IPCC-Bericht: Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel dringend nötig

IPCC-Bericht: Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel dringend nötig
Der Klimawandel wirkt sich dramatisch auf die Bevölkerung der Küstenregionen in Bangladesch aus. © EJF

IPCC-Bericht: Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel dringend nötig

Von Steve Trent, Geschäftsführer (CEO) und Gründer der Environmental Justice Foundation

Der neue Bericht des Weltklimarats (IPCC) hat erneut das unermessliche Leid bestätigt, das die Klimakrise mit sich bringen wird. Er zeigt die düstere Realität auf und offenbart das Ausmaß, in dem die Erderhitzung die Menschen aus ihren Häusern zwingt, ihre Lebensgrundlagen und ihr Wohlergehen zerstört und ihre grundlegenden Menschenrechte untergräbt.

Die Klimakrise ist eine Menschenrechtskrise
Industrienationen – die Länder, die am meisten zur Erwärmung unseres Planeten beigetragen haben – müssen mehr tun, um die durch die Klimakrise verursachten Ungerechtigkeiten, Verluste und Schäden auszugleichen. Sie müssen ihre Unterstützung für jene Länder und Bevölkerungsgruppen, die am wenigsten zu dieser Krise beigetragen haben, verstärken. Vor allem Menschen, die infolge dieser Krise ihre Heimat verlassen müssen, brauchen dringend Schutz in Form eines soliden internationalen Rechtsrahmens, der sowohl ihre Rechte als auch Pflichten festschreibt.

Schmerzhaft müssen wir anerkennen, dass unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen nicht nur durch die Auswirkungen der Erderhitzung Leid und Elend verursacht, sondern auch durch die Finanzierung von Konflikten. Entschiedene Maßnahmen für Klimaschutz sind nicht nur eine Investition in unsere Zukunft, sondern auch in unser eigenes Überleben. Eine solche Investition wäre die größte Kosteneinsparung in der Geschichte der Menschheit.

Das Ausmaß der Menschenrechtskrise, die durch die globale Erwärmung verursacht wurde, wird in dem jüngsten IPCC-Bericht nur noch von eklatanter Ungerechtigkeit übertroffen. Er zeigt, wie wichtig es ist, dass reiche Nationen – jene, die am meisten von der kohlenstoffintensiven Entwicklung profitiert haben – denjenigen helfen, die an vorderster Front der Klimakrise stehen und die am wenigsten zu dieser Krise beigetragen haben.

Gerechtigkeit
Umweltgerechtigkeit und der Schutz der Menschenrechte müssen im Mittelpunkt sämtlicher Klimaschutzmaßnahmen stehen. Wir haben die politische und moralische Verpflichtung, dies anzuerkennen. Seit Jahrzehnten leiden Länder des Globalen Südens unter den größten Auswirkungen des Klimazusammenbruchs: 99 % aller Todesfälle durch wetterbedingte Katastrophen ereignen sich in den 50 am wenigsten entwickelten Ländern der Welt – Länder, die weniger als 1 % der weltweiten Kohlenstoffemissionen verursacht haben.

Gegenwärtig wird der größte Teil der Gelder, die für Klimaschutzmaßnahmen vorgesehen sind, für Projekte zur Emissionsreduzierung und nicht für Anpassungsmaßnahmen bereitgestellt. Auch wenn die Verringerung unserer Emissionen von entscheidender Bedeutung ist, müssen wir anerkennen, dass die Klimakrise bereits in vollem Gange ist.

Wir müssen Länder und Gemeinschaften dabei unterstützen, Sturmfluten und dem Anstieg des Meeresspiegels standzuhalten – Entwicklungen, die sich bereits ereignen. Der neuen Klimapakt, der auf der COP26 vereinbart wurde, sieht vor, den Anteil der Klimafinanzierung, der in die Anpassung fließt, zu verdoppeln. Die Vereinten Nationen, Bangladesch und viele andere Entwicklungsländer fordern jedoch eine Aufteilung der Mittel im Verhältnis 50:50 zwischen Anpassung und Eindämmung. Der neue Bericht des Weltklimarats zeigt im Detail, wie sehr notwendig das ist.

Klima und Flucht
Da bei der Finanzierung von Schäden und Verlusten oder der Klimafinanzierung nur begrenzte Fortschritte erzielt wurden und Länder daher nicht in der Lage sind, sich an die Auswirkungen der Klimakrise anzupassen, muss der Zusammenhang zwischen der Klimakrise und Vertreibung jetzt in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte rücken.

Millionen von Menschen wurden bereits aus ihrem Zuhause vertrieben. Weitere Millionen werden in den kommenden Jahren ihre Heimat verlieren. Dieses Problem kann nicht länger ignoriert oder aufgeschoben werden. Obwohl mehr Menschen durch den Klimawandel vertrieben werden als durch Kriege, fallen sie durch das Raster internationaler Abkommen, ohne dass es einen verbindlichen rechtlichen Schutz für sie gibt. Diese Menschen brauchen dringend einen internationalen Rechtsrahmen, der es ihnen ermöglicht, sich sicher zu bewegen.

Beispiellose Brände, Überschwemmungen und Stürme wüten auf der ganzen Welt und hinterlassen eine Spur von zerstörten Häusern, verwüsteten Lebensgrundlagen und dem Verlust von Menschenleben. Der jüngste IPCC-Bericht bestätigt, was inzwischen allgemein bekannt ist: Wir befinden uns mitten in der Klimakrise. Staaten und Länder, vor allem aber die Industrienationen, müssen jetzt dafür sorgen, dass die ärmsten, am stärksten ausgegrenzten und am meisten gefährdeten Gemeinschaften auf der ganzen Welt vor diesen Auswirkungen geschützt werden.

Wenn wir nicht handeln, wird Blut an unseren Händen kleben. Wie António Guterres, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, bei der Veröffentlichung des Berichts sagte: „Verzögerung bedeutet Tod. Jeder Bruchteil eines Grades zählt, jede Stimme kann einen Unterschied machen.“

Environmental Justice Foundation

EJF

Die Environmental Justice Foundation ist eine gemeinnützige Organisation, die sich weltweit für den Schutz der Umwelt und die Verteidigung der Menschenrechte einsetzt. Sie ist international aktiv und hat Standorte in Großbritannien, Belgien, Deutschland, Südkorea, Taiwan, Thailand, Indonesien, Japan, Ghana und Liberia. Am Standort in Hamburg leistet sie vorrangig Aufklärungsarbeit zu den Themen Klimakrise und Vertreibung sowie zu illegaler Fischerei und Menschenrechtsverletzungen auf See.

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