Aufforsten unter Wasser

Aufforsten unter Wasser
Foto: wikimedia CC/NOAA

Aufforsten unter Wasser

zeit.de: Die Seegraswiesen der Ostsee sind wichtig für marines Leben und das Klima. Doch die Biotope verschwinden. Forschende versuchen nun, das Seegras umzupflanzen – per Hand.

Das Projekt scheint irrwitzig. Tauchende Forscherinnen und Freiwillige graben in mühseliger Handarbeit einzelne Pflanzen aus den letzten Seegraswiesen der Ostsee, transportieren sie in Boxen zu Versuchsfeldern und pflanzen sie dort wieder ein. Denn vielerorts, wo früher das Seegras in den Wellen gewogt hat, ist heute nur noch kahler Sand zu sehen.

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Dabei haben Seegraswiesen ähnlich wichtige Funktionen wie Korallenriffe. Sie bieten Lebensraum und Laichgrund für Fische und andere Meeresbewohner, schützen die Küsten vor Erosion, filtern das Wasser und können schneller und mehr CO₂ speichern als jeder Wald an Land. Doch sind sie einmal weg, kommen sie so leicht nicht zurück.

Seit einigen Jahren suchen Wissenschaftlerinnen und Forscher des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel nun nach einem Weg, die Küsten der Ostsee wieder zu begrünen – und setzen auf die Hilfe von Freiwilligen.

Tier- und Pflanzenarten finden auf Seegraswiesen Nahrung und Schutz

In Seegraswiesen wimmelt es von Leben. Tausende Tier- und Pflanzenarten finden dort Nahrung und Schutz: Fische, Hummer, Muscheln und Garnelen, Bakterien, Kieselalgen und Seepferdchen. Auch viele beliebte Speisefische wie der Hering verbringen einen Teil ihres Lebens in Seegraswiesen. Ohne Seegras wären die Meere viel ärmer.

In der Ostsee wächst vorwiegend Zostera marina, das gemeine Seegras, und es steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Schätzungsweise 60 Prozent der Wiesenflächen sind in den vergangenen 100 Jahren verschwunden.

Dass so viel Seegras verloren geht, liegt vor allem am Menschen. „Ein großes Problem ist die Überdüngung der Gewässer“, sagt Maike Paul. Sie ist Geoökologin an der Leibniz Universität Hannover und die Koordinatorin des SeaStore-Projekts, an dem sechs Forschungsinstitute beteiligt sind.

Gülle und andere Düngemittel gelangen aus der Landwirtschaft über die Flüsse in die Meere. Die zusätzlichen Nährstoffe begünstigen das Wachstum von Algen, die dem Seegras das Licht wegnehmen und es verdrängen. Doch die Algen wurzeln nicht im Sand und können die Funktion der Unterwasserwiesen nicht übernehmen. Hinzu kommt: Das Seegras wird auch bei Baggerarbeiten verschüttet, von Ankern ausgerissen und die Bestände wurden laut Paul auch durch Krankheiten reduziert.

Eine weitere Bedrohung für das Seegras ist der Klimawandel. Seegras ist im Boden verwurzelt und hat nicht die Möglichkeit, sich einen neuen Lebensraum zu suchen. An die Klimaveränderungen kann es sich nur schlecht anpassen. Dazu muss man wissen: Die Ostsee erwärmt sich dreimal so schnell wie die Ozeane im weltweiten Durchschnitt.

Wenn dann im Sommer die Wassertemperatur für längere Zeit 25 bis 26 Grad überschreitet, sterben die Wiesen ab. Die Forscherinnen sind deshalb auf der Suche nach genetischen Seegrasvariationen, die trotz der klimatischen Veränderungen in der Ostsee weiter existieren können. Dafür sammeln sie Pflanzen im seichten Wasser, wo sie schon höheren Temperaturen ausgesetzt waren.

„Unsere älteste Pflanzung ist zwei Jahre alt und es geht ihr sehr gut, die Gräser haben sich vermehrt“, sagt Forscherin Paul. „Die Methode funktioniert also, auch wenn sie sehr aufwendig ist.“ Nun wollen sie ihr Wissen weitergeben, an freiwillige Helferinnen und Helfer, die das Projekt unterstützen. Und an Wissenschaftler weltweit… weiterlesen

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