Hitzestress: Macht die Politik genug?

Hitzestress: Macht die Politik genug?
handelsblatt.com: Waldbrände und historische Niedrigwasserstände bringen Wirtschaft und Gesundheitssystem an ihre Grenzen. Die Kritik an der Klimapolitik von Kanzler Friedrich Merz wächst.
Hitzewellen, Waldbrände, Niedrigwasser: Der Sommer 2026 könnte in Deutschland und in Europa zu einem Sommer der Extreme werden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet mit Blick auf die Temperaturen in Deutschland, dass die Statistik vermutlich den Rahmen dessen sprengen dürfte, was man bisher kannte. „Mittlerweile zählt man schon gar nicht mehr mit, wie oft dieses Jahr schon die 35-Grad-Marke geknackt wurde.“
Hitze birgt hohe Risiken – nicht nur für die Wirtschaft, wie das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos in einer exklusiven Analyse für das Handelsblatt berechnet hat. Der Rheinpegel bei Kaub fiel in dieser Woche auf den niedrigsten Stand seit 1880, was die Schifffahrt und damit die Lieferketten der Industrie immer stärker einschränkt. Auch die Gesundheitsrisiken steigen, zeigen aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI).
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Allein während der Hitzewelle Ende Juni 2026 starben nach Schätzungen des Instituts rund 5100 Menschen an den Folgen der hohen Temperaturen – mehr als in jedem der drei Vorjahre jeweils im gesamten Jahr. Bis Mitte Juli hat sich die Zahl laut RKI auf 9800 Todesfälle erhöht, aktuell vermeldet das Institut in seinem Wochenbericht dazu 11.900 Menschen, die hitzebedingt gestorben sind.
Deutschland auf Extremwetter schlecht vorbereitet
Deutschland ist aus Sicht vieler Akteure auf diese Extremwetter nicht vorbereitet. Ein Bündnis aus Umwelt-, Klimaschutz- und Sozialverbänden sowie Gewerkschaften will darum an diesem Donnerstag vor dem Bundeskanzleramt in Berlin einen Hitzegipfel der Bundesregierung fordern. Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat für Donnerstag zu einer Niedrigwasserkonferenz eingeladen.
Die Umweltverbände kritisieren, hierzu nicht eingeladen zu sein. „Die niedrigen Flusspegel sind kein kurzfristiges Wetterphänomen, sondern Symptom der Klimakrise“, sagte Olaf Bandt, Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Mit Blick auf Überlegungen, die Fahrrinnen der Flüsse zu vertiefen, sagte er: „Niedrige Pegel können nicht einfach weggebaggert werden.“
Kim Cornelius Detloff, Fachbereichsleiter Politik beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), sagte, jetzt, wo auch die Wirtschaft Alarm schlage und Lieferketten zusammenbrächen, brauche es mehr Substanz in der politischen Reaktion als die reflexartige Forderung von Fahrrinnenanpassungen.
Marc Schattenberg, Volkswirt bei Deutsche Bank Research, äußerte sich ebenfalls skeptisch dazu, nun eilig tiefere Fahrrinnen auszubaggern: Das könne die Fließgeschwindigkeit erhöhen und neue Umweltprobleme schaffen, sagte er am Mittwoch.
Weckruf für Kanzler Merz
Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand der Umweltorganisation Greenpeace Deutschland, forderte „einen neuen Ernst im Umgang mit Klimaschutz und Klimaanpassung“. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sollte diesen Hitzesommer als „Weckruf“ begreifen und seine Politik auf eine durchdachte und konsequente Klimastrategie ausrichten, sagte er dem Handelsblatt. Der BUND-Vorsitzende Bandt warnte: „Je untätiger die Regierung ist, desto teurer wird es am Ende.“ … weiterlesen


