China: Mit Nebel vom Dach gegen Extremhitze
China: Mit Nebel vom Dach gegen Extremhitze
chip.de: Klimageräte sind bei Hitzewellen schnell vergriffen. In China sorgt nun ein Wohnviertel mit feinem Nebel vom Dach für Aufmerksamkeit.
In der chinesischen Stadt Yuncheng versprühen Hochhäuser Wassernebel von den Dächern. Laut India Today soll das System lokale Luft- und Oberflächentemperaturen bei großer Hitze um 5 bis 8 Grad Celsius senken können. Das klingt natürlich beeindruckend, ist aber keine Klimaanlage für Wohnungen. Der Effekt entsteht vor allem draußen, rund um Gebäude, auf Wegen und aufgeheizten Flächen.
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In Deutschland werden Kühlgeräte knapp
Die jüngste Hitze hat auch in Deutschland die Nachfrage nach Abkühlung stark steigen lassen. Nach einer dpa-Auswertung, über die unter anderem die WELT berichtet, stiegen die Suchanfragen nach Klimaanlagen auf Kleinanzeigen innerhalb einer Woche von rund 118.000 auf knapp 2,47 Millionen. Im Einzelhandel sind kühlende Geräte mancherorts kaum noch zu bekommen.
Das erklärt, warum solche Bilder aus China gerade so viel Aufmerksamkeit bekommen. Wer zu Hause schwitzt, sucht meist nach einer schnellen Lösung für einzelne Räume. Das chinesische System setzt an einer anderen Stelle an: Es versucht, die Umgebung eines Gebäudes abzukühlen, bevor sich Wege, Fassaden und Innenhöfe weiter aufheizen.
So funktioniert der Nebel vom Dach
In Yuncheng sind auf den Dächern Düsen angebracht, die Wasser in sehr feine Tropfen zerstäuben. In Videos sieht das aus, als würden Wolken an den Hochhäusern herunterziehen. Die Tropfen sollen so klein sein, dass sie bei Hitze schnell verdunsten und nicht einfach als Regen auf der Straße landen.
Dahinter steckt Verdunstungskühlung. Wenn Wasser verdunstet, entzieht es der Umgebung Wärme. Das Prinzip ist nicht neu; ähnlich kühlt auch Schweiß auf der Haut. India Today schreibt, dass solche Nebelsysteme in China bereits an öffentlichen Orten wie Haltestellen oder Plätzen eingesetzt werden.
Bei trockener Hitze funktioniert das Kühlsystem am besten
Die oft zitierte Abkühlung um bis zu 8 Grad bezieht sich auf lokale Luft- und Oberflächentemperaturen. Sie sagt nicht automatisch aus, dass Wohnungen im selben Maß kühler werden. Auch India Today verweist darauf, dass der Effekt bei Außentemperaturen um 38 Grad und unter passenden Bedingungen gemessen beziehungsweise berichtet wurde.
Entscheidend ist vor allem das Wetter. Bei trockener Hitze verdunstet der Nebel schneller und kann stärker kühlen. Bei schwüler Luft fällt der Effekt geringer aus, weil die Luft schon viel Feuchtigkeit enthält. Auch Wind und die genaue Lage der Düsen entscheiden mit.
Weniger Strom, aber nicht ohne Wasser
Ein Vorteil solcher Anlagen liegt beim Stromverbrauch. Statt eines Kältekreislaufs mit Kompressor braucht das System vor allem Pumpen, Leitungen und Düsen. Für Außenbereiche kann das deutlich weniger aufwendig sein als der Versuch, Hitze mit vielen einzelnen Klimageräten aus Gebäuden herauszudrücken.
Der offene Punkt ist Wasser. India Today verweist auf Bedenken in Regionen, in denen Wasser knapp ist. Auch das Umweltbundesamt sieht Verdunstungskühlung in Städten vor allem dann als interessant an, wenn Regenwasser genutzt wird. Trinkwasser auf Dächer zu pumpen, wäre in trockenen Sommern kaum die überzeugendste Variante.
Für deutsche Städte wäre es keine schnelle Kopie
Für einzelne Wohnungen bleibt ein mobiles Klimagerät direkter. Ein Dachnebel kühlt nicht das Schlafzimmer auf Knopfdruck. Interessant wäre so ein System eher an Orten, an denen viele Menschen draußen unterwegs sind oder warten müssen…. weiterlesen


