Weniger Windräder: Spart Geld bei gleichem Strom

Weniger Windräder: Spart Geld bei gleichem Strom
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Weniger Windräder: Spart Geld bei gleichem Strom

n-tv.de: Die Nordsee ist das Kraftwerk Europas. Theoretisch. Sie hat ein hervorragendes Windangebot, einen guten Baugrund und ist relativ flach. Bisher kocht jeder Anrainer jedoch sein eigenes Offshore-Süppchen und verzettelt sich. Deutschland plant etwa zu viele Windräder. Sie nehmen einander den Wind weg. „Das ist ineffizient“, sagt Tim Meyerjürgens. Der Ingenieur leitet Deutschlands größten Übertragungsnetzbetreiber Tennet Germany und ist somit für den Anschluss der Nordsee-Windparks verantwortlich. Meyerjürgens überbringt im „Klima-Labor von ntv“ eine überraschende Botschaft: Weniger Turbinen erzeugen nicht weniger Strom. Werden die Windparks europäisch vernetzt, können sie dem Tennet-Chef zufolge sogar rund um die Uhr laufen: „Wir beuten eine Sturmfront erst in Großbritannien aus und übertragen den Strom nach Deutschland. Tags darauf machen wir es umgekehrt.“

Wenn Sie der Energiewende eine Schulnote geben müssten, welche wäre es?

Tim Meyerjürgens: Wenn wir den Startpunkt berücksichtigen, durchaus eine Drei. Wir haben nicht alles erreicht, was wir erreichen wollten, aber trotzdem eine ganze Menge. Und wenn ich zurückschaue: Als ich angefangen habe, als Ingenieur im Netzbereich zu arbeiten, haben mir die erfahrenen Kollegen gesagt, dass wir technisch maximal zwei Prozent Erneuerbare ins Stromnetz integrieren können.

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Wann war das?

Mitte der 90er Jahre. Inzwischen sehen wir im deutschen Strommix knapp 60 Prozent Erneuerbare. In unserem Netzgebiet sind es sogar 85 Prozent.

Wenn Sie der Energiewende eine Schulnote geben müssten, welche wäre es?

Tim Meyerjürgens: Wenn wir den Startpunkt berücksichtigen, durchaus eine Drei. Wir haben nicht alles erreicht, was wir erreichen wollten, aber trotzdem eine ganze Menge. Und wenn ich zurückschaue: Als ich angefangen habe, als Ingenieur im Netzbereich zu arbeiten, haben mir die erfahrenen Kollegen gesagt, dass wir technisch maximal zwei Prozent Erneuerbare ins Stromnetz integrieren können.

Wann war das?

Mitte der 90er Jahre. Inzwischen sehen wir im deutschen Strommix knapp 60 Prozent Erneuerbare. In unserem Netzgebiet sind es sogar 85 Prozent.

Die Pessimisten wurden widerlegt.

Definitiv. Wir haben eine technische Entwicklung durchlaufen, die in dieser Form einmalig ist, und dabei auch einige Rückschläge erlebt – viele politisch getrieben. Das rächt sich in Situationen, wie wir sie gerade mit dem Iran erleben.

Greg Jackson, der britische Chef von Octopus Energy, hat uns im Januar gesagt: Europa macht Energiewende so, als würde man wollen, dass sie scheitert. Stimmen Sie zu?

Nein. Es gibt aber immer wieder politische Richtungswechsel. Die haben die Energiewende an vielen Stellen leider teuer gemacht. Vielleicht meint er das. Mit etwas mehr politischer Klarheit und einer einheitlichen Vorgehensweise hätten wir sie schneller und günstiger realisieren können.

Wie erklären Sie sich die fehlende Klarheit?

Die wirtschaftliche Situation war anders. Auch der Klimawandel war nicht immer präsent. Mitunter wurden andere Prioritäten gesetzt.

Die sicherheitspolitische Bedeutung der Energiewende wurde vermutlich auch nicht erkannt?

Wir reagieren gut in Krisensituationen. Das haben wir beim Ausbruch des Ukraine-Kriegs gesehen und der Gasmangellage, als plötzlich schnell LNG-Terminals gebaut wurden. Die waren seit Jahren geplant. Man wollte sie aus Kostengründen trotzdem nicht bauen, weil man meinte: Das ist ineffizient… weiterlesen

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