Touristen verschmutzen kroatische Adria mit Abwasser

Touristen verschmutzen kroatische Adria mit Abwasser
fr.de: In Kroatien gelangen 80 Prozent der Abwässer ohne biologische Aufbereitung in die Adria. Die Kapazität der Kläranlagen reicht für die Touristenmassen nicht aus.
Das Reiseland Kroatien ist eine der beliebtesten Destinationen für Mittelmeerfans. Klares, tiefblaues Wasser, schroffe Felsküsten, romantische Altstädte locken die Touristen in Scharen. Und es kommen immer mehr. Im Jahr 2025 besuchten 21,8 Millionen Touristen die ehemalige jugoslawische Republik. Die Touristiker zählten 110,1 Millionen Übernachtungen. Immer mehr Hotels wachsen aus dem Boden. Doch der Boom, der ständig neue Hotelprojekte mit sich bringt, sorgt für ein großes Problem.
Rund 80 Prozent der Küstenabwässer gelangen nur wenig oder ganz ungeklärt ins Meer
Der größte Teil der Abwässer der Städte und Gemeinden an der Küste gelangt ungeklärt ins Meer, das berichtet das kroatische Ozeanografische Portal morski.hr. Von insgesamt 128 kommunalen Abwassereinleitungen im Adriatischen Abflussgebiet münden 91 – fast 71 Prozent aller Einleitungen in die Adria – einfach ins Meer.
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„Besonders alarmierend ist, dass von den 91 Einleitungen ins Meer 26 (das sind 29 Prozent) kommunales Abwasser unbehandelt einleiten, während 46 (51 %) lediglich eine Vorbehandlung durchführen – diese beschränkt sich auf die mechanische Entfernung von Grobpartikeln, Sand und Schwebstoffen, ohne biologische oder chemische Behandlung“, warnt Kapitän Milo Miklaušić, eidesstattlich bestellter Sachverständiger für Seerecht, in dem Artikel. 80 Prozent der Einleitungen in die Adria unterlägen keinerlei biologischer Abwasserbehandlung. Diese Einleitungen führten jährlich rund 28,4 Millionen Kubikmeter kommunales Abwasser ein, das entweder nur vorbehandelt wurde oder gänzlich unbehandelt ist.
Experte warnt: Die Adria kann sich nicht so schnell selbst reinigen, weil sie eine riesige Bucht ist
Die Daten stammen aus den jährlichen Umweltzustandsberichten der kroatischen Behörden, die jedermann zugänglich seien. „Trotzdem liest sie fast niemand“, so Miklaušić. Über 6,8 Millionen Kilogramm Schwebstoffe, etwa 13,8 Millionen Kilo chemischer Sauerstoffbedarf (CSB), über 6 Millionen Kilo biochemischer Sauerstoffbedarf (BSB₅), fast 1,5 Millionen Kilo Gesamtstickstoff und etwa 166.000 Kilo Gesamtphosphor gelangten ins Meer. Diese Werte stünden in direktem Zusammenhang mit der Eutrophierung von Küstengewässern – einem Prozess, bei dem übermäßiger Nährstoffeintrag (Stickstoff und Phosphor) zu unkontrolliertem Algenwachstum, einem Abfall der Sauerstoffkonzentration im Meer und damit zur Gefährdung von Meeresorganismen führe.
Miklaušić warnt: „Die Adria ist ein äußerst sensibles und ökologisch wertvolles Ökosystem. Daten des Umweltverschmutzungsregisters (EPR) aus dem Jahr 2021 deuten jedoch auf einen besorgniserregenden Zustand der kommunalen Abwasserentsorgung hin“, berichtet er. Die Adria sei als halboffenes Becken mit relativ langsamem Wasseraustausch besonders anfällig für die Ansammlung organischer Stoffe und Nährstoffe. Badeverbote, das Auftreten giftiger Algenblüten und die Degradierung des Meeresbodens seien nur einige der sichtbaren Folgen unkontrollierter kommunaler Abwassereinleitungen. So gab es etwa an der Freieninsel Korčula 2024 ein Badeverbot wegen Fäkalkeimen im Meer, 2025 wurde von einer dichten Braunalgenplage nahe der Insel Vis berichtet, beim Ferienort Ploče wurde ein Strand wegen Fäkalkeimen gesperrt, bereits 2019 geschah dies bei Dubrovnik.
Touristenschwemme schuld an hohem Abwassereintrag – Kläranlagen sind nicht darauf ausgerichtet.
Eine der Ursachen ist dem Kapitän zufolge das Bevölkerungswachstum. Laut Volkszählung von 2021 leben in den Küstenkommunen insgesamt rund 1,2 Millionen Einwohner. „Die Besonderheit des Adria-Gebiets liegt jedoch in den extrem ausgeprägten saisonalen Schwankungen“, so Miklaušić:“ Im Sommer, während der touristischen Hochsaison, steigt die Zahl der Nutzer der kommunalen Infrastruktur um ein Vielfaches und kann das Drei- bis Vierfache der Auslegungskapazität erreichen.“ Diese Anzahl der Touristen übersteige die Kapazität vieler Kläranlagen, die für eine deutlich geringere Nutzerzahl ausgelegt seien, was die Qualität der Abwasserreinigung selbst in den vorhandenen Anlagen weiter verschlechtere.
Die EU-Richtlinie schreibt vor, dass alle Ballungsräume mit mehr als 2000 Einwohnern bis spätestens 31. Dezember 2023 ein System zur Sammlung und zum Transport von kommunalem Abwasser bereitstellen müssen. Ballungsräume mit mehr als 10.000 Einwohnern müssten darüber hinaus eine angemessene Abwasserbehandlung gewährleisten – in der Regel mindestens Stufe II. „Laut Daten aus dem Jahr 2021 haben viele kroatische Küstenballungsräume diese Fristen noch nicht eingehalten“, so Miklaušić Großstädte wie Split haben nur einfache mechanische Vorfilter, die groben Schmutz und Fette heraushalten – von echter Klärung keine Spur. Auch der Kreuzfahrtboom sorgt für immer größere Probleme in der kroatischen Küstenregion…


