65 Mia. Euro: In Elektrogeräten steckt ein Schatz

65 Mia. Euro: In Elektrogeräten steckt ein Schatz
Foto: ÜPixabay CC/PublicDomain

65 Mia. Euro: In Elektrogeräten steckt ein Schatz

Kritische Rohstoffe im Wert von 65 Milliarden Euro sind europaweit in Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik verbaut. Ein Großteil dieser wertvollen Ressourcen wird früher oder später ungenutzt entsorgt.

Allein in der Waschmaschinenproduktion ließen sich 70 Prozent der kritischen Rohstoffe aus den Materialien alter Geräte abdecken. In ausgedienten Handys, die in europäischen Schubladen liegen, stecken rund 50.000 Tonnen kritischer Rohstoffe – ein Materialwert von schätzungsweise 3,5 Milliarden Euro. Eine konsequente Kreislaufwirtschaft kann dieses Potenzial heben und zusätzliche Wertschöpfungspotenziale schaffen. Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group hat gemeinsam mit Cradle to Cradle NGO im Rahmen der neuen Cradle to Cradle Electronics Initiative (C2CEI) erstmals konkret das Marktpotenzial der zirkulären Elektronik am Beispiel von Waschmaschinen und Smartphones detailliert untersucht.

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Cradle to Cradle ist ein Designansatz, bei dem Produkte von Anfang an so gestaltet werden, dass ihre Materialien am Ende ohne Qualitätsverlust zurückgewonnen und wiederverwendet werden können. Bereits im Design wird festgelegt, welchem Kreislauf ein Produkt zugeordnet ist und wie viel Wert später zurückgewonnen werden kann.

„Die Studie belegt, dass die Elektronikindustrie als wichtige Zukunftsbranche mit einer zirkulären Wirtschaft Rohstoffe im Kreislauf führen und damit deutliche Einsparungen erzielen kann. Das bedeutet: geringere Kosten und Risiken in Zeiten verwundbarer Lieferketten. Gleichzeitig eröffnen sich neue Märkte in Europa“, sagt Nora Sophie Griefahn, Geschäftsführende Vorständin von Cradle to Cradle NGO. „Jetzt ist das Zeitfenster, Cradle to Cradle Design vom Piloten zum Branchenstandard weiterzuentwickeln.“

Neue EU-Gesetze erhöhen den Handlungsdruck

Der Critical Raw Materials Act strebt bis 2030 einen Recyclinganteil von mindestens 25 Prozent bei strategischen Rohstoffen an. Für Batterien sind künftig Mindestanteile an recyceltem Kobalt, Lithium und Nickel Pflicht. Das Recht auf Reparatur verpflichtet Hersteller, Ersatzteile je nach Produktkategorie bis zu zehn Jahre bereitzustellen. Hersteller bleiben auch nach dem Verkauf für Rücknahme und Recycling verantwortlich.

„Produzenten müssen die strengen EU-Anforderungen an das Recycling jetzt ins Produktdesign und ihre Geschäftsmodelle integrieren. So können sie bis zum Ende des Jahrzehnts ihre Wettbewerbsposition sichern und weiter ausbauen“, erklärt Alexander Meyer zum Felde, Partner bei Boston Consulting Group und Mitautor der Studie. „Zirkularität ist schon lange keine reine Nachhaltigkeitsagenda mehr. Sie ist eine zentrale strategische Chance für Europas Unternehmen. Zudem entwickelt sich die zirkuläre Wirtschaft zunehmend zu einer geostrategischen Notwendigkeit für Europas Politik.“

Geschlossene Kreisläufe stärken Europas Wettbewerbsfähigkeit

Weil ein Großteil der in der EU verkauften Großgeräte wie Waschmaschinen auch vor Ort produziert wird, wirkt sich eine konsequente Kreislaufwirtschaft hier direkt auf die Resilienz der Hersteller aus: Zirkuläres Materialdesign kann den Primärmaterialbedarf pro Gerät um 40 bis 50 Prozent senken – darunter den Bedarf an kritischen Rohstoffen um ein bis zwei Kilogramm.

Einen besonders hohen Benefit erzeugen laut BCG-Studie Product-as-a-Service-Modelle, bei denen Kunden Produkte nutzen, ohne sie selbst zu besitzen. Die Marge liegt mehr als 15 Prozentpunkte über der Marge für den Einmalverkauf. Gleichzeitig schafft das Modell Anreize für Langlebigkeit und Reparierbarkeit und reduziert den Anteil des Materialwerts am Lebenszeitumsatz auf rund ein Viertel gegenüber dem Einmalverkauf.

„Heutige Designentscheidungen bestimmen die Kostenposition der Hersteller bis 2030 – und wie viel des Materialwerts von mehr als 65 Milliarden Euro im europäischen Gerätebestand zurückgewonnen werden kann. Produkte müssen so gestaltet sein, dass sich Materialien sauber trennen und wiederverwenden lassen. Damit eröffnet sich auch ein tragfähiger Markt für Reparatur, Refurbishment und Recycling“, sagt Tim Janßen, Geschäftsführender Vorstand von Cradle to Cradle NGO.

Gewaltiges Recycling-Potenzial auch bei Smartphones und Kleingeräten

Der Großteil der Smartphones wird in die EU importiert, der Anteil der hier produzierten Geräte liegt unter 1 Prozent. Der Materialwert der Geräte lässt sich aber in Europa halten und nutzen – durch Reparatur, Refurbishment und Recycling. Das Refurbishment von Smartphones ist ein Massengeschäft und erzielt jährlich europaweit Umsätze von ca. 6 Milliarden Euro. Aktuell werden rund 18 Prozent der in Europa genutzten Smartphones gebraucht gekauft. Bis 2028 dürfte der europäische Markt für gebrauchte Smartphones laut BCG und C2C NGO jährlich um acht Prozent wachsen und ein Volumen von rund acht Milliarden Euro erreichen.

c2c

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