Die unterschätzte Gefahr tausender Satellitenstarts

Die unterschätzte Gefahr tausender Satellitenstarts
Foto: WikiImage_Pixabay CC/PublicDomain

Die unterschätzte Gefahr tausender Satellitenstarts

focusplus.de: Der weltweite Boom von Satellitenstarts könnte extreme Auswirkungen auf die Atmosphäre und damit auf unser Leben haben. Eine Forschungsgruppe warnt vor den erheblichen Risiken eines „unkontrollierten Geoengineering-Experiments“.

Sie sind ein klarer Fall für Superlative: Mehr als 14.000 Satelliten von etwa 100 Ländern kreisen schon um die Erde, selbst der Zwergstaat Monaco hat welche. Analysten prognostizieren ein grenzenloses Wachstum. Im Mittelpunkt stehen sogenannte „Megakonstellationen“ – riesige Netzwerke aus Tausenden Satelliten im niedrigen Erdorbit. Besonders bekannt ist das Satelliteninternet-System Starlink des Raumfahrtunternehmens SpaceX.

Raumfahrtunternehmer Elon Musk will in Zukunft weitere Zehntausende seiner Satelliten im All platzieren, um schnelles Internet an nahezu jeden Ort der Erde zu bringen. Auch Europa und China planen große Konstellationen im Kosmos. Dafür müssen Raketen starten, viele Raketen. 2025 waren es weltweit 329 – fast dreimal so viele wie noch fünf Jahre zuvor.

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540-mal stärkere Klimawirkung

Der weltweite Boom von Satellitenstarts könnte schon in wenigen Jahren erhebliche Auswirkungen auf Klima und Atmosphäre haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Forschenden der Universität London, die im Fachjournal „Earth’s Future“ veröffentlicht wurde. Die Forschenden warnen insbesondere vor schwarzem Kohlenstoff (Ruß), allgemein bekannt als Bestandteil der Luftverschmutzung durch Feinstaub, der beim Raketenstart in große Höhen gelangt. Der Raketentreibstoff auf Kerosinbasis, den SpaceX verwendet, sorge für die Abgabe von Rußpartikeln in oberen Atmosphärenschichten, so das Forschungsteam.

Anders als Schadstoffe am Boden verbleiben diese Partikel jahrelang in der oberen Atmosphäre. Durch ihre direkte Absorption von Sonnenlicht in der Stratosphäre beeinflussen sie dort das Klima deutlich stärker – laut Studie rund 540-mal mehr als der von Ruß aus Autos oder Kraftwerken. Bis zum Ende des Jahrzehnts, prognostizieren die Autoren, könnten Megakonstellationen bereits 42 Prozent der gesamten Klimaauswirkungen des Raumfahrtsektors verursachen.

Die Wissenschaftler vergleichen die Folgen teilweise mit Geoengineering-Konzepten, bei denen künstlich Partikel in die Atmosphäre eingebracht werden, um Sonnenlicht abzuschirmen und die Erde abzukühlen. Tatsächlich zeigt die Studie auch einen leicht kühlenden Effekt: Der in großen Höhen verbleibende Ruß reduziert die Menge an Sonnenlicht, die die Erdoberfläche erreicht. Dadurch könnte sich die Atmosphäre minimal abkühlen. Dieser Effekt werde allerdings im Vergleich zum erwarteten Temperaturanstieg durch die globale Erwärmung im selben Zeitraum gering bleiben.

Unreguliertes Geoengineering-Experiment

„Die Verschmutzung durch die Raumfahrtindustrie gleicht einem kleinen, unregulierten Geoengineering-Experiment, das viele unbeabsichtigte und schwerwiegende Umweltfolgen haben könnte“, konstatierte Studienleiterin Eloise Marais, Professorin für Atmosphärenchemie und Luftqualität an der Universität London.

Abbau der Ozonschicht

Das Team schätzt, dass die Raumfahrtindustrie bis 2029 jährlich rund 870 Tonnen Ruß in die Atmosphäre freisetzen wird. Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr den Emissionen aller Pkw im Vereinigten Königreich, die laut den neuesten britischen Regierungsdaten insgesamt 728 Tonnen ausstoßen. Allerdings seien ihre bisherigen Prognosen wahrscheinlich zu niedrig angesetzt, da die Zahl der Raketenstarts seit 2023 stärker gestiegen ist als erwartet.

Neben den Klimaeffekten untersuchten die Forscherinnen und Forscher auch mögliche Schäden an der Ozonschicht, die die Menschheit vor schädlicher ultravioletter Strahlung der Sonne schützt. Satellitenstarts können Chemikalien wie Chlor in die Atmosphäre freisetzen – sie bauen Ozon direkt ab… weiterlesen

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