Emissionen: Good News com globalen CO2-Preis

Emissionen: Good News com globalen CO2-Preis
Alle Fotos: Pixabay CC/PublicDomain

Emissionen: Good News vom globalen CO₂-Preis

klimareporter.de: Auf neue Rekordwerte steigt der Anteil der weltweiten Treibhausgase, die durch einen Emissionshandel erfasst werden, wie auch die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung. Das zeigt der jetzt veröffentlichte ICAP-Report für 2026.

Vor einiger Zeit hatte Ottmar Edenhofer, Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), offenbar das berechtigte Gefühl, seine Begeisterung für die CO2-Bepreisung werde von der Politik nicht mehr so recht geteilt. Also legte Edenhofer zusammen mit PIK-Fachleuten kürzlich eine kostenlos downloadbare Publikation vor, in der er über „populäre Irrtümer“ rund um den CO2-Preis aufklärt.

So besteht aus Edenhofers Sicht ein Irrtum darin, dass eine Bepreisung angeblich keine Lenkungswirkung habe – nach dem Motto: Sprit wird immer teurer, trotzdem fahren die Leute nicht weniger Auto. Das erleben wir allerdings gerade tatsächlich.

Für die PIK-Forscher ist das aber kein Grund, am Sinn eines CO2-Preises zu zweifeln. Allerdings plädieren sie in der Publikation dafür, die Bepreisung um weitere Maßnahmen zu ergänzen, etwa um Verbote, Standards und Subventionen. Diese wiederum würden vor allem in Kombination mit CO2-Preisen helfen, sind sich die Klimaforscher sicher.

Aufräumen will das PIK auch mit dem Irrtum, eine CO2-Bepreisung sei politisch nicht umsetzbar. Immerhin würden – so die Good News – weltweit bereits 28 Prozent aller CO2-Emissionen direkt bepreist, loben die PIK-Forscher mit Bezug auf Zahlen der Weltbank.

Lesen Sie auch:

Die 28 Prozent gelten für 2025. In den Anteil rechnet die Weltbank nicht nur die Treibhausgase ein, die per Emissionshandel erfasst werden, sondern auch direkte CO2-Steuern (Carbon Taxes). Von Steuern wurden dabei letztes Jahr fünf Prozent aller Emissionen erfasst sowie 23 Prozent vom Emissionshandel.

Hätte das PIK mit der Veröffentlichung noch ein wenig gewartet, hätte das Institut eine weitere Good News darin aufnehmen können. Denn in diesem Jahr werden bereits 26 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen durch einen Emissionshandel erfasst – ein deutlicher Anstieg um drei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Japan, Indien und Vietnam neu beim Emissionshandel 

Den Fortschritt stellt der am Dienstag veröffentlichte „Emissions Trading Worldwide Status Report 2026“ heraus. Herausgegeben wird er von der International Carbon Action Partnership (ICAP), einem Forum von über 40 Staaten, das sich auf den Ausbau des Emissionshandels fokussiert.

Der Zuwachs bei der Bepreisung rührt vor allem daher, dass nun mit Japan, Indien und Vietnam drei nationale CO2-Emissionshandelssysteme neu hinzukommen. Deren Gesamtzahl steigt so auf weltweit 41, und weitere 16 seien in Vorbereitung, darunter in Brasilien, Chile, Kolumbien und der Türkei, listet der Report auf. 

Laut den weiteren Angaben erfassen Regeln zur CO2-Bepreisung nunmehr 63 Prozent der globalen Wertschöpfung sowie mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung – gegenüber 58 Prozent sowie einem Drittel der Bevölkerung im vorhergehenden Bericht.

2025 haben auch die Einnahmen aus der Bepreisung mit knapp 80 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand erreicht, heißt es im Report weiter. Bisher war 2023 das Rekordjahr mit Einnahmen von 75 Milliarden Euro.

