Forscher warnen vor „Heißzeit“

Forscher warnen vor „Heißzeit“
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Forscher warnen vor „Heißzeit“

orf.at: Erreichen bestimmte Erdsysteme „Kipppunkte“, dann wird sich die Erwärmung wahrscheinlich weiter beschleunigen. Eine Übersichtsarbeit legt nun nahe, dass der Mensch die Erde vielleicht schon näher an diese Punkte geführt hat als angenommen. Die Forschenden warnen vor „Heißzeit“-Szenarios mit ausgeprägtem Treibhausklima.

Neben Hans Joachim Schellnhuber, dem Generaldirektor des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien, war an der soeben im Fachblatt „One Earth“ erschienenen Arbeit unter anderem auch der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) in Deutschland, Johan Rockström, beteiligt. Die Krux an den viel diskutierten klimatischen Kipppunkten ist, dass nachdem sie überschritten sind, stufenweise Rückkoppelungsprozesse abzulaufen drohen. Deren Auswirkungen wären auch mit großen Anstrengungen zur Treibhausgasreduktion kaum noch beizukommen.

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Dazu zählen etwa das Abschmelzen der großen Eisschilde über Grönland und der Antarktis, das viele Meter an Meeresspiegelanstieg bringen würde. Ebenso immer wieder genannt wird das Auftauen von großen Flächen Permafrostböden, was dort gespeicherte Treibhausgase austreten lassen würde. Auch das weitere massive Schrumpfen der Regenwälder würde das Weltklima sehr stark destabilisieren. Und nicht zuletzt würde das Abreißen der atlantischen Umwälzströmung (Atlantic Meridional Overturning Circulation, AMOC) und damit des Golfstromes, der etwa für das relativ milde Klima in Europa sorgt, sehr rasch starke negative Effekte auf Land, Leute und Umwelt haben.

1,5-Grad-Ziel offenbar schon verfehlt

Auf die Wichtigkeit der klimatischen Stabilität weisen die Fachleute um die Studienerstautoren William Ripple und Christopher Wolf nun einmal mehr hin. Nach einem Auf und Ab an Kalt- und Warmzeiten hat sich das Klima in einem günstigen Bereich vor über 11.000 Jahren mehr oder weniger stabilisiert. Dies war die Basis dafür, dass der Mensch sich der Landwirtschaft zuwenden und komplexe Gesellschaften entwickeln konnte, heißt es in einer Aussendung des IIASA. Seit man aber ab der industriellen Revolution Unmengen an fossilen Brennstoffen verheizt, beraubt man sich sehenden Auges dieser günstigen Umstände.

Mittlerweile leben wir seit zwölf aufeinanderfolgenden Monaten in einem Temperaturregime, das im Mittelwert 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegt – eine Entwicklung, die man mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 eigentlich aufhalten wollte. „Die Überschreitung von Temperaturgrenzen wird üblicherweise anhand von 20-Jahres-Durchschnitten bewertet“, so Wolf, der Teil der Terrestrial Ecosystems Research Associates (TERA) in Corvallis (US-Bundesstaat Oregon) ist. Doch der jüngste Überschreitungszeitraum könne darauf hindeuten, dass auch der langfristige durchschnittliche Temperaturanstieg bereits bei oder nahe 1,5 Grad liege.

Schneller als erwartet

Die Auswirkungen, etwa in Form von zunehmenden Wetterextremen, wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen, aber auch Kältewellen und Waldbränden, nehmen dementsprechend im Schnitt zu, halten die Forschenden fest. Der Schlüssel dazu sind die auch zuletzt massiv steigenden Treibhausgaskonzentrationen in der Luft. Ein weiterer Teil des jüngsten Temperaturanstiegs sei auf den Rückgang der Aerosole zurückzuführen, schreibt das Team. Zu den Schwebeteilchen zählt etwa Ruß. Der Rückgang der Aerosole habe möglicherweise Einfluss auf die Wolken, die dann weniger Sonnenlicht ins All abstrahlten.

„Es ist wahrscheinlich, dass die globalen Temperaturen momentan so warm oder sogar wärmer sind, als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in den vergangenen 125.000 Jahren“, wird Wolf zitiert. Es scheine, dass der Klimawandel rascher voranschreitet, als es viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorausgesehen haben. Die aktuellen Entwicklungen sollten dementsprechend als echtes Warnsignal wahrgenommen werden, betonen die Experten.

“Tiefgreifende systemische Gefahr“

Man beobachte „eine beschleunigte Erwärmung, was wiederum auf den Verlust der Widerstandsfähigkeit des Planeten hindeutet“, so Rockström. Die natürliche Kapazität der Erde, die Entwicklung abzufedern, nehme ab: „Rückkopplungseffekte bringen das System in Richtung Instabilität.“ Zunehmende Hinweise deuteten darauf hin, dass viele Kippelemente nach dem Überschreiten bestimmter Schwellen eine sich selbst verstärkende Erwärmung auslösen könnten, die die Erde in Richtung „Hothouse“ treibe, erklärte Rockström. „Unsere Arbeit zeigt, dass wir noch nicht dort sind – aber sehr nahe.“ … weiterlesen

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