Wie der Wandel beim Klimaschutz gelingen kann

Wie der Wandel beim Klimaschutz gelingen kann
tageschau.de: Am Montag startet in der Türkei die nächste UN-Klimakonferenz. Fragt man Forscher, sind die Gründe für den langsamen Fortschritt beim Klimaschutz offensichtlich. Eine Studie zeigt, wie die Wende gelingen kann.
Eine Erderwärmung von 2,8 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts – dass dieser Wert zu befürchten ist, hat kürzlich das UN-Umweltprogramm UNEP festgestellt – vorausgesetzt, die Regierungen weltweit steuern nicht beherzter um. Die Gründe für diese Entwicklung sind bekannt – und auch die naheliegenden Gegenmittel.
„Eine der wichtigsten Lösungen ist die Abkehr von Kohle, Öl und Gas, also von den fossilen Energieträgern“, sagt Tilman Santarius, Professor für Sozial-ökologische Transformation und Nachhaltige Digitalisierung an der TU Berlin.
Er ist einer von sieben Autorinnen und Autoren eines neuen Faktenpapiers, das das Deutsche Klimakonsortium (DKK) kurz vor dem diesjährigen Klimagipfel veröffentlicht hat und das dem SWR exklusiv vorliegt. Darin tragen die Forschenden Klimafakten aus verschiedenen Quellen zusammen.
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Optimistischste Quintessenz laut Santarius: „Es gibt genügend Lösungen, um den menschengemachten Klimawandel zu überwinden. Und die sind oft günstig und die gehen auch oft mit mehr Lebensqualität einher. Wir müssen es nur anpacken.“
Breite Grundlage für mehr Ehrgeiz
Mit „Wir“ meinen die Forschenden vor allem die Politik. Denn tatsächlich sind die meisten Menschen mindestens besorgt wegen der Folgen der Klimaerwärmung, zum Beispiel Starkregen, Wirbelstürme oder der zurückliegende Hitzesommer.
In Deutschland sorgen sich laut Erhebungen 80 Prozent. Ehrgeiziger Klimaschutz hätte also eine breite demokratische Grundlage, so das Papier.
Auch wenn klar ist, dass Klimaschutz mit Veränderung verbunden ist, der den Alltag vieler Menschen betrifft: „Wir haben zum Beispiel als Gesellschaften verschiedene fossile Abhängigkeiten, in denen wir gefangen sind“, stellt Santarius fest. „Abhängigkeit von russischem Gas oder amerikanischem Flüssiggas, Abhängigkeiten von den Infrastrukturen, die uns umgeben, Tankstellen, Shoppingcenter vor den Toren der Stadt, wo man nur mit dem Auto hinkommt. Wir sind auch teilweise in unseren Verhaltensgewohnheiten verhangen.“
Fehlanreize und Interessen bremsen
Statt Fliegen durch Steuerbefreiungen günstiger zu machen, solle der Staat das Geld in den Ausbau einer klimaschonenden Bahn investieren, so das Papier. Was zusätzlich bremst: Neue Regierungen, die Klimaschutzbeschlüsse wieder zurücknehmen, wie derzeit in den USA zu beobachten. Auch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz der deutschen Bundesregierung oder die Novellen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes seien Beispiele dafür, wie die aktuelle Politik Klimaschutzbemühungen der Vorregierung zurückdreht.
Auch mit Hinblick auf die anstehenden Klimaverhandlungen im türkischen Antalya sagt Tilman Santarius: „Die Bundesregierung wäre am besten beraten, erstmal den Rollback zu verhindern.“
Und stattdessen sowohl zuhause als auch international auf günstige Lösungen wie Erneuerbare Energien aus Wind und Sonne zu setzen. Dafür müssen laut Papier viele Bereiche elektrifiziert, also auf Strom umgestellt werden.
Elektrifizierung ein Thema auf der COP31
Eine Idee, die auch auf dem Klimagipfel in diesem Jahr eine wichtige Rolle spielen könnte. Der türkische Umweltminister hatte im Vorfeld angekündigt, ein Elektrifizierungsziel von derzeit weltweit etwas mehr als 20 auf 35 Prozent bis zum Jahr 2035 ins Spiel bringen zu wollen.
Doch Elektrifizierung dürfe dabei kein Ablenkungsmanöver sein, um den Ausstiegsfahrplan für die fossilen Energieträger zu verschleppen, betont Santarius… weiterlesen


