Tod durch Klimaanlage

Tod durch Klimaanlage
spektrum.de: In Basel erlag Anfang August eine Person einer Lungenentzündung, mindestens 27 weitere erkrankten. Die Quelle ihres Infekts: Wasser aus einer Kühlanlage.
Eines ist sicher: Irgendwann geben wir alle den Löffel ab. Weniger absehbar ist das Wie. Denn es gibt eine schier unendliche Zahl an Wegen, die einen Menschen ins Grab bringen können – manche von ihnen außergewöhnlicher, verblüffender und bizarrer als andere. In der Kolumne »Unwahrscheinlich tödlich« stellen wir regelmäßig solche Fälle vor, von bissigen Menschen über giftige Reisbällchen bis hin zu lebensgefährlichem Sex.
Der Heidelberger Sommer macht mir immer häufiger zu schaffen – an schwülheißen Tagen genieße ich es deshalb besonders, im klimatisierten Büro zu sitzen. Die dort herrschenden 22 bis 25 Grad sind allemal angenehmer und auch gesünder, als bei über 30 Grad in der Wohnung zu schwitzen. Zumindest solange die Kühlanlage keine gefährlichen Keime in die Umgebungsluft bläst. Dass Derartiges durchaus vorkommen kann, zeigt ein Krankheitsausbruch in der Schweiz.
Lesen Sie auch:
Vom Pontiac-Fieber erholen sich die meisten Menschen
Im August 2026 gelangten in der Basler Innenstadt infektiöse Keime aus einem Kühlturm in die Umgebungsluft. Das führte im Umfeld der Anlage zu einer kleinen Epidemie, die mindestens 28 Menschen in Mitleidenschaft zog. 26 Betroffene mussten im Krankenhaus behandelt werden, sieben sogar auf der Intensivstation. Und eine Person verstarb Anfang August 2026, nachdem sie eine schwere Lungenentzündung entwickelt hatte. Der Auslöser der Krankheitsserie: Bakterien der Gattung Legionella.
Die von ihnen verursachte Legionärskrankheit kann schon innerhalb von 24 Stunden nach Ansteckung als fiebriger Atemwegsinfekt ausbrechen. Erkrankte klagen über grippale Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie trockenen Husten. Von dieser milderen Variante, dem sogenannten Pontiac-Fieber, erholen sich die meisten Patienten innerhalb weniger Tage. Kritisch wird es, wenn sie eine Lungenentzündung entwickeln. Eine solche Legionellen-Pneumonie beginnt im Schnitt fünf bis sechs Tage später. Selbst mit gezielter Antibiotikatherapie sterben 5 bis 10 Prozent der Betroffenen.
Legionärsfieber trifft Männer etwa dreimal häufiger als Frauen, und die Krankheit bricht gehäuft bei Menschen über 50 aus. Wer Diabetes oder Herz-Lungen-Erkrankungen hat, raucht oder immunsupprimiert ist, hat ein höheres Risiko für einen lebensgefährlichen Verlauf. Der in Basel Verstorbene war ein 69-jähriger Mann mit mehreren Vorerkrankungen – damit war er ein klassischer Hochrisikopatient. Prinzipiell können sich jedoch Personen jeden Alters anstecken und schwer erkranken.
Gefahr im Duschkopf
Legionellen dürften vielen ein Begriff sein, schließlich zählen sie zu den Keimen, die auch im Haushalt zu Problemen führen können. Die Bakterien wachsen nämlich liebend gern in Wasserleitungen und unzureichend erhitzten Wasserspeichern. Sie sind der Grund für die Empfehlung, den Durchlauferhitzer oder Warmwasserspeicher ganzjährig auf mindestens 60 Grad Celsius einzustellen. Was womöglich weniger bekannt ist, ist, dass man sich durchaus auch über andere Quellen als die Duschbrause mit Legionellose anstecken kann.
Das zeigte schon der erste bekannte Ausbruch der Krankheit, der ihr ihren Namen gab. 1976 trafen sich im US-amerikanischen Philadelphia mehr als 2000 Kriegsveteranen der American Legion. Viele von ihnen waren schon im fortgeschrittenen Alter und nicht gerade kerngesund. Nachdem sie vier Tage in einem Hotel verbracht hatten und wieder heimgekehrt waren, beklagten einige von ihnen Anzeichen eines Infekts – sie fühlten sich krank, bekamen Fieber, Brustschmerzen und Husten. Innerhalb einer Woche nach Ende des Treffens waren 130 der Teilnehmenden im Krankenhaus und 25 tot… weiterlesen


