Forscher wollen den toten Aralsee wiederbeleben

Forscher wollen den toten Aralsee wiederbeleben
Foto: Pixabay CC/PublicDOmain

Forscher wollen den toten Aralsee wiederbeleben

focus.de: Wo früher Fischerboote über das Wasser fuhren, erstreckt sich heute eine salzige Wüste. Rund 90 Prozent des Aralsees sind ausgetrocknet. Nun wollen Forscher ihn wiederbeleben.

Der freigelegte Boden setzt seit Jahrzehnten Kohlendioxid frei. Seit 1960 summieren sich die CO₂-Emissionen des Aralsees auf rund 748 Millionen Tonnen.

Die Berechnung stammt von einem internationalen Team unter Leitung des Centre for Advanced Studies of Blanes (CEAB) in Spanien. Beteiligt war auch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, kurz IGB. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Science. Demnach könnten 605 Millionen Tonnen CO₂ im Sediment bleiben, wenn die trockenen Flächen dauerhaft wieder unter Wasser stünden.

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Eine vorübergehende Flutung würde dafür nicht ausreichen. Der Kohlenstoff bleibt nur geschützt, solange die Sedimente unter Wasser liegen. Trocknen sie später erneut aus, beginnt die Zersetzung wieder. Jede Renaturierung müsste deshalb über Jahrzehnte abgesichert werden.

Wasser könnte die CO₂-Emissionen des Aralsees stark bremsen

Der Kohlenstoff lagerte sich über lange Zeit am Grund des Sees ab. Pflanzen und Algen nahmen Kohlendioxid aus der Luft auf. Nach ihrem Absterben sank das organische Material nach unten. Unter Wasser blieb ein großer Teil davon im Sediment gespeichert.

Mit dem Rückgang des Sees änderte sich dieser Prozess. Sauerstoff gelangte an die Ablagerungen. Mikroorganismen zersetzten das organische Material und setzten dabei Kohlendioxid frei. Pflanzen auf dem trockenen Seeboden nahmen weniger als ein Prozent dieser Emissionen wieder auf.

„Unter dem Aralsee verbirgt sich ein wahrer Kohlenstoffvorrat“, sagt Studienleiter Rafael Marcé vom CEAB-CSIC. „Bleiben diese Sedimente freigelegt, wird weiterhin Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt. Wird der See jedoch wieder geflutet, könnte derselbe Kohlenstoff von einer Emissionsquelle zu einem Teil der Klimalösung werden.“

Seit 1960 wurden Amudarja und Syrdarja für die Bewässerung umgeleitet

Der Aralsee liegt zwischen Kasachstan und Usbekistan. Einst gehörte er zu den größten Binnengewässern der Erde. Seit den 1960er-Jahren leiteten die damaligen Sowjetrepubliken große Wassermengen aus Amudarja und Syrdarja ab. Das Wasser versorgte vor allem Baumwollfelder und andere bewässerte Anbauflächen.

Der Pegel sank daraufhin immer weiter. Zugleich nahm der Salzgehalt zu, während Fischbestände und Feuchtgebiete verschwanden. Aus dem früheren Seeboden entstand die Aralkum-Wüste. Mit dem Wasser verlor die Region auch einen großen Kohlenstoffspeicher.

„Wenn ein See austrocknet, stehen wir nicht nur vor einem hydrologischen, ökologischen oder sozioökonomischen Problem“, sagt Mitautorin Núria Catalán vom CEAB-CSIC. „Auch der Kohlenstoffkreislauf wird in einer Weise verändert, die in der Klimabilanzierung bislang weitgehend unberücksichtigt geblieben ist.“

Eine vollständige Flutung bleibt sehr unwahrscheinlich

Die 605 Millionen Tonnen CO₂ sind ein theoretisches Vermeidungspotenzial. Dafür müssten große Teile des trockenen Seebodens dauerhaft wieder unter Wasser stehen. Nötig wären über viele Jahre deutlich höhere Zuflüsse in den Aralsee… weiterlesen

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