Natürliche „Notbremse“ gegen Klimawandel

Natürliche „Notbremse“ gegen Klimawandel
fr.de: Eine der stärksten Vulkaneruptionen der Neuzeit hatte eine verblüffende Nebenwirkung – und könnte die Antwort auf die Klimakrise liefern.
Als der Unterwasservulkan Hunga Tonga–Hunga Ha‘apai im Januar 2022 im Südpazifik explodierte, war es eine der gewaltigsten Eruptionen der Neuzeit. Fachleute gehen davon aus, dass die Explosion eine Sprengkraft von etwa zehn Megatonnen TNT hatte – das ist mehr als das 500-Fache der Atombombe, die auf Hiroshima geworfen wurde. Doch die Katastrophe hatte eine überraschende Nebenwirkung: Der Vulkan räumte teilweise hinter sich auf. Während er klimaschädliches Methan in die Atmosphäre schleuderte, zerstörte er einen Teil davon wieder – und könnte damit zum Vorbild für künftige Klimaschutz-Technologien werden.
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Forschende der Universität Kopenhagen und internationaler Partnerinstitute haben mithilfe von Satellitenmessungen einen bislang unbekannten natürlichen Mechanismus entdeckt, der Methan aus der Luft entfernt. „Als wir die Satellitenbilder analysierten, waren wir überrascht, eine Wolke mit einer Rekordkonzentration von Formaldehyd zu sehen“, erklärt Dr. Maarten van Herpen von Acacia Impact Innovation BV, Erstautor der Studie, die soeben in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde. Der sichtbare Beweis für diesen Methan-Abbau waren die großen Mengen Formaldehyd, die auf Satellitenbildern nachgewiesen wurden.
Vulkan stieß gewaltige Mengen Methan aus – und beseitigte einen Teil davon wieder
Die Dimensionen sind beeindruckend: Der Vulkan stieß während der Eruption rund 300 Gigagramm Methan aus – das entspricht dem Forschungsteam zufolge der jährlichen Methan-Emission von mehr als zwei Millionen Kühen. Gleichzeitig entfernte er täglich etwa 900 Megagramm des Klimagases. „Es ist bekannt, dass Vulkane bei Eruptionen Methan ausstoßen, aber bis jetzt war nicht bekannt, dass vulkanische Asche auch in der Lage ist, diese Verschmutzung teilweise zu beseitigen“, so van Herpen.
Der Schlüssel zum Verständnis liegt in einem Prozess, den die Forschenden erstmals 2023 entdeckten: Staub aus der Sahara vermischt sich über dem Atlantik mit Meersalz und bildet winzige Eisensalz-Aerosole. Wenn Sonnenlicht darauf trifft, entstehen Chloratome, die Methan abbauen. „Was neu ist – und völlig überraschend –, ist, dass derselbe Mechanismus offenbar auch in einer vulkanischen Wolke hoch oben in der Stratosphäre auftritt, wo die physikalischen Bedingungen vollkommen anders sind“, sagt Professor Matthew Johnson vom Institut für Chemie der Universität Kopenhagen.
Aus Meerwasser und Vulkanasche entsteht Chlor – das Methan abbaut
Die Vulkaneruption von 2022 schleuderte enorme Mengen salzigen Meerwassers zusammen mit vulkanischer Asche in die Stratosphäre. Als Sonnenlicht auf diese Mischung traf, bildete sich hochreaktives Chlor, das das freigesetzte Methan abbaute. Für den Klimaschutz ist diese Entdeckung von besonderer Bedeutung. Methan ist derzeit für ein Drittel der globalen Erwärmung verantwortlich und über einen Zeitraum von 20 Jahren etwa 80-mal so wirksam wie CO₂. Allerdings baut es sich relativ schnell ab – typischerweise innerhalb von etwa zehn Jahren. Deshalb bezeichnen Forschende die Methan-Reduktion manchmal als „Notbremse“ gegen den Klimawandel.
Die Forschenden glauben, dass ihre Erkenntnisse ein wachsendes Forschungsfeld inspirieren könnten, das an Lösungen arbeitet, um Methan-Emissionen künstlich zu reduzieren. „Wie beweist man, dass Methan aus der Atmosphäre entfernt wurde? Es ist sehr schwierig. Aber hier zeigen wir, dass der Methan-Abbau tatsächlich mit Satelliten beobachtet werden kann“, erklärt Dr. Jos de Laat vom Königlich Niederländischen Meteorologischen Institut, Seniorautor der Studie… weiterlesen


