Schafe sollen Waldbränden die Nahrung wegfressen

Schafe sollen Waldbränden die Nahrung wegfressen
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Schafe sollen Waldbränden die Nahrung wegfressen

rbb24.de: 71 Schafe sollen die Waldbrandschutzstreifen entlang eines Wanderweges in Beelitz von leicht entzündlichen Gräsern und Sträuchern freihalten. Waldweide wird in einem dreijährigen Forschungsprojekt wissenschaftlich untersucht.

Als sich die Tür des Tiertransporters öffnet, laufen die 71 Schafe zielstrebig in den Wald und beginnen sofort zu fressen. Genau das sollen sie entlang des Siebenbrüderweges in Beelitz (Potsdam-Mittelmark) auch – und so ihren Beitrag zum Waldbrandschutz leisten.

Der Wanderweg führt quer durch den Wald nach Borkwalde (Potsdam-Mittelmark), für die Feuerwehr ist er im Brandfall strategisch wichtig. Er kann aber nur genutzt werden, wenn der Wald drumherum nicht auch schon voll in Flammen steht. Daher hat die Stadt Beelitz entlang des Siebenbrüderweges 25 Meter breite Schutzstreifen angelegt. In diesen Bereichen ist der Wald ausgelichtet worden, um zu verhindern, dass ein Brand von Baumkrone zu Baumkrone springen kann.

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Schafe sollen Gräser und kleinere Sträucher fressen

In einem zweiten Schritt kommen nun die Schafe ins Spiel. Sie sollen den Boden abfressen und so die Menge leicht entzündlicher Vegetation, vor allem Gräser und kleinere Sträucher, reduzieren. Sie fressen einem möglichen Waldbrand quasi die Nahrung weg. „Es geht im Prinzip darum, diese strategischen Flächen, zu beweiden“, sagte Juliane Baumann im Gespräch mit dem rbb. Sie ist die Waldbrandmanagerin der Stadt Beelitz.

Waldbrandprävention durch Beweidung wird seit den 70er Jahren bereits in Israel und auch Frankreich wissenschaftlich untersucht. Die Methode hat sich aber erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten als Präventionsmaßnahme im Mittelmeerraum, Nord- und Südamerika wirklich etabliert. In Deutschland sei sie bisher nicht verbreitet, so Baumann. Sie weiß, wovon sie spricht. Sie hat zehn Jahre lang in Spanien gelebt und dort bei der katalanischen Feuerwehr selbst Waldbrände bekämpft. Das Wissen gibt sie nun als Beraterin weiter.

Die Schafe fressen nicht nur, sie reißen mit ihren Klauen auch das Moos aus. Dadurch werde die biologische Vielfalt gefördert, so Baumann: „Das schafft wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Jedoch ist das nur ein kleiner Effekt der vielfältigen Einflüsse auf die Biodiversität durch Beweidung. Neben dem Tritt sind es beispielsweise auch der Kot, der Fraß und der Samentransport.“

Die sogenannte Waldweide ist die älteste Landwirtschaft der Menschen weltweit. Heute ist die Waldbeweidung in weiten Teilen Deutschlands nicht mehr erlaubt, für das Forschungsprojekt hat die Stadt Beelitz aber eine Sondergenehmigung bekommen.

„Nicht die Waldweide wurde erlaubt, sondern die Erforschung der Waldweide zur Waldbrandprävention“, so Baumann: „Ansonsten müssten wir schwere Maschinen einsetzen, um den Schutzstreifen am Boden zu bearbeiten.“

Schafe weiden in einem eingezäunten Gebiet

Die Beelitzer haben zwei prägende Ereignisse hinter sich: Bis auf 30 Meter hatte sich ein Waldbrand im Mai des Jahres 2022 genähert, viele Menschen mussten in der Kernstadt evakuiert werden. Vier Jahre zuvor war ein großer Waldbrand im Ortsteil Fichtenwalde ausgebrochen. Auch dort mussten die Einsatzkräfte eine nahe Siedlung schützen. Die beiden Brände haben zu einem Umdenken geführt.

In einem ersten Schritt wurde die Waldbrandschutzbeauftragte Baumann engagiert. Zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr, dem Rathaus und Stadtförster Martin Schmitt hat sie das Waldbrandschutzkonzept erarbeitet. Es wird seit nunmehr vier Jahren Stück für Stück umgesetzt. In den Wäldern wurden Schutzstreifen und Pufferzonen angelegt. Darüber hinaus wurden vielerorts Löschbrunnen errichtet. Bei der Freiwilligen Feuerwehr wurde eine auf Waldbrände spezialisierte Löschgruppe gebildet.

Nun steht die Pflege der Schutzstreifen am Siebenbrüderweg im Fokus. Die Schafe weiden dort in einem eingezäunten Gebiet, zwei Hunde passen auf sie auf. Schäfer Max Hafemann aus Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) versorgt die Tiere: „Wir kommen täglich her, kontrollieren das Futterangebot auf der Fläche und stellen dann die Zäune um.“ So zieht die Herde immer weiter hinein in den Wald und knabbert die Ränder des Wanderwegs frei, insgesamt 15 Hektar. „Das Futterangebot ist nicht das Beste, das Umstellen der Zäune oft beschwerlich, die Waldbrandprävention aber wichtig und richtig“, so Hafemann weiter.

Projekt wird wissenschaftlich begleitet

Die kontrollierte Beweidung ist in diesem Jahr für etwa einen Monat vorgesehen. Danach werden die Flächen begutachtet und die Ergebnisse ausgewertet. Im Anschluss wird entschieden, wie es im kommenden Jahr weitergeht. Dann könnten Ziegen, die auch junge Gehölzer fressen, erstmals zum Einsatz kommen. Insgesamt wird das Projekt drei Jahre lang wissenschaftlich begleitet. Federführend ist die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. Auch das Global Fire Monitoring Center, das Landeskompetenzzentrum Forst und die Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (Barnim) begleiten das Projekt. Ziel ist es, Bevölkerungsschutz, Naturschutz und Forstwirtschaft zusammenzuführen. Finanziert wird das Projekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sowie der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung… weiterlesen

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