Acht Milliarden: Doch Weltbevölkerung wird schrumpfen

Acht Milliarden: Doch Weltbevölkerung wird schrumpfen
Foto: Peggy Marco/PixabayCC/PublicDomain

Acht Milliarden: Doch Weltbevölkerung wird schrumpfen

businessinsider.de: Noch wächst die Zahl der Menschen auf der Erde. Doch die Weltbevölkerung erreicht bald ihren Höhepunkt und wird dann rasch schrumpfen.

Die Weltbevölkerung passiert wieder einen Meilenstein: In diesen Tagen übersteigt die Zahl der Menschen auf der Erde acht Milliarden. Auf den Tag lässt sich das natürlich nicht sagen, aber die Vereinten Nationen haben den 15. November dafür festgelegt. Erst Mitte der 70er Jahre hatte die UN den vier milliardsten Menschen begrüßt. In nur zwei Generationen hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt.

Das rasante Wachstum hat seinen positiven Grund im weltweit wachsenden Wohlstand: Verbesserungen bei Ernährung, Medizin und Hygiene lassen die Lebenswartung steigen. Das Wachstum birgt aber auch große Risiken für Umwelt und Klima und damit für den Lebensraum der Menschen.

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Von einer Bevölkerungsexplosion kann allerdings längst keine Rede mehr sein. Die Weltbevölkerung wächst noch, aber immer langsamer. Noch in diesem Jahrhundert wird die Zahl der Menschen ihren Höhepunkt erreichen und dann schnell abnehmen. Auch das liegt wieder am Wohlstand. Mit ihm sinken weltweit die Geburtenraten – und zwar ebenfalls rasch.

Wie die wachsende Bevölkerung bedeutet auch eine schrumpfende und alternde Weltbevölkerung große Herausforderung. Was Umwelt und Klima helfen kann, wird Gesellschaften schwierige Veränderungen abverlangen. Die Gewichte auf der Welt verschieben sich. Das gilt besonders geografisch und für das Verhältnis zwischen Jungen und Alten.

Wir haben die wichtigsten Zahlen, Entwicklungen und Veränderungen zusammengestellt.

Wie entwickelt sich die Weltbevölkerung aktuell?

Die Weltbevölkerung wächst noch gar nicht so lange, so schnell. Das starke Wachstum hat erst mit der industriellen Revolution ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert begonnen, die Bevölkerungsexplosion erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als die grüne Revolution mit besserer Düngung und Pflanzenschutz die Basis dafür schuf, mehr Menschen zu ernähren.

Lange schien es, als würde der Anstieg immer steiler. Doch seit einiger Zeit nimmt das Tempo des Bevölkerungswachstums ab, die Kurve wird flacher. Ihr Scheitelpunkt ist in Sicht.

Wie lange wächst die Weltbevölkerung noch? Wann beginn sie zu schrumpfen?

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung noch etwa bis zum Ende des Jahrhunderts wächst. Bereits 2037 würden neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. In den 2080er Jahren komme das Wachstum zum Stillstand. Auf dem Höhepunkt gebe es 10,4 Milliarden Menschen.

Der weltweit angesehene Bevölkerungswissenschaftler Wolfgang Lutz geht davon aus, dass das Wachstum früher endet. In seinem Basisszenario, dem sein Team die höchste Wahrscheinlichkeit zumisst, wächst die Menschheit noch bis 2070 und erreicht ihre Maximalzahl mit 9,8 Milliarden Menschen. In seiner Minimalprognose könnte die höchste Zahl der Menschen bereits 2055 mit 8,7 Milliarden erreicht werden. Dies wäre eine Generation früher als von der UN erwartet.

Bei allen Unterschieden bleibt die Einschätzung gleich: Das Ende des Bevölkerungswachstums ist in Sicht.

Wie schnell wird die Bevölkerung schrumpfen?

Die wichtigsten Faktoren sind Geburtenrate, Kindersterblichkeit und Lebenserwartung im Alter. Pendelt sich Geburtenrate weltweit auf dem Niveau von 1,5 Geburten je Frau ein wie derzeit in Europa und steigt die mittlere Lebenserwartung auf rund 100 Jahre, nimmt die Weltbevölkerung so rasant wieder ab, wie sie gestiegen ist. In diesem Szenario ist es laut Lutz wahrscheinlich, dass im Jahr 2200 nur noch zwei bis vier Milliarden Menschen auf der Erde leben.

Was bremst das Wachstum der Weltbevölkerung?

Seuchen (wie Corona), Naturkatastrophen oder Kriege hatten bisher stets nur kurze Einschnitte im langfristigen Wachstum der Weltbevölkerung zur Folge. Der Grund für die nachhaltige Trendumkehr ist ein anderer: die schnell abnehmende Geburtenrate, mittlerweile in den meisten Ländern der Welt. Um eine Bevölkerung stabil zu halten, müsste die Geburtenrate bei rund 2,1 Kindern je Frau liegen. In Europa beträgt sie 1,53. Als wichtigste Gründe dafür, dass weniger Kinder geboren werden, gelten Zugang zu Bildung und Wohlstand.

In mehr als 50 Prozent aller Länder auf der Welt ist die Geburtenrate mittlerweile unter das Niveau gefallen, bei dem die Bevölkerung stabil bleiben würde, schrieb der britische Ökonom Ian Goldin in der Financial Times. Erstaunlich sei, dass die Geburtenraten in nur einer Generation weltweit so stark gefallen seien – und zwar in wirtschaftlich, religiös und kulturell so unterschiedlichen Länder wie Irland und dem Iran, den USA und Südkorea, Ungarn und Japan oder Brasilien… weiterlesen

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