Das Wachstum des Emissionshandels sei eine der ermutigendsten Entwicklungen in der Klimapolitik – angesichts einer zersplitterten Welt, geprägt von politischen Gegenbewegungen und Turbulenzen auf den Energiemärkten, erklärte Stefano de Clara, Leiter des ICAP-Sekretariats, zur Vorlage des Reports. „Die Regierungen erhalten ihre Systeme nicht nur aufrecht – sie vertiefen sie, erweitern sie und bauen auf ihnen auf“, sagte de Clara.

Wie die PIK-Autoren stellen auch die des ICAP-Reports fest, dass die CO2-Bepreisung zunehmend durch andere Instrumente ergänzt wird. So werde der Emissionshandel in Klimagesetze oder Netto-Null-Ziele eingebettet oder in politische Rahmenbedingungen, die die Systeme nachhaltiger machten, merkt der Report an.

Europa hat das mit Abstand größte Handelssystem

Auch für Georg Kobiela vom Thinktank Bellona zeigt der aktuelle ICAP-Report, dass immer mehr Staaten Emissionshandelssysteme zu einem zentralen Teil ihrer Wirtschafts- und Klimastrategien machen.

Für Kobiela, der am ICAP-Bericht nicht mitgewirkt hat, bietet dabei die kommende Überprüfung des EU-Emissionshandels die Chance, diesen Trend per Vorbildwirkung weiter zu bestimmen. 

Auch angesichts der anhaltenden Angriffe auf den EU-Emissionshandel fordert Kobiela die EU auf, ihre klimapolitische Ambition verlässlich aufrechtzuerhalten – statt die Lenkungswirkung des Emissionshandels abzuschwächen und damit innerhalb wie außerhalb Europas neue Unsicherheiten zu erzeugen, wie der politische Leiter von Bellona Deutschland betont.

Das mit der Vorbildwirkung lässt sich auch an Zahlen festmachen: Der EU-Emissionshandel, der Energiewirtschaft und energieintensive Industrie abdeckt, ist nach wie vor der größte weltweit. Er erfasst, gemessen an Handelswert und ‑volumen, rund 35 Prozent der Emissionen der Europäischen Union, attestiert der ICAP-Report.

Europas Größe zeigt sich auch bei den Einnahmen: Von den knapp 80 Milliarden US-Dollar an weltweiten Einnahmen spielte der EU-Emissionshandel im letzten Jahr nahezu 49 Milliarden Dollar ein, davon steuerte Deutschland 5,4 Milliarden bei.

Auf den Plätzen bei den weltweiten Einnahmen 2025 folgen laut den ICAP-Daten dann Deutschlands nationale Bepreisung von Brenn- und Kraftstoffen mit einem Aufkommen von 18,1 Milliarden Dollar, Großbritannien mit 3,2 Milliarden, Kalifornien mit 3,1 Milliarden Dollar sowie weiter Südkorea und mehrere Bundesstaaten der USA und Kanadas.

Die Einnahmen aus der Bepreisung in China beziffert der Report für 2025 auf 9,5 Millionen Dollar bei einem Preis von 13 bis 15 Dollar pro Tonne CO2.

Grenzausgleich beim CO2-Preis beginnt zu wirken

Angesichts der stärkeren CO2-Bepreisung im EU-Raum kommt dabei dem CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM eine erhebliche Bedeutung zu. Mithilfe von CBAM sollen CO2-intensive Importe von Stahl, Zement, Aluminium, Dünger, Strom und Wasserstoff in die EU fair bepreist werden.

Das wiederum soll verhindern, dass europäische Industrieunternehmen von der Konkurrenz erdrückt werden oder ins geringer klimabepreiste Ausland abwandern. Ab diesem Jahr müssen Importeure deswegen für die erwähnten Produkte CBAM-Zertifikate erwerben. Für die ersten drei Monate 2026 legte die EU-Kommission dabei als ersten offiziellen Preis 75,36 Euro pro Tonne CO2 fest…. weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.