Artenschutz-COP15: 1.000 Punkte, ein Plan

Artenschutz-COP15: 1.000 Punkte, ein Plan
zeit.de: Schon wieder eine Weltkonferenz! Diesmal geht es um den Schutz der Natur. Worüber wird in Montreal gestritten?
Wenn in dieser Woche in Montreal die 15. Weltbiodiversitätskonferenz (COP 15) startet, kommt sie drei Jahre zu spät: Fünf Mal wurde der Gipfel verschoben, ursprünglich sollte er 2020 in China stattfinden. Nun ist Kanada Gastgeber. Zwei Wochen lang wird es darum gehen, die Zerstörung von Natur bis 2030 zu stoppen. Im Kern wird in Montreal ein globales Abkommen verhandelt, das Natur, Ökosysteme und Arten schützen und diejenigen belohnen soll, die sie bewahren.
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Für den Klimaschutz gilt das 1,5-Grad-Ziel von Paris – für die Natur gibt es kein verbindliches Ziel. Zwar haben die Vertragsstaaten der UN-Konvention für Biodiversität 2010 im japanischen Aichi einen „strategischen Plan“ und 20 konkrete Ziele bis zum Jahr 2020 festgelegt („Aichi-Targets“). Doch wie das mit globalen Zielen so ist: Vollständig erreicht wurde keines von ihnen. Es gab zwar einzelne Teilerfolge, aber im Großen und Ganzen verschlechterte sich der Zustand der Natur dramatisch.
Bei den Wirbeltieren ist der Rückgang katastrophal – um 69 Prozent sind die Populationen von 1970 bis 2018 eingebrochen. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten eine Million Arten von der Erde verschwunden sein. Tropische Korallenriffe sind bereits jetzt zur Hälfte tot. Der Mensch und seine Nutztiere wiegen um ein Vielfaches mehr als alle restlichen Tiere zusammen.
All das gefährdet auch Homo sapiens selbst: Gesunde Böden lassen Nahrungsmittel wachsen; intakte Wälder halten gefährliche Erreger auf Abstand; Moore speichern Kohlenstoff; Feuchtgebiete reinigen Wasser.
Montreal könnte für die Biodiversität das werden, was Paris 2015 für den Klimaschutz war: ein Fahrplan aus der Krise, ein Zeichen, dass globale Verhandlungen noch Kraft haben und völkerrechtlich bindend sind. Einige Ziele stehen im Mittelpunkt und werden besonders heiß diskutiert.
Das „30 bis 30“-Ziel
Im Zentrum der Verhandlungen steht dieses Ziel: Bis 2030 sollen 30 Prozent aller Meeres- und aller Landflächen unter Schutz gestellt werden (gegenwärtig sind es 17 Prozent der Land- und 8 Prozent der Meeresflächen). Vor allem der Globale Norden setzt sich dafür ein, Deutschland ist ein prominenter Unterstützer. Wo die Natur noch intakt ist, soll sie vor Plünderung geschützt werden. Das würde in manchen Fällen bedeuten, dass Menschen keinen Zutritt mehr hätten – was jedoch ein eher seltenes Extrem wäre: In den meisten Gebieten bliebe menschliche Nutzung erlaubt, in unterschiedlichem Ausmaß.
Das ist sinnvoll, sagt der Agrarwissenschaftler Josef Settele vom Umweltforschungszentrum in Halle: „In Deutschland haben wir 0,6 Prozent Wildnis, die Idee von einem Totalreservat wäre hier überhaupt nicht sinnvoll.“ Die Vielfalt der Natur sei hierzulande oft da am größten, wo Menschen pflegend in die Landschaft eingegriffen haben: in Heidelandschaften etwa oder auf extensiv genutzten Agrarflächen wie Streuobstwiesen. „Da muss man für Management und Nutzung sorgen“, sagt Settele. Ohne den Menschen würde es diese Landschaften mit ihrer Vielfalt schließlich gar nicht geben… weiterlesen


