UN-Treffen: Arten sterben, Lebensräume schwinden

UN-Treffen: Arten sterben, Lebensräume schwinden
Arche-Karikatur: PIxabay CC/PublicDomain

UN-Treffen: Arten sterben, Lebensräume schwinden

energiezukunft.eu: Vier Jahre nach dem Weltnaturabkommen schreitet der Verlust von Arten und Lebensräumen weiter voran. Zum Auftakt der UN-Biodiversitätskonferenz fordern Umweltverbände wirksameren Naturschutz und ein Ende naturzerstörender Subventionen.

Heute startet die 17. UN-Biodiversitätskonferenz (COP17) in der armenischen Hauptstadt Jerewan. Knapp 200 Vertragsstaaten beraten bis zum 30. Oktober über nationale Biodiversitätsstrategien, Aktionspläne und deren Finanzierung – und ziehen Zwischenbilanz. Erstmals überprüfen die Vertragsstaaten gemeinsam, welche Fortschritte sie bei der Umsetzung des Weltnaturabkommens von 2022 erzielt haben. Dabei zeigt sich, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um die vereinbarten Biodiversitätsziele bis 2030 zu erreichen. Vier Jahre nach dem historischen Abkommen zum Schutz der Umwelt in Montréal schreitet die Zerstörung der Ökosysteme weiter voran. Viele Länder bleiben hinter ihren Zielen zurück, auch Deutschland.

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„Waldbrände, Niedrigwasser, ausgetrocknete Landschaften – in diesem Sommer haben wir auch in Deutschland erlebt, wie sehr wir auf intakte Natur als Lebens- und Wirtschaftsgrundlage angewiesen sind“, sagt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. „Unsere Erfahrungen zeigen auch: Der Schutz der Natur ist keine Aufgabe, die ein Land allein bewältigen kann.“

30 Prozent Schutzgebiete bis 2030

Weltweit gilt ein Viertel aller Tier- und Pflanzenarten als bedroht. In der EU befinden sich mehr als 80 Prozent der bewerteten Lebensraumtypen in einem ungünstigen Erhaltungszustand. Um der weltweiten Biodiversitätskrise entgegenzuwirken, einigten sich die Staaten bei der letzten Biodiversitätskonferenz 2022 in Montréal darauf, bis 2030 jeweils mindestens 30 Prozent der weltweiten Land-und Binnengewässerflächen sowie der Küsten- und Meeresgebiete wirksam zu schützen und zu erhalten.

 „Vier Jahre nach Verabschiedung des Weltnaturabkommens geht es der Natur schlechter, nicht besser“, sagt Verena Graichen, BUND-Geschäftsführerin Politik. „Arten sterben aus, Lebensräume verschwinden.“ Auch in Deutschland fehle noch immer der politische Wille, die Ursachen der Naturzerstörung tatsächlich anzugehen. „Eine intakte Natur ist für unser Überleben unverzichtbar.“

Das Weltnaturabkommen umfasst insgesamt 23 Ziele. Neben dem Schutz von Land- und Meeresflächen sollen bis 2030 unter anderem mindestens 30 Prozent der geschädigten Ökosysteme wiederhergestellt werden. Zudem sollen naturschädliche Subventionen jährlich um mindestens 500 Milliarden US-Dollar reduziert werden.

Zwar haben Deutschland und viele andere Staaten nationale Strategien und Aktionspläne für die Biodiversität verabschiedet. Auch die EU hat mit ihrer Biodiversitätsstrategie für 2030 und dem Renaturierungsgesetz wichtige Ziele für den Schutz und die Wiederherstellung der Natur festgelegt. Die Umsetzung läuft jedoch schleppend. BUND, NABU und DUH fordern die Bundesregierung auf, naturzerstörende Subventionen zu stoppen, die Land-, Forst- und Fischereipolitik auf Naturschutzkurs zu bringen und sich bei der Konferenz für eine konsequentere Umsetzung des Abkommens einzusetzen.

Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Finanzierung des Naturschutzes. Bis 2030 sollen weltweit jährlich mindestens 200 Milliarden US-Dollar mobilisiert werden. Davon sollen mindestens 30 Milliarden US-Dollar aus internationalen Finanzflüssen in Entwicklungsländer gehen. Bislang reichen die bereitgestellten Mittel nicht aus, um die vereinbarten Ziele umzusetzen.

Lebensräume und Arten in schlechtem Zustand

Bisher kommen viele Schutzgebiete ihrer Funktion noch nicht ausreichend nach. Einer in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichten Studie zufolge erzielt wahrscheinlich höchstens ein Viertel der weltweiten Meeresschutzgebiete tatsächlich messbare Naturschutzeffekte. Grundlage der Untersuchung sind Daten zu Fischbeständen in flachen Riffökosystemen. Einem aktuellen Diskussionspapier von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Leopoldina zufolge befinden sich in Deutschland nur sechs Prozent der untersuchten Flora-Fauna-Lebensraumtypen und vier Prozent der untersuchten Arten in einem günstigen Erhaltungszustand. Die Daten zeigen: Die Ausweisung von Schutzgebieten reicht nicht, auch Kontrollen und die Einbindung der Flächennutzenden sind notwendig, damit Schutzvorgaben eingehalten werden.

„Raubbau an der Natur darf sich nicht mehr lohnen“, so Graichen. „Wer Wälder, Feuchtgebiete und Korallenriffe zerstört und zur Ausrottung von Arten beiträgt, muss mit Konsequenzen und nicht mit Subventionen rechnen. Die Politik muss die Weichen so stellen, dass der Verbrauch von Energie, Ressourcen und Fläche auf ein für Natur und Klima verträgliches Maß gesenkt wird.“

Eine Frage der Gerechtigkeit

„Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, ob wir die Natur so schützen, dass auch kommende Generationen noch gut auf diesem Planeten leben können“, sagt NAJU-Jugenddelegierter Brix von Lacroix… weiterlesen

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