Wo der Schlüssel für mentale Gesundheit liegt

Wo der Schlüssel für mentale Gesundheit liegt
tagesanzeiger.ch: Gemäss Forschung brauchen wir keine Selbstoptimierungsprogramme, um uns gut zu fühlen: Der Blick von uns weg tuts auch.
Dopamin-Detoxing durchziehen oder Yoga-Verknäuelungen versuchen, um endlich das Glück zu finden? Das kann leicht in Versagensgefühlen münden, denn wer schafft das schon auf Dauer. Laura hat stattdessen Hundefutter gekauft für die lokale Blindenhundeschule und Kauspielzeug. Brooke wiederum hat Glücksbienen und -küken als Schlüsselanhänger gehäkelt, die auf dem Campus ihrer Universität im Bundesstaat New York während der stressigen Prüfungsphase vom Unterstützungszentrum verteilt wurden: als Freudebringer. Und Graham hat für ein nahe gelegenes Pflegeheim einen Teekräutergarten angelegt und passend dazu ein Buch mit Teerezepten zusammengestellt.Die mentale Gesundheit der jungen Leute hat sich durch diese Aktionen messbar verbessert, sagt der Psychologieprofessor Anthony Burrow von der US-Universität Cornell. 2019 hatte der Forscher einen hochdotierten Preis erhalten und dieses sowie weiteres Geld in eine Studie gesteckt, die er das «Contribution Project» (Beitragsprojekt) getauft hat. Deren Ergebnisse stellte er vor kurzem in der «Washington Post» vor – als eine Art Hack gegen den Winterblues, ach was, Vierjahreszeitenblues.
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Die Generation Z (*1997 bis *2012) – mit der sich Burrow forschend und lehrend beschäftigt – gilt als die unglücklichste überhaupt, «mental health»-Probleme belasten sie oft. Nun wurden die Probanden gefragt: «Wenn jemand dir 400 Dollar geben würde, um in deiner Community etwas zu bewegen, was würdest du damit tun?»
Engagement im Community-Projekt macht glücklich
Rund 1200 Highschool-Schüler und Studierende haben während der letzten sechs Jahre diese 400 Dollar erhalten. Burrow wollte den Teilnehmenden das Gefühl vermitteln, dass sie etwas bewirken, etwas Sinnvolles tun können – und das scheint geklappt zu haben. Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten jene, die über ein nützliches Community-Projekt nachgedacht und sich schliesslich mit ihren 400 Dollar dafür engagiert hatten, nach acht Wochen ein klar besseres Wohlgefühl. Sie empfanden mehr Sinn, Zugehörigkeitsgefühl und emotionale Balance.
Die Probanden wurden nicht bestraft, wenn sie die Summe für sich selbst verwendeten. Dass 95 Prozent von ihnen dies jedoch nicht taten, spricht für Burrow eine deutliche Sprache. Das Bedürfnis, eine sinnvolle Aufgabe zu haben, sei sie auch noch so klein, ist für ihn der Schlüssel zu mentalem Wohlbefinden, auch für ältere Menschen, aber besonders für die jungen. Die Vorstellung, die Gen Z sei faul, narzisstisch und egoistisch, betrachtet er als verkehrt.
Der Forscher empfiehlt Eltern daher, in ihren Kindern den Sinn fürs Sinnhafte zu wecken, für den eigenen Beitrag, der übers Selbstoptimieren hinausweist, und sie bei solchen Zielen zu unterstützen. Wobei es nicht um grosse Weltrettungsprojekte gehen muss und soll, wie er betont. Man sollte die Aktion in den Alltag einbauen können. Der Beitrag dürfe sich auch verändern mit der Zeit, könne die Familie betreffen oder Ausserfamiliäres, ja, es könne gar etwas Nicht-Altruistisches sein. Solange es den Fokus von der Nabelschau wegnimmt.
«Ladet die Menschen ein, über den Beitrag nachzudenken, den sie leisten wollen», rät er. Dann würden sie mental und sogar physisch gesünder durch die Welt gehen…. weiterlesen


