Trump ist der versehentliche Klima-Präsident

Trump ist der versehentliche Klima-Präsident
focus.de: Er liebt Kohle und hasst Windräder – doch neue Daten zeigen: Mit dem Iran-Krieg hat US-Präsident Donald Trump der Energiewende weltweit einen Turbo verpasst. Auch in den Vereinigten Staaten ist ein klarer Trend zu erkennen.
Es sind Zahlen, die dem US-Präsidenten nicht gefallen können: Im Mai haben die Vereinigten Staaten von Amerika so viel Solarenergie produziert wie noch nie. Wie aus Daten der britischen Denkfabrik Ember hervorgeht, ist Solar mittlerweile für 12,8 Prozent des amerikanischen Strommixes verantwortlich – und hat damit sogar die Kohleenergie (12,2 Prozent) überholt.
Solar am schnellsten wachsende Energiequelle
„Die Kohle erstmals für einen ganzen Monat zu überholen, zeigt, wie weit Solar mittlerweile gekommen ist“, sagt Nicolas Fulgham, Analyst bei Ember. Tatsächlich ist Solar die am schnellsten wachsende Energiequelle der USA. Nach Daten der Analysefirma Wood Mackenzie sind allein im ersten Quartal 2026 insgesamt sechs Millionen Solaranlagen im Land installiert worden, mit einer Leistung von 7,8 Gigawatt. Zum Vergleich: Deutschland baute im ersten Quartal knapp 3,5 Gigawatt Solarleistung zu.
„Loser”, „Betrug”, „Schwindel”
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Dabei wollte Präsident Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit der Kohleenergie zu ihrem großen Comeback verhelfen, die Energiewende wollte er hingegen ausbremsen. Windenergieanlagen seien schließlich „Loser”, die nur „dumme Menschen” für ein attraktives Investment hielten, sagte Trump im Januar beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Und überhaupt, die ganze Energiewende sei ein „grüner Betrug” und „der vielleicht größte Schwindel der Geschichte”.
Allerdings zeigen Daten jetzt: Die weltweite Energiewende hat sich in den letzten Monaten sogar noch beschleunigt. Und das hat viel mit Donald Trump zu tun – sowie dem Krieg gegen den Iran.
„Mit dem Angriff auf den Iran haben die Vereinigten Staaten unwissentlich eine neue Runde der Beschleunigung in der langfristigen Transformation der Welt hin zu sauberer Energie entfesselt”, schrieb Energie-Experte und Unternehmer Michael Liebreich Ende Mai in einem Gastbeitrag für den Analysedienst BloombergNEF. Trump könnte daher als „versehentlicher Klima-Präsident“ in die Geschichte eingehen, so der Analyst.
Schmerzhafte Abhängigkeit
Denn: Nach dem Angriff sperrte der Iran die sogenannte Straße von Hormus, die weltweit wichtigste Meerenge für den Transport von Erdöl und Flüssiggas. Fast 20 Prozent des täglichen weltweiten Ölbedarfs wurden vor dem Krieg durch die Meerenge transportiert. Die Öl- und Benzinpreise schossen weltweit in die Höhe – vor allem, in Asien, das besonders abhängig von Lieferungen durch die Straße von Hormus ist. „Können wir uns wirklich eine Welt vorstellen, in der Indien, China und die asiatischen Staaten nicht ihre Bemühungen dramatisch beschleunigen, diese schmerzhafte Abhängigkeit zu reduzieren?”, fragt Liebreich.
Tatsächlich pausieren China und Vietnam bereits erste Flüssiggas-Projekte, Staaten wie die Philippinen erklären, die Energiewende beschleunigen zu wollen. Pakistan, das bereits vor dem Iran-Krieg einen hohen Solarzubau verzeichnete, will nun bis 2040 insgesamt 95 Prozent seiner Energie aus grünen Quellen erzeugen. Und auch die Europäische Union legte im April das „Accelerate EU”-Paket vor, das Europa unabhängiger von geopolitischen Schocks machen soll. Eine der Maßnahmen: der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien.
In Deutschland sorgte bereits der russische Überfall der Ukraine im Februar 2022 für eine Beschleunigung der Energiewende, der damalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) nannte erneuerbare Energien sogar „Freiheitsenergien”. Und auch nach Beginn des Krieges im Iran vermeldeten Solarfirmen eine stark gestiegene Nachfrage, europaweit stieg der Absatz von E-Autos um bis zu 50 Prozent. „Die Bevölkerung mag es satt haben, zum Klimawandel belehrt zu werden”, schrieb Liebreich. „Aber sie sind sich der steigenden Preise an der Zapfsäule sehr bewusst.”
„Ein mächtiger globaler Konsens”
Dazu passen auch Daten, die die Energie-Denkfabrik E3G am Montag veröffentlicht hatte. Demnach forcieren vier von fünf Unternehmen den Umstieg auf Erneuerbare Energien nun stärker als vor Beginn des Iran-Kriegs. Mehr als 90 Prozent der Firmen sähen die Abkehr von fossilen Brennstoffen in ihren Betrieben als wichtigen Schritt zur Versorgungssicherheit… weiterlesen


