Tonnenweise Mikroplastik durch Spülschwämme

Tonnenweise Mikroplastik durch Spülschwämme
fr.de: Dass Spülschwämme ein Tummelplatz für Keime sind, ist allseits bekannt. Nun haben Forscher eine weitere besorgniserregende Entdeckung gemacht.
Wer bisher dachte, Keime seien der einzige Schauder, der einem Spülschwamm innewohnt, wird nun eines Übleren belehrt. Zwar gilt immer noch, was eine Untersuchung der Hochschule Furtwangen im Jahr 2024 belegte: Dass Spülschwämme mit rund 54 Milliarden Bakterien pro Kubikzentimeter mikrobiell gesehen zu den „am dichtesten besiedelten Gebrauchsgegenständen“ im Haushalt gehören. Aber nun hat ein Forschungsteam der Uni Bonn herausgefunden, dass die Küchenhelfer nicht nur ziemlich schmuddelig sein können, sondern mit Blick auf die Umwelt auch ziemlich viel Dreck machen.
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Denn durch die Nutzung von Spülschwämmen in Küchen gelangt tonnenweise Mikroplastik in Gewässer und Böden. Das Forschungsteam errechnete auf Basis eines bestimmten Schwammtyps, dass „durch Materialverlust bei flächendeckendem nationalem Gebrauch“ bis zu 355 Tonnen Mikroplastik pro Jahr freigesetzt werden und ins Abwasser gelangen. Zwar hielten dem Bericht zufolge Kläranlagen den größten Teil davon auf – aber ein „Schwamm drüber“ darf es hier nicht geben. Denn den Berechnungen zufolge bleiben „mehrere Tonnen Mikroplastik“, die jedes Jahr durchs Abwaschen per Hand in die Umwelt gelangen. Dabei schwanke die konkret freigesetzte Menge je nach Schwammtyp zwischen 0,68 und 4,21 Gramm Mikroplastik pro Nutzer und Jahr.
Wasserverbrauch beim Spülen ökologisch schwerwiegend
Andererseits: Im Vergleich zum Abrieb von Autoreifen ist das Mikroplastik aus den Spülschwämmen nur ein Tropfen auf den heißen Spülstein. So hat ein Forschungsteam der TU Berlin im Zuge des Projektes „Reifenabrieb in der Umwelt“ ermittelt, dass pro Jahr und Bundesbürger:in ein Reifenabrieb von etwa 1,2 Kilogramm entsteht. Davon gelangten der Studie zufolge, die 2021 veröffentlicht wurde, zwar nur zwei bis fünf Prozent (also zwischen 24 und 60 Gramm) über die Flüsse ins Meer, aber das sind immer noch wuchtige 1,92 bis 4,8 Millionen Kilogramm Reifenabrieb, mit denen alleine die Deutschen jedes Jahr die Meere verunreinigen.
So spielt die Freisetzung von Mikroplastik durch Schwämme in der Gesamtökobilanz des Geschirrspülens dem Bonner Forschungsteam zufolge nur eine untergeordnete Rolle. Rund 85 bis 97 Prozent der Umweltwirkungen beim Spülen per Hand seien auf den Wasserverbrauch zurückzuführen.
Stofflappen sind bessere Alternative zu Schwämmen
An der Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Environmental Advances“ veröffentlicht wurden, waren auch das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen sowie die Universität im niederländischen Leiden beteiligt. Kombiniert wurden Laborsimulationen mit einer Testmaschine namens Spongebot und Experimente von Laienforscherinnen und -forschern. Sie nutzten einen von drei Schwammtypen im Alltag und dokumentierten dies. Danach wurde der Materialverlust der Schwämme untersucht.
Das Forschungsteam veröffentlichte aber auch Tipps für Umweltbewusste: Vor allem die Senkung des Wasserverbrauchs beim Abwasch schont demnach die Umwelt… weiterlesen


