Studie: „Motor der Natur kommt zum Stillstand“

Studie: „Motor der Natur kommt zum Stillstand“
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Studie: „Motor der Natur kommt zum Stillstand“

fr.de: Die Natur funktioniert wie ein sich selbst reparierender Motor – doch neue Forschung zeigt, dass dieser Motor durch den Klimawandel ins Stocken gerät.

Entgegen bisheriger Annahmen in der Ökologie verlangsamt der Klimawandel den natürlichen Artenaustausch dramatisch. Diese überraschende Erkenntnis liefert eine aktuelle Untersuchung der Queen Mary University of London, die kürzlich in Nature Communications erschien. Die Forschungsergebnisse widersprechen der lange vorherrschenden Theorie, dass die globale Erwärmung ökologische Prozesse beschleunigt.

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„Die Natur funktioniert wie ein sich selbst reparierender Motor, der ständig alte Teile gegen neue austauscht. Aber wir haben festgestellt, dass dieser Motor jetzt zum Stillstand kommt“, erklärt Dr. Emmanuel Nwankwo, Hauptautor der Studie. Diese Metapher verdeutlicht die Dringlichkeit der Situation, die Ökologen weltweit alarmiert.

Seit 1970 hat sich der Artenaustausch um ein Drittel verlangsamt

Die Forschungsgruppe analysierte Datensätze aus einem Zeitraum von mehr als hundert Jahren und untersuchte dabei verschiedenste Ökosysteme – von marinen Lebensräumen über Süßwassergebiete bis hin zu terrestrischen Umgebungen. Besonders auffällig: Seit den 1970er Jahren, als die globalen Temperaturen nachweislich zu steigen begannen, hat sich der Austausch von Arten um etwa ein Drittel verlangsamt. Dieses Phänomen betrifft sowohl Vogelgemeinschaften als auch Organismen am Meeresgrund.

Die Forschenden identifizierten einen fundamentalen Mechanismus hinter dieser Entwicklung. Natürliche Ökosysteme funktionieren ähnlich wie ein komplexes „Stein-Schere-Papier-Spiel“, bei dem sich Arten kontinuierlich gegenseitig ersetzen – nicht primär aufgrund klimatischer Veränderungen, sondern durch ihre intrinsischen Wechselbeziehungen. Diese dynamischen Interaktionen halten die biologische Vielfalt in Bewegung.

Artenvielfalt nimmt ab – und dadurch verkleinert sich der verfügbare Artenpool

Allerdings gerät dieser Mechanismus ins Stocken, wenn die Artenvielfalt abnimmt. Anthropogene Einflüsse wie Habitatzerstörung und Umweltverschmutzung führen zu einer Verkleinerung der verfügbaren Artenpools. Mit weniger Arten im System können weniger neue Arten einwandern und bestehende ersetzen – die metaphorische „Drehtür“ des Artenaustauschs rotiert langsamer. „In anderen Forschungsarbeiten sehen wir klare Hinweise darauf, dass menschliche Einflüsse die Verlangsamung des Austauschs verursachen. Das ist besorgniserregend“, warnt Nwankwo. Diese Aussage unterstreicht die Tragweite der Erkenntnisse für den Naturschutz.Die zentrale Botschaft der Studie ist beunruhigend: Eine scheinbare Stabilität in Ökosystemen könnte tatsächlich ein Warnsignal darstellen.

Die zentrale Botschaft der Studie ist beunruhigend: Eine scheinbare Stabilität in Ökosystemen könnte tatsächlich ein Warnsignal darstellen… weiterlesen

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