Studie: Biobauern nicht immer bessere Tierschützer

Studie: Biobauern nicht immer bessere Tierschützer
Dem Ökolandbau wird häufig ein besseres Tierwohl zugeschrieben. Ob das in der Praxis tatsächlich so ist, haben Forschende des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau in Trenthorst jetzt systematisch geprüft. Dafür haben sie 86 Studien aus dem Zeitraum Januar 1990 bis Juni 2023 sowie 623 Vergleichspaare aus Europa und Nordamerika ausgewertet.
Das Ergebnis: Das Bild ist nicht eindeutig. In 28 Prozent der Fälle hatte der ökologische Landbau Vorteile gegenüber der konventionellen Tierhaltung, in 56 Prozent ließ sich kein klarer Unterschied feststellen. Die Studie ist gerade im Fachjournal Organic Agriculture von Springer Nature erschienen.
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Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem die Tiergesundheit weniger von ökologischer oder konventioneller Wirtschaftsweise abhängt, als vielmehr vom individuellen Management der Betriebe.
Emotionen der Tiere oft nicht untersucht
Doch dort, wo die Hauptrisikofaktoren für die Tiergesundheit durch die EU‐Öko‐Verordnung berücksichtigt werden, schneiden ökologisch wirtschaftende Betriebe besser ab. Beispielsweise bewirken die Vorgaben zu Einstreu und Platzangebot, dass die Klauen und Gliedmaßen der Tiere gesünder sind. Lahmheiten und Gelenkschäden spielen dann eine geringere Rolle.
Nur wenige Studien berücksichtigen bisher neben der Tiergesundheit auch das Verhalten und das emotionale Befinden der Tiere. In diesem Bereich deuten sich klare Vorteile der ökologischen Tierhaltung an, etwa weil die Tiere mehr Platz haben oder ihnen Auslauf oder Weidegang ermöglicht werden. „Die Richtlinien des ökologischen Landbaus bieten ein großes Potenzial, jedoch keine Garantie für eine bessere Tierwohlsituation. Sie begünstigen zum Beispiel, dass sich Tiere artgemäß verhalten können“, sagt Solveig March, Co-Autorin der Studie.
Transparentes Tierwohlaudit erforderlich
Das Autorenteam der Studie empfiehlt auf Grundlage der Analyse des Tierwohls, die rein auf Haltung und Management ausgerichteten Vorgaben um ergebnisorientierte Kontrollen zu ergänzen, um die Tiergesundheit besser einzubeziehen. „Nur der direkte Blick auf das Tier zeigt, ob es ihm rundum gut geht, es also gesund ist und sich wohlfühlt“, sagt Solveig March.
Konkret empfehlen die Expertinnen und Experten, in der Öko-Zertifizierung ein transparentes, standardisiertes und praxistaugliches Tierwohl-Audit mit tierbasierten Indikatoren zu verankern. So lässt sich das Tierwohl unabhängig vom System messen und absichern. Dazu läuft am Thünen-Institut für Ökologischen Landbau seit 2023 ein Projekt mit Partner*innen aus Praxis und Wissenschaft.
pm


