Kölner Gebäude holt NO2 aus der Luft

Kölner Gebäude holt NO2 aus der Luft
VHS Köln am Neumarkt Foto: Wikimdeia CC 4.0/Raimond Spekking

Kölner Gebäude holt NO2 aus der Luft

ingenieur.de: Köln testet eine Textilfassade an der VHS: rund 30 Prozent weniger NO₂, Kühlung fürs Gebäude, recyclingfähig – Messung bis Ende 2025.

Wer an der Kölner Volkshochschule (VHS) in der Cäcilienstraße 35 vorbeikommt, sieht seit einigen Monaten mehr als nur Architektur. Vor der Nordfassade hängt eine bedruckte Textilmembran. Sie wirkt wie Kunst am Bau – und arbeitet leise gegen ein altes Stadtproblem: zu viel Stickstoffdioxid (NO₂) in enger Innenstadtlage. Die Stadt Köln, die Stiftung „Lebendige Stadt“ und Schüco testen hier gemeinsam, wie eine photokatalytische Textilfassade die Luftqualität verbessern kann. Das System ist seit Oktober 2024 in Betrieb. Die Messphase läuft noch bis zum 31. Dezember 2025.

Wie die Fassade funktioniert

Das Funktionsprinzip ist schnell erzählt. Sonnenlicht trifft auf die Membran. An deren Oberfläche setzen aufgedruckte Wirkstoffe eine chemische Reaktion in Gang. Sie binden Stickoxide aus der vorbeiströmenden Luft und wandeln sie in harmlose Mineralien um, die vom Regen abgewaschen werden.

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Zwei Membranflächen mit je 8 × 20 m bilden den Filter. Sensorik misst vor und hinter der Membran, wie stark die NOx-Konzentration abnimmt. So entsteht ein Datensatz, der den Effekt in Echtzeit dokumentiert.

Erste Bilanz: rund 30 Prozent weniger NO₂ – und es wird besser

Die Projektpartner melden eine mittlere Filterleistung von rund 30 Prozent über die Monate. An einzelnen Tagen lag der Wert darüber. Seit Januar 2025 verbessern sich die Messwerte kontinuierlich.

Ein Muster zeigt sich deutlich: Je länger der Tag und je wärmer die Luft, desto stärker arbeitet die Photokatalyse. An der weniger lichtreichen Nordfassade ist das bemerkbar. Für eine Südausrichtung rechnen die Verantwortlichen – bei sonst gleichen Bedingungen – mit bis zu dreifach höherer Lichtintensität und entsprechend mehr Wirkung.

Warum das wichtig ist

Luftverschmutzung verursacht in der EU jedes Jahr viele vorzeitige Todesfälle. Die Europäische Umweltagentur nennt Luftverschmutzung die größte umweltbedingte Gesundheitsgefahr.

Parallel verschärft die EU bis 2030 die Grenzwerte: Der Jahresgrenzwert für NO₂ sinkt von 40 auf 20 µg/m³. Städte brauchen also Lösungen, die rasch umsetzbar sind – baulich, betrieblich und politisch. Eine Fassade, die mitläuft und filtert, passt in diese Logik.

Kühlung inklusive

Die Membran schirmt die Fassade vor direkter Sonnenstrahlung ab. Das senkt die Aufheizung des Gebäudeinneren. Klimageräte laufen weniger. Das spart Energie und reduziert CO₂-Emissionen.

Gleichzeitig geht weniger Hitze an den Straßenraum zurück. Das hilft an heißen Tagen. Gerade in dicht bebauten Vierteln zählt jeder Baustein, der die Hitzebelastung dämpft. (Basis: Projektunterlagen)

Aus alten Flaschen wird Stadtluft-Technik

Die Textilfassade besteht aus recycelten Materialien. Für die Gewebe wurden über 4.400 PET-Flaschen wiederverwertet. Die Unterkonstruktion nutzt Aluminium mit 75 % Recyclinganteil. Klebstoffe kamen nicht zum Einsatz. Das erleichtert die spätere Demontage und das Recycling der Bauteile. So verbindet das Projekt Luftreinigung mit Kreislaufwirtschaft… weiterlesen

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