Vielfalt: Weniger Arten, weniger Klimaschutz

Vielfalt: Weniger Arten, weniger Klimaschutz
energiezukunft.eu: Pflanzenvielfalt macht Wiesen und Weiden widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise. Geht sie verloren, sinken CO₂-Aufnahme und Kohlenstoffspeicherung im Boden sowie Erträge als Futter für Weidetiere.
Eine hohe Vielfalt unterschiedlicher Pflanzentypen kann Wiesen und Weiden vor den Folgen der Klimakrise schützen. Das zeigt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Die Forschenden zeigen, wie sich der Verlust der Pflanzenvielfalt auf die CO₂-Aufnahme, die Kohlenstoffspeicherung und die Produktivität von Graslandschaften auswirkt.
Lesen Sie auch:
„Durch den Klimawandel können Pflanzen, die heute eine Weide oder Wiese prägen, an Produktivität verlieren. Bleibt die Pflanzenvielfalt erhalten, können andere Pflanzen wichtiger werden, etwa weil sie mit Trockenheit besser zurechtkommen und ihre Rolle übernehmen“, erklärt Stephen Wirth, PIK-Forscher und Erstautor der Studie. „Es geht um mehr als eine geringere Photosyntheseleistung: Der Verlust von Pflanzenvielfalt schwächt auch die Futtergrundlage für Weidetiere, was wiederum die Lebensgrundlage der Menschen gefährden kann, die von Weidewirtschaft leben. Gleichzeitig speichern Böden weniger Kohlenstoff und tragen damit weniger zum Klimaschutz bei.“
Vielfalt versichert gegen Klimafolgen
Für die Studie verglichen Forschende die Entwicklung von Graslandschaften bei hoher und stark reduzierter funktioneller Pflanzenvielfalt in zwei Klimaszenarien. Im moderaten Klimawandelszenario bleibt die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius, im starken Klimawandelszenario erreicht sie bis 2100 etwa vier Grad Celsius. Dabei nutzten sie ein globales Vegetationsmodell, das unterschiedliche ökologische Strategien von Graslandpflanzen berücksichtigt.
Im Jahr 2050 könnten Graslandschaften weltweit jährlich rund elf Milliarden Tonnen weniger CO₂ durch Photosynthese aufnehmen, wenn ihre Pflanzenvielfalt stark zurückgeht. Das entspricht einem Rückgang um etwa 15 Prozent gegenüber Graslandschaften mit erhaltener Vielfalt. Die Berechnungen gelten bereits für ein Klimaszenario, in dem die globale Erwärmung auf unter zwei Grad begrenzt bleibt. In besonders betroffenen Regionen fällt der Unterschied mit bis zu 50 Prozent geringerer CO₂-Aufnahme noch deutlich größer aus. Zusätzlich nehmen die modellierten Kohlenstoffvorräte in den Graslandböden mit dem Verlust der Pflanzenvielfalt deutlich ab.
Findige Pflanzen
Entscheidend für Umwelt und Klima ist nicht lediglich die Anzahl vorhandener Arten, sondern die funktionelle Diversität, also die Vielfalt unterschiedlicher Eigenschaften und ökologischer Strategien von Pflanzen. Die Forschenden unterscheiden drei grundlegende Pflanzentypen:
Konkurrenzstarke Pflanzen, die unter günstigen Bedingungen besonders gut wachsen und verfügbare Ressourcen effizient nutzen.
Stresstolerante Pflanzen, die an schwierige Umweltbedingungen wie Trockenheit oder Nährstoffmangel angepasst sind.
Ruderalpflanzen, die sich nach Störungen schnell ansiedeln und günstige Wachstumsbedingungen nutzen.
Verändern sich Temperaturen und Niederschläge durch die Klimakrise, profitieren vielfältige Pflanzengemeinschaften davon, dass unterschiedliche Arten an unterschiedliche Bedingungen angepasst sind. Die Pflanzenvielfalt wirkt damit wie eine Versicherung gegen die Folgen der Klimakrise für Umwelt und Agrarwirtschaft.
Klimaangepasste Landwirtschaft könnte Folgen der Klimakrise abmildern
Graslandschaften bedecken rund ein Viertel der eisfreien Landfläche der Erde. Sie sind wichtige Lebensräume und zugleich Grundlage für die Viehhaltung… weiterlesen


