Chinas Zölle steigern Energiepreis in Deutschland

Chinas Zölle steigern Energiepreis in Deutschland
handelsblatt.com: Donald Trump verspricht steigende Gas-Exporte – hat aber zugleich einen Zollstreit ausgelöst. Erste Prognosen zeigen, wie sich die Preise in Deutschland entwickeln könnten.
Donald Trump hat der Welt zu seinem Amtsantritt erst günstige Energie versprochen – und dann die Weltmärkte mit Zolldrohungen in Aufruhr versetzt. Um die Auswirkungen auf Gas-, Öl- und Strompreise in Deutschland zu verstehen, ist beides wichtig.
So sagte Trump bei seinem Amtsantritt: „Wir werden über die größten Öl- und Gasmengen aller Länder der Welt verfügen, und wir werden sie nutzen. Wir werden die Preise senken, unsere strategischen Reserven bis zum Anschlag auffüllen und amerikanische Energie in die ganze Welt exportieren.“
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Gleichzeitig jedoch hat Trump Kanada, Mexiko und China Zölle angedroht. Für Kanada und Mexiko sollen sie vorerst für einen Monat ausgesetzt werden. China dagegen reagierte bereits mit Gegenzöllen in Höhe von zehn bis 15 Prozent auf Flüssigerdgas, Kohle und Öl aus den USA.
Was bedeuten diese Ankündigungen und Entwicklungen für Energiepreise in Europa und Deutschland? Die geopolitische Lage verändert sich täglich, doch ein paar Trends lassen sich bestimmen.
Anhand der politischen Entwicklungen leiten Analysten ab, wie sich die Preise für Gas, Öl und Strom in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln könnten.
1. Gas könnte in Europa günstiger werden
Die am Dienstag angekündigten Vergeltungszölle aus China auf Energie aus den USA könnten ein Vorteil für Europa sein. Walter Boltz, Energieberater bei der Anwaltskanzlei Baker McKenzie, sagt: „Wenn US-Gas für China teurer wird, dürften die chinesischen Importe von dort sinken. Dadurch könnte amerikanisches Gas für den europäischen Markt günstiger werden.“
Auch die Gasmarktexpertin Aura Sabadus vom Analysehaus Icis sagt: „Chinesische Zölle auf Flüssigerdgas aus den USA würden eine Umleitung von Gaslieferungen nach Europa und damit niedrigere Preise bedeuten.“
In Summe dürften sich die Gasmengen am Weltmarkt allerdings nur verschieben. Boltz sagt: „Der globale Gasmarkt ist ziemlich liquide und flexibel. China wird geringere Gasimporte aus den USA wahrscheinlich mit Gas aus Australien, Katar und Abu Dhabi ersetzen.“
Russland dürfte hingegen nur eingeschränkt profitieren. Laut Boltz hat Russland sehr geringe Kapazitäten, um Erdgas per Schiff zu exportieren. Und eine Pipeline nach China gibt es nur von kleineren russischen Gasfeldern im Osten – nicht von den großen Gasförderstätten in Sibirien.
Insgesamt dürfte der Effekt der chinesischen Zölle überschaubar sein. Lynn Song, Chefökonom für China bei der ING Bank in Hongkong, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Auf den ersten Blick handelt es sich um eine eher gedämpfte Vergeltungsmaßnahme, da die Energieimporte etwa 20 Milliarden Dollar oder zehn bis 15 Prozent der chinesischen Einfuhren aus den USA ausmachen.“
Auch Gregor Pett, Chefanalyst bei dem Gasimporteur Uniper, sagt: „Die Auswirkungen auf die weltweiten Gaspreise dürften sich in Grenzen halten, da die derzeitigen Marktbedingungen die Ausfuhr von US-LNG nach Europa begünstigen, das in den letzten Wochen über 80 Prozent der US-LNG-Exporte erhalten hat.“
Da der Umfang der chinesischen Einfuhren von US-LNG im Verhältnis zur Nachfrage nicht hoch sei, könnten die chinesischen Importeure die Zölle umgehen, indem sie LNG aus anderen Ländern bezögen.
Es besteht zudem die Hoffnung, dass die Zölle nach persönlichen Gesprächen schnell rückgängig gemacht oder verschoben werden könnten.
Unabhängig vom Zollstreit planen die USA, ihre Kapazitäten zum Export von Flüssigerdgas (LNG) in den kommenden Monaten und Jahren deutlich auszubauen. Laut dem Datendienst Bloomberg NEF sollen die LNG-Exporte der USA bis 2030 von etwa 93 Millionen Tonnen pro Jahr auf rund 200 Millionen Tonnen pro Jahr steigen und sich somit mehr als verdoppeln.
Bereits in diesem Jahr ist laut dem Analysehaus Montel eine Steigerung von rund 15 Prozent geplant. Große LNG-Projekte im texanischen Corpus Christi und in Plaquemines in Louisiana starten gerade den Betrieb….. weiterlesen


