Friedensgutachten: Trump & Putin als Warlords

Friedensgutachten: Trump & Putin als Warlords
Fto: Pixabay CC/PublicDOmain

Friedensgutachten: Trump & Putin als Warlords

wort.lu: Friedensforscher bescheinigen dem US-Präsidenten, dieselben Mittel wie etwa Wladimir Putin und Benjamin Netanjahu zu nutzen, um seine Ziele durchzusetzen – auch persönliche.

Donald Trump ist nicht dafür bekannt, dass er – jenseits von Social-Media-Posts – gerne liest. Schon gar keine 200-Seiten-Expertisen, erst recht nicht auf Deutsch. Weshalb ihm vorerst wohl entgeht, dass die vier führenden deutschen Institute für Konflikt- und Friedensforschung ihm am Montag einen neuen Titel verleihen: Warlord. Auf Deutsch: Kriegsfürst.

In ihrem „Friedensgutachten 2026“ stellen Nicole Deitelhoff, Ursula Schröder, Tobias Debiel und Conrad Schetter, allesamt mit Professur an deutschen Universitäten, den US-Präsidenten in eine Reihe mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Lesen Sie auch:

Unterschieden sich auch die Systeme – das „Muster“ des Handelns sei gleich. Alle sähen Krieg als „gängiges, probates Mittel, um politische Ziele durchzusetzen“ – und auch höchstpersönliche Profitinteressen. Für Trump sei festzustellen, dass er „nicht einmal versucht, das zu verbergen“.

Trump und etliche mehr – Schetter nennt die Machthaber im Iran und Sudan, „auch die Vereinigten Arabischen Emirate gehen stark in diese Richtung“, im Gutachten werden zudem die regionalen Machtambitionen von Pakistan und der Türkei thematisiert – agierten wie in den 1990er-Jahren die Warlords in Nigeria oder Afghanistan. „Sie wurden zum Inbegriff eines Staatsverfalls, obwohl sie durchaus staatliche Ämter ausübten“, etwa beim Militär.

Angriff auf die regelbasierte Ordnung

„Die neuen“ sagt Schetter, „sind Präsidenten und Monarchen.“ Letzteres zielt auf Mohammed bin Salman, Kronprinz und Premier, der in Saudi-Arabien alle Macht auf sich konzentriert. Für alle gelte: „Sie zersetzen die regelbasierte Ordnung.“

Konkret für Trump nennt Schetter als Belege: Er wolle „die USA vergrößern“, strebe „die Kontrolle strategisch wichtiger Ressourcen“ an und „reklamiert ein Interventionsvorrecht in der westlichen Hemisphäre“, Stichworte Venezuela und Grönland.

Zum Zustand der Welt insgesamt sagt Schetter: „Ohne entschiedene Gegenmaßnahmen ist der dramatische Verfall der multilateralen Ordnung nicht aufzuhalten.“ Und mit Bezug auf das Agieren der „neuen Warlords“, die dem Gutachten auch seinen Titel geben: „Was danach kommt, ist schon zu sehen.“

Deitelhoff ergänzt, „häufig“ gehe es den aktuellen Kriegsfürsten gar nicht vorrangig ums Zerstören von Institutionen; „aber als Kollateralschaden höhlen sie internationale Regelwerke aus“. Seit Jahren hätten sie in ihren Gutachten davor gewarnt – „heute befinden wir uns in diesem Verfall“.

Das erzwingt die Frage, ob die Expertinnen und Experten für Konflikte, Krieg und Frieden von der deutschen Politik überhaupt gehört werden. „Weniger Zeit und weniger Aufmerksamkeit“ registriert Deitelhoff für die Analysen und Empfehlungen der Friedensforscherinnen und ‑forscher. In der Folge agierten die Regierenden kontraproduktiv.

Beschädigtes Vertrauen

„Deutschland und Europa spiegeln zum Teil, was wir in den USA erleben – statt dem etwas entgegenzusetzen.“ Als Beispiel nennt Deitelhoff, dass Deutschland unter Bundeskanzler Friedrich Merz die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit drastisch kürzt. Die Reaktion der ärmeren und armen Länder sei klar: „Das beschädigt das Vertrauen noch einmal und sorgt dafür, dass die Friedensgrundlagen noch mehr erodieren.“ Zu denen gehörten, unter anderem, Sicherung von Ernährung und Gesundheit… weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.