Mehr als 73.000 Arten an Bäumen weltweit

Mehr als 73.000 Arten an Bäumen weltweit
In Teneriffas nördlichen Regenwäldern wachsen Bäume horizontal. Foto: Mihály Köles / Unsplash

Mehr als 73.000 Arten an Bäumen weltweit

Diese Zahl haben Forschende aus aller Welt unter Beteiligung von Martin Herold vom Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) als neue Schätzung für die Anzahl der Baumarten vorgelegt und im Fachmagazin PNAS veröffentlicht. Den neuen Schätzungen zufolge gibt es auf der Erde demnach rund 14 Prozent mehr Baumarten, als bislang angenommen. Etwa 9.000 davon müssten noch entdeckt werden, 40 Prozent davon – so die Erwartung der Forschenden – in Südamerika. Nicht nur ein Drittel der bislang bekannten, auch die meisten unentdeckten Arten seien selten, nur auf bestimmten Kontinenten verbreitet und tropisch oder subtropisch.

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Die Anzahl der Baumarten und Individuen pro Kontinent in der GFBI-Datenbank. Grüne Flächen stellen die globale Baumbedeckung dar. Hier sind einige der häufigsten Arten abgebildet, die in jedem Kontinent erfasst wurden. Einige GFBI- und TREECHANGE-Punkte können sich auf der Karte überschneiden. (Grafik aus PNAS)

Das Wissen um das Ausmaß der Artenvielfalt ist in mehrfacher Hinsicht nützlich. Erstens lassen sich daraus die evolutionären Mechanismen ableiten, die zur Vielfalt geführt haben – eine wichtige Grundlage für Vorhersagen künftiger Entwicklungen. Zweitens können sie helfen zu identifizieren, welche Systeme am widerstandsfähigsten gegenüber globalen Veränderungen sind. Und drittens ist eine Idee vom Ausmaß bislang unentdeckter und seltener Arten, die stärker vom Aussterben bedroht sind, wichtig für Maßnahmen zur Bewahrung der biologischen Vielfalt.

In den vergangenen Jahren hat die Global Forest & Biodiversity Initiative (GFBI) nun von Forschenden aus aller Welt Daten zur Artenvielfalt von Bäumen zusammengetragen und im Rahmen der jetzt publizierten Studie systematisiert sowie nach biologischen, kontinentalen und globalen Aspekten ausgewertet. Diese Datenbank basiert im Wesentlichen auf Messungen und Zählungen im Gelände.

Der renommierte theoretische Ökologe Robert May von der Universität Oxford gab sich 1994 optimistisch, dass man bis zum Jahr 2044 die Anzahl der derzeit auf der Erde existierenden Arten ungefähr kennen dürfte. Davon ist man aktuell allerdings auch bei so wichtigen und gut untersuchten Lebensformen wie den Bäumen noch ein gutes Stück entfernt.

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Aufteilung des Artenreichtums auf die Kontinente. Schätzungen des prozentualen Anteils endemischer Arten auf den Kontinenten (fettgedruckte Prozentwerte in der Nähe jeder Kontinentalkarte) im Verhältnis zum geschätzten Reichtum pro Kontinent und den gemeinsamen Arten der Kontinente (Zahlen in überlappenden Sets). In der Mitte (fettgedruckte Prozentwerte am Schnittpunkt aller Sets) wird der Prozentsatz der gemeinsamen Arten auf allen fünf Kontinenten angezeigt. (Grafik au PNAS)

„Der Beitrag seltener Arten zu den Ökosystemleistungen ist bedeutsam und ein Thema aktiver Forschung. Unsere Ergebnisse verdeutlichen die Vielfalt aber auch die Anfälligkeit der globalen Waldbiodiversität gegenüber anthropogenen Veränderungen der Landnutzung und des Klimas, die seltene Arten und damit den globalen Baumreichtum bedrohen“, schreiben die Forschenden.

Auf kontinentaler Ebene zeichnen die Forschenden das folgende Bild der Artenvielfalt: Etwa 43 Prozent aller Baumarten der Erde kommen in Südamerika vor, gefolgt von Eurasien (22 %), Afrika (16 %), Nordamerika (15 %) und Ozeanien (11 %). Allerdings verweisen die Forschenden darauf, das auch die neuen Schätzwerte mit Ungenauigkeiten verbunden sind. Insbesondere in den Tropen, wo die Artenvielfalt weltweit am größten ist, gebe es noch viele Gebiete, die bislang nicht systematisch erfasst wurden. (Quelle: idw)

Die Originalpublikation Cazzolla Giatti et al., The number of tree species on Earth, ist  im Fachmagazin PNAS veröffentlicht worden.

red

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