Langsamer fahren: Tempolimit zum Spritsparen

Langsamer fahren: Tempolimit zum Spritsparen
br.de: In Deutschland flammt die Debatte um ein Tempolimit neu auf – diesmal wegen hoher Spritpreise. Experten sehen darin ein wirksames Mittel, um Ölverbrauch und Kosten deutlich zu senken. Aber ist der Effekt wirklich so groß? Ein Kostenvergleich.
Für die Grünen „ein unmittelbar wirksames Mittel“, für den Bundeskanzler Merz „symbolpolitische Maßnahmen“: Das Tempolimit auf Autobahnen wird wieder in Berlin diskutiert. Diesmal ohne auf CO₂-Einsparungen oder Verkehrssicherheit zu verweisen, sondern wegen der hohen Spritkosten. Nun gibt es sogar Empfehlungen aus dem Ausland an die Bundesregierung, endlich zu handeln.
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Energieagentur: „Tempolimit kann Ölverbrauch um sechs Prozent senken“
Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur, hat bereits Anfang April im Interview mit dem Spiegel von der „größten Energiekrise der Weltgeschichte“ gesprochen (externer Inhalt, möglicherweise Bezahlinhalt). Deutschland habe demnach drei Stellschrauben, um kurzfristig zu reagieren: Spritsteuer runter, einkommensschwache Menschen unterstützen und ein Tempolimit.
„Ich weiß, es ist ein heikles Thema“, sagte Birol zum Spiegel, aber: „Schon eine Verringerung der Geschwindigkeit um zehn Kilometer pro Stunde auf Autobahnfahrten kann den nationalen Ölverbrauch um bis zu sechs Prozent senken.“ Und der IEA-Chef fügt hinzu: „Wenn der Staat dann auch den öffentlichen Nahverkehr kostenlos oder deutlich günstiger macht, könnte das einige Menschen zum Umstieg auf Bus und Bahn bewegen.“
„Ein Tempolimit hätte auch enorme gesamtgesellschaftliche Effekte“, sagt auch Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. „Laut Umweltbundesamt können rund 3,5 Milliarden Liter Kraftstoff pro Jahr eingespart werden. Das macht uns weniger abhängig von fossilen Krisen.“
Tempo 80 versus 140 – fast die Hälfte eingespart
Runter vom Gas zu gehen lohnt sich auch für jeden Einzelnen. Je nach Tempo kann nämlich an der Zapfsäule so einiges gespart werden. Ein Extrembeispiel: Der VW Golf ist das am häufigsten zugelassene Auto Deutschlands. Betrachtet man das gut zehn Jahre alte Modell Golf VII, dem Durchschnittsalter deutscher Autos, so kommt heraus: Bei 160km/h verbraucht der Benziner nach 100 Kilometern 9,8 Liter, bei 80km/h sind es nur 4,2 Liter. Bei einem Literpreis von 2,06 € für Super E10 wären demnach 11,54 € eingespart worden. Im analogen Fall mit Dieseltreibstoff bei einem Literpreis von 2,23 € sind es 9,59 €, da Dieselmotoren einen höheren Wirkungsgrad haben, also weniger Verbrauchen.
Die Werte für 160 km/h sind Schätzwerte für eine konstante Autobahnfahrt; bei Steigungen oder schwerer Beladung liegen sie oft noch etwas höher. Ab 100 km/h steigt der Verbrauch überproportional an, fast um 50 Prozent bis 140 km/h, denn der Luftwiderstand wächst im Quadrat zur Geschwindigkeit.
Das zeigt sich insbesondere bei größeren Autos und SUVs wie dem neuesten BMW X1: Bei 140km/h im Vergleich zu 160km/h können die Fahrenden 2,3L Benzin auf 100 Kilometer einsparen, und damit 4,74 €. Bei Diesel sind es „nur“ 1,7L und 3,79 €: Der Diesel hält den Aufschlag bei hohem Tempo besser im Zaum, da er im Volllastbereich effizienter arbeitet als ein kleiner Turbobenziner… weiterlesen


