Kipppunkt für den Klimaschutz

Kipppunkt für den Klimaschutz

Kipppunkt für den Klimaschutz

zeit.de: Mit US-Präsident Biden ist eine transatlantische Klimakooperation möglich geworden. Die Techniken sind auch da. Wird das der Durchbruch zu einer modernen Weltwirtschaft?

Wenn sich der US-amerikanische und der europäische Markt in Richtung gemeinsamer Umwelt- und Klimastandards bewegen, verschieben sich auch globale Wachstums-, Handels- und Investitionsmuster. Ein transatlantischer, grüner Leitmarkt könnte ein „Race to the Top“ für den Klimaschutz werden, schreiben Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes, und Manish Bapna, Vizepräsident des World Resources Institute im Gastbeitrag.

Die Europäische Union hat sich ein anspruchsvolles Klimaziel gesetzt: um 55 Prozent sollen die Treibhausgasemissionen bis 2030 reduziert werden, im Vergleich zu 1990. Die EU hält zudem – trotz und mitten in der Corona-Krise – auch am European Green Deal fest, der, neben Klimaschutz, weniger Schafstoffe in der Luft, im Boden, in den Gewässern und Meeren, zirkuläre Wirtschaft, mehr Investitionen in Biodiversität und eine gesündere Landwirtschaft voranbringen soll. Grüne Ökonomie als Antwort auf die Wirtschaftskrise, das ist neu!

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Im Kontext der Finanzmarktkrise von 2008/09 galt nachhaltiges Wirtschaften als zu teurer Luxus. Das Motto vor einer Dekade lautete Wachstum, Wachstum, Wachstum – ohne Adjektive. Nun soll gut ein Drittel des 750-Milliarden-Euro-Zukunftspaktes der EU in Klimaschutz und Nachhaltigkeit investiert werden. Hier findet gerade ein Leitbildwandel statt: Zunehmend wird in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verstanden, dass es keine stabile und dynamische Ökonomie ohne Klima- und Ökosystemschutz geben kann.

Kritische Stimmen gegenüber dem Projekt der EU-Kommission gab und gibt es dennoch. Die zentrale Kritik lautet: Wenn die EU im Alleingang Richtung Klimaschutz und Nachhaltigkeit steuert, könnte das die Wettbewerbsfähigkeit schwächen, Jobs kosten, zur Verlagerung klimaschädlicher Produktion ins Ausland führen, den europäischen Standort in der Weltwirtschaft unterminieren. Was helfen klimaneutraler Stahl, grüne Baustoffe, steigende CO2-Preise, wenn der Rest der Welt nicht mitzieht und im Ergebnis Beschäftigung und Wohlstand in Europa beschädigt würden?

Diese Argumentation hat in den letzten Jahren bereits an Überzeugungskraft verloren, weil viele Länder wie China, Indonesien oder Kolumbien auch in Klimaschutz investiert haben. Doch mit der Wahl von Joe Biden zum Präsidenten der Vereinigten Staaten verliert das Argument der Wettbewerbsverzerrung durch Klima- und Umweltschutz endgültig an Bedeutung.

Die Biden-Regierung ist dabei, ihrerseits Weichen für eine klimaverträgliche, grüne Modernisierung der Wirtschaft zu stellen. Sie hat ein 1.900 Milliarden US-Dollar Konjunkturprogramm vorgelegt, das die Bekämpfung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Krise systematisch mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit verbindet. Wir hoffen zudem, dass die US-Regierung bald ein ambitioniertes Klimaziel für 2030 verkündet. Studien zeigen, dass eine Reduzierung der Emissionen von etwa 50 Prozent bis 2013 im Vergleich zu 2005 ambitioniert, aber machbar wäre… weiterlesen

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