozent aller Menschen in Städten leben. Und dort werden sie dann aufgrund des Klimawandels häufigeren, stärkeren Hitzewellen ausgesetzt sein. Schon das macht die Befunde relevant.

Zumal dasselbe städtische Grün, das hier in der Rolle des Hitzehelden beschrieben wird, ja zugleich besonders belastet ist. Das hatte zu Jahresbeginn eine Forschergruppe der Chinesischen Akademie der Wissenschaften im Journal Sustainability in einer Metastudie beziffert: Stadtgrün als »kritische ökologische Infrastruktur« sei einer Vielzahl von Stressfaktoren ausgesetzt. Interessanterweise sind menschliche Einflüsse dabei viel ausschlaggebender als klimatische. Im Vergleich von 120 internationalen Forschungsarbeiten benennen die Autoren Bautätigkeit und Stadtplanung als die maßgeblichen Faktoren. Niederschlag, Temperatur und Änderungen durch den Klimawandel landen nur im Mittelfeld der Stressoren. Vom »doppelten Druck« spricht das Wissenschaftlerteam. Aber seine Auswertung zeigt zugleich, dass Wohl und Wehe der städtischen Vegetation direkt in der Hand des Menschen liegen… weiterlesen

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