Natur lieben alle – auch natürlichen Klimaschutz?

Natur lieben alle – auch natürlichen Klimaschutz?
klimareporter.de: Ohne natürlichen Klimaschutz mit Wäldern oder Mooren erfüllt Deutschland seine Klimaziele nicht – dennoch wird es zum entsprechenden Aktionsprogramm keinen Kabinettsbeschluss geben. Auch setzen Politiker wie der scheidende Umweltstaatssekretär Flasbarth vor allem auf Freiwilligkeit.
Zu denen, die den natürlichen Klimaschutz nicht so lieben, gehört ganz offensichtlich das Bundeskabinett. Denn entgegen ursprünglichen Plänen wird es zum weiterentwickelten Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, dem „ANK 2.0“, keinen Kabinettsbeschluss geben. Das wurde kürzlich am Rande einer Veranstaltung zum ANK im Umweltministerium bekannt.
Es komme darauf an, die Maßnahmen für natürlichen Klimaschutz und Klimaanpassung zu beschleunigen und fortzuschreiben – daher sei es effektiver, wenn die Ausgestaltung des ANK als „dynamischer, lernender Prozess“ gestaltet werde und nicht als „statischer Kabinettsbeschluss“, begründet das Ministerium auf Anfrage den Verzicht auf den Beschluss.
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Geschuldet ist der Rückzieher vor allem der Tatsache, dass Umweltminister Carsten Schneider (SPD) bei der Ressortabstimmung zum ANK nicht vorankam. Da besann man sich in seinem Haus auf den Umstand, dass ein Großteil des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz ohnehin Teil des im März beschlossenen Klimaschutzprogramms ist.
Weitere ANK-Maßnahmen sollen nun nach und nach mit den beteiligten Ressorts abgestimmt und zügig umgesetzt werden, betont das Ministerium weiter. Davon erwarte man sich sogar einen „Beschleunigungseffekt“.
Klimawandel schadet dem natürlichen Klimaschutz
Den natürlichen Klimaschutz zu beschleunigen, tut mehr als not. Nur Wälder, Moore und andere Naturlandschaften könnten die negativen Emissionen schaffen, die nötig sind, damit Deutschland 2045 klimaneutral werden kann, betonte Klimaforscherin Julia Pongratz bei der erwähnten ANK-Veranstaltung.
Um klimaneutral zu sein, müsse Deutschland 2045 nach heutiger Prognose etwa 60 bis 130 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen neutralisieren, führte die Professorin an der Uni München aus. Dazu müssten konventionelle Senken wie eben Wälder, Moore und Küsten wiederaufgebaut sowie technische Senken definiert werden.
Zugleich warnte Pongratz: Zunehmend hinterlasse der Klimawandel seinen „Fußabdruck“, und der sei in höchstem Maße ungünstig für den natürlichen Klimaschutz.
Auf dem ANK-Treffen sprach sich Pongratz auch dafür aus, für die Wiedervernässung von Mooren ein „überragendes öffentliches Interesse“ gesetzlich zu verankern. Sie bekräftigte damit eine Forderung, die bereits der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz (WBNK), dem sie angehört, ein Jahr zuvor ausgesprochen hatte.
Mit dem überragenden Interesse soll aus Sicht des Beirats die bestehende Ungleichbehandlung gegenüber zahlreichen „grauen“ Infrastrukturvorhaben wie Straßen- oder Siedlungsbau überwunden werden. Für diese gilt bereits heute ein überragendes öffentliches Interesse, erinnerte das Gremium.
Ablehnung wird als „Nutzungskonflikt“ kleingeredet
Die Forderung, den Moorschutz rechtlich gleichzustellen, wiederholte der Wissenschaftliche Beirat übrigens im Juli dieses Jahres in seiner Stellungnahme zu dem vom Umweltministerium vorgelegten Entwurf des sogenannten Grüne-Infrastruktur-Gesetzes.
Zwar räume der Gesetzentwurf der Wiedervernässung von Mooren ein „überragendes öffentliches Interesse“ ein – dieses dürfe jedoch nicht durch weitreichende Ausnahmen entwertet werden, warnten die Wissenschaftler:innen im selben Atemzug… weiterlesen


