Klimaschaden: UN-Bericht warnt vor Rechenzentren

Klimaschaden: UN-Bericht warnt vor Rechenzentren
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Klimaschaden: UN-Bericht warnt vor Rechenzentren

focusplus.de: Riesige KI-Rechenzentren verschlingen Ressourcen, die Milliarden Menschen versorgen könnten, wie ein neuer Bericht der UN zeigt. In den USA verlieren Gemeinden Zugang zu Trinkwasser und Strom. Die berühmte US-Aktivistin Erin Brockovich kämpft für Betroffene.

Bei dem Namen Erin Brockovich denken viele zunächst an Julia Roberts. Sie spielte vor fast 30 Jahren die arbeitslose, alleinerziehende Mutter, die sich zur berühmten Umweltaktivistin hochkämpft. Roberts erhielt für die Rolle den Oscar.

Die echte Erin Brockovich erstritt in den 90ern tatsächlich eine Rekordsumme für Menschen, die durch Chrom vergiftet wurden. Dafür nahm sie es mit dem größten Energieversorger der USA auf, Pacific Gas and Electric. Das Unternehmen hatte den gefährlichen Stoff über Jahrzehnte wissentlich ins Grundwasser abgeleitet. Jetzt hat Brockovich einen neuen Gegner: Big Tech und seine KI-Rechenzentren.

KI-Fabriken auch in der EU

Ein heute veröffentlichter UN-Bericht zeigt: Die riesigen Komplexe verschlingen Wasser und Energie, die weit über eine Milliarde Menschen versorgen können. Auch in der EU sind mehrere KI-Fabriken geplant. Sie unterscheiden sich von herkömmlichen Rechenzentren vor allem durch spezialisierte Prozessoren und Chips, die KI-Anwendungen beschleunigen. Diese besonders leistungsstarke Hardware braucht mehr Strom und mehr Kühlung.

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Überall in den USA sprießen solche Mega-Rechenzentren. In vielen Fällen wurden Anwohner nicht vorher über den Bau informiert und hatten keine Möglichkeit, mitzubestimmen, kritisierte Brockovich kürzlich in einer US-Talkshow. Bei vielen kommt nun kaum noch Wasser aus dem Hahn, Lampen flackern, der Strom fällt häufiger aus, ein konstantes Brummen der lauten Kühlsysteme ist bis in die Schlafzimmer zu hören. Lokalpolitikerinnen und -politiker würden mit Schweigevereinbarungen geknebelt, die Bauvorhaben teilweise zunächst als Kaufhäuser getarnt, so die 66-Jährige. Die Gemeinden seien wütend, weil ihnen die Projekte „im Geheimen reingewürgt“ würden.

In den USA gibt es bereits jetzt mehr als 4200 fertige oder im Bau befindliche Datencenter. Über 6600 Menschen folgten Brockovichs Aufruf, Informationen und Bilder über KI-Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft zu schicken und über ihre damit verbundenen Sorgen zu berichten. Auf der eigens dafür eingerichteten Seite www.brockovichdatacenter.com sind bereits über 3600 Meldungen eingegangen. Besonders brisant: Viele der Zentren entstehen in US-Bundesstaaten, die ohnehin bereits von Dürre und Trockenheit betroffen sind. 

Bislang drehe sich die öffentliche Debatte vor allem um KI-Risiken wie Datenschutz, Desinformation, Diskriminierung und womöglich wegfallende Arbeitsplätze, heißt es in dem heute veröffentlichten Bericht des UN-Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit (UNU-INWEH). „Doch einer der folgenreichsten Aspekte der KI, der vergleichsweise wenig beachtet wird, ist ihr ökologischer Fußabdruck.“

Täglich 2,5 Milliarden Prompts bei ChatGPT

Allein 2025 verbrauchten KI-Rechenzentren 448 Terawattstunden Energie. „Wären Rechenzentren ein Land, würde dieser Stromverbrauch weltweit den 11. Platz einnehmen“, so die Autorinnen und Autoren der UN. Bei der derzeitigen Entwicklung könne sich der Bedarf bis 2030 auf etwa 945 Terawattstunden verdoppeln. Schätzungen zufolge verarbeite allein ChatGPT rund 2,5 Milliarden Prompts pro Tag, heißt es im Bericht. „Bei einem konservativ angesetzten Wert von 0,42 Wattstunden pro Text-Prompt entspricht der Betrieb von ChatGPT in diesem Umfang einem jährlichen Stromverbrauch von etwa 383 Gigawattstunden.“

Schon in vier Jahren dürften die Kraftwerke 9,3 Trillionen Liter Wasser verbrauchen – so viel wie alle 1,3 Milliarden Menschen in Subsahara-Afrika pro Jahr, denn die im Dauerbetrieb heiß laufenden Maschinen müssen beständig gekühlt werden. Wie in den USA gab es auch bereits in anderen Ländern der Welt massive Kollisionen zwischen dem Durst der KI-Zentren und der Versorgung der Bevölkerung. In Mexiko führte die wachsende KI-Infrastruktur zu Trinkwasserknappheit während einer Dürreperiode. Auch in Uruguay fiel der Neubau eines Datencenters 2023 mit einer Dürre zusammen und trocknete die Frischwasserreserven aus. Leitungswasser war daraufhin nicht mehr sicher zum Trinken. 

Die Zentren könnten laut dem Bericht bis 2030 eine Fläche von über 14.500 Quadratkilometern einnehmen – etwa die doppelte Fläche von Jakarta, wo 32 Millionen Menschen leben. Zudem könnte die KI-Infrastruktur bis 2030 jährlich bis zu 2,5 Millionen Tonnen Elektroschrott verursachen – eine Menge, die dem jährlichen Entsorgen von fast 250 Eiffeltürmen gleichkäme. 

Erneuerbare Energie allein reicht nicht

Die drastischen Folgen für Klima und Umwelt durch diese Faktoren ließen sich nicht allein durch die Berechnung von CO2-Emissionen fassen, so wie es bislang häufig gemacht wurde. Es reiche deshalb nicht aus, nur auf erneuerbare Energien zu setzen, sondern es müssten schon vor dem Bau umfassende Pläne zu Energie-, Wasser- und Landnutzung vorliegen. Diese müssten bei der Suche des Standorts und der Finanzierung der Projekte berücksichtigt, Gemeinden rechtzeitig informiert und einbezogen werden…. weiterlesen

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