Warum hat Stille so viel Kraft?

Warum hat Stille so viel Kraft?
Foto: Alexas Fotos/Pixabay CC(PublicDomain

Warum hat Stille so viel Kraft?

psychologie-heute.de: Schon 6,5 Minuten Stille reichen, um entspannter und präsenter zu werden. Die „Freiburger Stille-Studien“ zeigen: Stille wirkt – aber nicht immer.

Wie haben Sie die Wirkungen der Stille auf uns untersucht und was war das Ergebnis?

In unseren „Freiburger Stille-Studien“ haben hunderte Menschen verschiedenster Altersstufen, vorwiegend jedoch junge Erwachsene an Stille-Angeboten teilgenommen: in Innenräumen allein oder in Gruppen, in therapeutisch-methodisch gerahmten Gruppen, aber auch im Park und im Wald. Die Aufgabe war für alle dieselbe: eine Zeitlang ruhig zu sitzen und wach zu bleiben.

Die wichtigsten Ergebnisse: Die Mehrheit der Personen war unabhängig von Alter oder Geschlecht nach Stille deutlich entspannter als vorher, besserer Stimmung und mit den Gedanken in der Gegenwart – egal ob sie in Innenräumen oder im Wald gewesen waren, unabhängig davon, ob allein oder in einer Gruppe. Sie erlebten die Stille-Zeiten sehr intensiv und trotz des Nichtstuns nicht als langweilig.

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Um diese Wirkungen zu erzielen, reichten sechseinhalb Minuten aus. In einigen Studien haben wir Stille und eine therapeutisch begleitete Tiefenentspannung miteinander kombiniert. Das verstärkte die Wirkung der Stille noch. Diese Personen erlebten die Stille so intensiv, dass sie glaubten, die Übung habe durchschnittlich zwölf Minuten, also doppelt so lange gedauert, obwohl die Zeit nicht länger war als in den anderen Studien.

Was sind die Voraussetzungen dafür, dass wir so von der Stille profitieren?

Stille sollte nicht aufgezwungen, sondern freiwillig gewählt sein. Wenn Sie es ausprobieren wollen: Setzen Sie sich im Alltag irgendwohin, wo es sich für Sie gut anfühlt, und schenken Sie sich diesen Moment. Lassen Sie Ihren Gedanken freien Lauf.

Machen Sie das aber bitte nicht, wenn Sie sich in langanhaltenden Stressphasen befinden. Das ist, als ob Sie im Auto bei Tempo 200 die Handbremse anziehen würden. Auch bei Ängsten und Depressionen sollten Sie eine Fachperson hinzuziehen. Wir denken, dass sich solche Stille-Praktiken sehr gut als Bestandteil therapeutischer Behandlungen eignen, diese aber nicht ersetzen können.

Stille hat eine große Kraft, ist jedoch kein Allheilmittel. Im Gegenteil: Stille kann, im Sinne von „jemanden zum Schweigen bringen“, auch gezielt als Strafe eingesetzt werden.

Was genau ist Stille aus Ihrer Sicht?

Zunächst einmal: Absolute Stille gibt es nicht. Wenn Sie sich in einen sogenannten „schalltoten Raum“ setzen, in dem Geräusche geschluckt werden, nehmen Sie nach einigen Minuten Ihren Herzschlag, das Blutrauschen und andere Körpergeräusche wahr. In einer relativen Stille, ob drinnen oder draußen, gibt es immer Hintergrundgeräusche.

Ich unterscheide gerne zwischen äußerer und innerer Stille. So ist es beispielsweise möglich, trotz Baustellenlärms vor offenen Fenstern innerlich still zu sein oder zu werden und sich zu konzentrieren. Hierbei können Meditation oder Achtsamkeitspraktiken hilfreich sein… weiterlesen

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