Atomkraft löst die Energieprobleme nicht

Atomkraft löst die Energieprobleme nicht
Grafik: Pixabay CC/PublicDomain

Atomkraft löst die Energieprobleme nicht

handelsblatt.com: Teure Energie und Gasabhängigkeit haben eine Debatte um Deutschlands Stromversorgung ausgelöst. Der Chef eines Stromnetzkonzerns sagt: Neue Kernkraftwerke würden die Probleme nicht lösen.

In einer neu aufkommenden Debatte um den Einsatz von Atomkraft zur Stromversorgung in Deutschland und Europa mahnt der Chef des Stromnetzbetreibers TransnetBW zu Realismus: „Wir brauchen angesichts des Kohleausstiegs eine Lösung für eine sichere Stromversorgung in den 2030er-Jahren – da wird uns Kernenergie nicht helfen“, sagte Werner Götz dem Handelsblatt.

AKW-Debatte neu entfacht

In der vergangenen Woche hatte Unionsfraktionschef Jens Spahn bei einer Pressekonferenz gesagt, andere Staaten investierten „30, 40, 50 Milliarden Euro“, um ein neues Kernkraftwerk zu bauen.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte kürzlich in einem Interview mit der „Financial Times“ mit Blick auf die Atomkraft gesagt : „Wir können bei Gas bleiben und abhängiger von einer Irankrieg,werden. Oder wir sagen, dass wir uns wieder für Technologie interessieren.“

Da fossile Brennstoffe durch den Irankrieg zuletzt besonders teuer waren, wird die Debatte wieder intensiver geführt. Auch wenn der Gaspreis sich bereits wieder ein Stück weit normalisiert hat, führt die Entwicklung Deutschland einmal mehr vor Augen, wie empfindlich eine Abhängigkeit von importiertem Gas die Wirtschaft treffen kann.

Für Energiebranchenvertreter, Stromsystem-Verantwortliche und Wissenschaftler führt diese Debatte aber in die falsche Richtung. Um die Probleme abzuwenden, die Deutschland bei der Energieversorgung drohen, sind aus ihrer Sicht andere Maßnahmen nötig.

Warum Atomkraft Deutschland nicht helfen wird

Leonhard Gandhi, Wissenschaftler beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, sagt: „Die große Herausforderung bei Atomkraftwerken ist die Zeitskala: Ein neues Kernkraftwerk zu bauen, dauert mindestens zehn Jahre. Mit Blick auf den Kohleausstieg in Deutschland ist das viel zu lang.“ Auch TransnetBW-Chef Götz spricht von mindestens zehn Jahren, „gegebenenfalls auch deutlich länger“.

Für einen Weiterbetrieb hätten in die überalterten Meiler noch viele Millionen investiert werden müssen, was selbst deren Betreiber nicht mehr wollten.
Oliver Hummel, Chef des Ökoenergieanbieters Naturstrom

Deutschland will bis spätestens 2038 seine Kohlekraftwerke vollständig abschalten. Da der Ausstieg kontinuierlich voranschreitet, werden schon deutlich vor 2038 neue Kraftwerkskapazitäten gebraucht.

Die von Spahn abermals ins Spiel gebrachte Idee einer Wiederinbetriebnahme erscheint unrealistisch. Die letzten Atomkraftwerke sind in Deutschland bereits vor drei Jahren außer Betrieb gegangen und seitdem im Rückbau. Außerdem ist ihre Berechtigung erloschen. Für Neugenehmigungen bräuchte es laut Bundesumweltministerium eine Änderung des Atomgesetzes. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte, der Beschluss zum Ausstieg sei irreversibel… weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.