Leere Gasspeicher: Risiko für Deutschland wächst

Leere Gasspeicher: Risiko für Deutschland wächst
handelsblatt.com: Eine neue Analyse zeigt: Die Zielvorgaben für die inländischen Gasvorräte sind kaum noch erreichbar. Eine sichere Versorgung hängt im kommenden Winter vom Wohlwollen der USA ab.
Deutschland und Europa nehmen im kommenden Winter das Risiko niedriger Gasspeicherfüllstände in Kauf. Das zeigen aktuelle Daten zu Befüllung und Importen.
Der Energiedaten-Anbieter Montel hat ermittelt, dass Europa ab sofort bis Oktober jeden Monat 142 Schiffsladungen Flüssigerdgas (LNG) importieren müsste, um noch auf einen Speicherfüllstand von 80 Prozent bis zum 1. November zu kommen. Diese Marke gilt zum Beispiel in Deutschland als politische Zielvorgabe.
In den vergangenen Monaten waren es im Schnitt nur jeweils 105 Schiffsladungen. Der Montel-Experte Joachim Endress sagt: „Mit Blick auf die aktuellen geopolitischen Entwicklungen erscheint eine Importmenge von mehr als 140 Schiffen pro Monat sehr unrealistisch.“
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Am Dienstag teilte US-Präsident Donald Trump auf der Plattform Truth Social mit, die USA führten derzeit keine Gespräche mit dem Iran und es seien auch keine geplant. An den Gasmärkten liegen inzwischen auch Kontrakte für den kommenden Winter auf dem aktuellen Preisniveau – die Gashändler rechnen also nicht mehr
Mehr Reserven gefordert
Und so mehren sich die warnenden Stimmen. Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, schrieb am Dienstag in einem Beitrag auf der Plattform X : „50 Tage später als im Vorjahr haben die Deutschen die 50 Prozent Befüllung geschafft.“ Das sei nicht zufriedenstellend. „Darum ist es wichtig, dass die Gashändler ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kunden für den Winter nachkommen.“ Und RWE-Chef Markus Krebber sagte jüngst: „Man braucht Reserven im System und die haben wir bei dem jetzigen Füllstandslevel sicherlich nicht.“ Es könne ein schwieriger Winter werden.
Sollte es bei den niedrigen Importmengen der vergangenen Monate bleiben, würden die europäischen Gasspeicher laut Montel-Analyse bis zum 1. November nur bis zu 69 Prozent gefüllt. Dann könnten die Speichervorräte im April nahezu vollständig aufgebraucht sein.
Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte am Mittwoch: „Wir beobachten die Lage genau, auch im geopolitischen Kontext, und fordern die Händler auf, einzuspeichern.“
Das Problem: Es sind nicht Staaten, die sich um die Befüllung der Gasspeicher kümmern, sondern private Unternehmen. Diese füllen die Speicher nicht, um Versorgungssicherheit herzustellen, sondern, um Geld zu verdienen. Normalerweise kaufen sie im Sommer günstig Gas ein und verkaufen es im Winter wieder zu höheren Preisen.
Doch dieses Jahr funktioniert diese Logik nicht. Durch den Irankrieg sind die Sommerpreise für Gas hoch, während sie im Winter – im Falle eines Kriegsendes – fallen könnten. Dann würden Gashändler mit ihrem eingespeicherten Gas Verlust machen. Die Einspeicherung lohnt sich also wirtschaftlich kaum.
Asien konkurriert mit Europa um Gas
Hinzu kommt ein weiterer Effekt. RWE-Chef Krebber sagt: „Asien bezahlt deutlich mehr für LNG, deswegen geht mehr nach Asien.“ Händler in asiatischen Ländern haben die europäischen Importeure in den letzten Monaten häufig überboten. Viele LNG-Schiffe, die nicht im Rahmen langfristiger Lieferverträge gebunden sind, fahren deshalb lieber nach Asien als nach Europa.
Daten des Analysehauses Icis zeigen, dass der ostasiatische Marktpreis für Gas seit dem vergangenen Frühjahr durchgehend über dem europäischen liegt. Zuletzt näherten sich beide Preise einander allerdings an. Die Folge: Während Europa im zweiten Quartal 2026 rund zwölf Prozent weniger LNG importierte als im Vorjahreszeitraum, waren es in Südostasien 16 Prozent mehr, im Nahen Osten 21 Prozent mehr… weiterlesen


