Grünes Licht für „Net Zero Valley“ in der Lausitz

Grünes Licht für „Net Zero Valley“ in der Lausitz
rbb24.de: Regierungsvertreter der Bundesländer Sachsen und Brandenburg haben sich darauf geeinigt, eine Sonderwirtschaftszone in der Lausitz zu etablieren.
Im „Net Zero Valley“, der nun ersten Sonderwirtschaftszone für klimafreundliche Technologien in Europa, sollen sich auf rund 800 Hektar Fläche Unternehmen ansiedeln, die klimaneutral arbeiten. Beide Bundesländer unterzeichneten am Dienstag einen entsprechenden Beschluss in Cottbus.
Bereits seit über einem Jahr führen Vertreter der Lausitzrunde, einem wirtschaftlichen Zusammenschluss aus 50 Städten und Gemeinden in Brandenburg und Sachsen, zu der geplanten Wirtschaftszone Gespräche.
Weniger Bürokratie, dafür mehr Tempo
Ziel des „Net Zero Valley“ ist es laut dem Beschluss, Unternehmen möglichst schnell die Möglichkeit zu geben, sich in der Lausitz einzurichten. Dafür sollen Genehmigungen schneller erteilt werden, die Bürokratie demnach abgebaut werden. So sollen Industrieansiedlungen nach spätestens 18 Monaten genehmigt werden.
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Damit das auch funktioniert, brauche die Lausitz aber mehr als nur das Prädikat, sagte die Brandenburger Sprecherin der Lausitzrunde und Bürgermeisterin von Spremberg (Spree-Neiße), Christine Herntier: „Die richtige Nagelprobe kommt, wenn das erste Unternehmen einen Antrag stellt. Dann wird sich zeigen, wie schnell wir wirklich sind.“
Was hat es mit dem „Net Zero Valley“ auf sich?
Das „Net Zero Valley“ ist eine Initiative der EU. Sie will mit dem „Net Zero Industry Act“ (Netto-Null-Industrie-Gesetz) die Produktion von Schlüsseltechnologien für die Energiewende – etwa Solar, Wind und Wasserstoff – in Europa stärken. Hintergrund ist das Klimaneutralitätsziel der EU bis 2050. Mit dem „Net Zero Industry Act“ soll die EU mindestens 40 Prozent des jährlichen Bedarfs an strategisch wichtigen klimaneutralen Technologien in Europa herstellen.
Net Zero (deutsch: netto null) steht für das Ziel, unter dem Strich keine weiteren Treibhausgase in die Atmosphäre zu entlassen. Valley (deutsch: Tal) steht in Anlehnung an das Silicon Valley in Kalifornien für eine Region, in der sich Forschungs- und Produktionsstätten einer Branche ballen.
Entschluss nach rund anderthalb Jahren
Im März wurden in beiden Bundesländern jeweils Anträge auf Ausweisung der Sonderwirtschaftszone eingereicht, wie Markus Niggemann (CDU) rückblickend sagte. Der Leiter des Geschäftsbereiches Finanzmanagement, Wirtschaftsentwicklung & Soziales in der Stadtverwaltung Cottbus erklärte am Dienstag, dass zwischenzeitlich noch eine strategische Umweltprüfung der Region von der Stadt Cottbus erstellt werden musste. Man sehe die Beschlussfassung noch nicht als Ziel an, aber als „wichtigen Meilenstein“ für die zukünftige Ansiedlung neuer Unternehmen, so Niggemannn.
Zur Modellregion gehören elf Industrieflächen, für die bereits eine strategische Umweltprüfung vorgenommen wurde. Auf rund 800 Hektar Fläche soll ein beschleunigter Auf- und Ausbau von „sauberer“ Industrie ermöglicht werden. Dabei geht es etwa um Batterie- und Speichertechnologien sowie Wasserstoff- und Stromnetztechnologien. „Die Lausitz hat ein großes Potenzial, da der Ausbau erneuerbarer Energien dort bereits sehr weit fortgeschritten ist“, teilte die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) auf Anfrage mit.
Die Bergbauregion Lausitz steckt angesichts des bis 2038 vereinbarten Kohleausstiegs bereits mitten im Wandel. Das Energieunternehmen Leag etwa richtet Geschäftsfelder bereits auf Windkraft und Photovoltaik aus und plant einen riesigen Batteriespeicher am Standort Jänschwalde. Das deutsch-kanadische Unternehmen Rock Tech will eine Lithium-Fabrik in Guben aufbauen. Bislang hieß es aber, die Finanzierung für das 800-Millionen-Projekt stehe noch nicht.
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