Glasfaser-Drohnen verseuchen Böden der Ukraine

Glasfaser-Drohnen verseuchen Böden der Ukraine
fr.de: Glasfaserkabel von Kampfdrohnen verseuchen zunehmend Ukraines Böden – und könnten Minenräumer noch Jahre nach dem Krieg in Gefahr bringen.
Neben Minen, Trümmern und Giftmüll hat sich im Ukraine-Krieg inzwischen ein weiterer, kaum sichtbarer Schadstoff entlang der Frontlinie festgesetzt: Millionen Kilometer dünner Glasfaserkabel, die von Kampfdrohnen zurückgelassen werden. Die ukrainische Zeitung Ukrainska Pravda hat das Problem zuletzt ausführlich beleuchtet – und auch internationale Wissenschaftler sprechen zunehmend von einer neuen Herausforderung, deren Ausmaß weitaus größer sein könnte als zunächst erscheint
Glasfaser-Drohnen sind während des Fluges mit einem hauchdünnen Kunststofffaden verbunden, der sich von einer Spule abwickelt und überall dort liegen bleibt, wo die Drohne fliegt. Explodiert sie am Ziel, bleibt das Kabel zurück. Der militärische Vorteil dieser Technologie ist erheblich: Das Kabel überträgt das Kamerabild störungsfrei und lässt sich durch elektronische Kriegsführung nicht aus dem Takt bringen. Beide Konfliktparteien setzen die Drohnen deshalb massenhaft ein – laut Ukrainska Pravda mindestens 100.000 pro Monat, mit bis zu zehn Kilometern Kabel auf jeder Spule.
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Rund 13.000 Tonnen Kabelmaterial stellen die Ukraine vor neue Herausforderungen
Wie viel davon sich bereits in ukrainischen Böden und Wäldern angesammelt hat, hat erstmals eine Studie untersucht, die im Januar 2026 auf der Forschungsplattform Preprints.org erschien. Autorin Lyudmyla Antypenko von der Saporizhzhia National University wertete dafür Produktionsdaten von Russland und der Ukraine aus und kommt auf rund 13.080 Tonnen Kabelmaterial insgesamt.
Ein Teil davon enthält sogenannte PFAS – Chemikalien, die in der Schutzhülle der Kabel stecken und sich beim Zerfall des Materials in der Umwelt lösen können. Sie bauen sich kaum ab und werden deshalb auch „Ewigkeits-Chemikalien“ genannt. Die Studie wurde noch nicht von unabhängigen Fachleuten geprüft; die Autorin selbst fordert Felduntersuchungen nach Kriegsende, um die Zahlen zu belegen.
Wie lange das Material in der Landschaft verbleibt, ist noch nicht abschließend geklärt. Der ukrainische Umweltexperte Maxim Soroka erklärte gegenüber dem internationalen Forschungsnetzwerk Ukraine War Environmental Consequences Work Group (UWEC), dass das Kabel nicht rostet. Es könnte ohne aktives Eingreifen Jahrzehnte im Boden liegen bleiben.
Nataliia Hozak, Direktorin von Greenpeace Ukraine, sagte gegenüber UWEC, man müsse zunächst beobachten, wie sich das Material unter verschiedenen Wetterbedingungen verhält – ob es sich im Boden zersetzt, ob es in die Nahrungskette gelangt. Belastbare Antworten werde es so schnell nicht geben: „Das ist eine Frage für Jahre, vielleicht Jahrzehnte.“
Glasfaserkabel führen zu enormen Umweltproblemen – und sind nicht nur für Tiere gefährlich
Schon jetzt sind die Folgen für Wildtiere sichtbar. Vögel verfangen sich in den Fäden und verletzen sich lebensgefährlich. Auch Säugetiere wie Hirsche verwickeln zum Beispiel ihre Geweihe darin. Ukrainische Soldaten haben in mehreren Fällen Tiere manuell gerettet, Videos davon kursieren im Netz. Anderen Tieren bleibt diese Hilfe verwehrt – sie verhungern oder sterben aus Erschöpfung.
Besonders herausfordernd ist die Lage für humanitäre Räumteams. Edward Crowther, Minenräumungsexperte beim Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen in der Ukraine, warnt gegenüber Ukrainska Pravda, dass die dünnen Fäden im Gras einem Stolperdraht täuschend ähnlich sehen. Jeder einzelne Draht muss deshalb geprüft werden, bevor man ihn anfasst. Das kostet enorm viel Zeit… weiterlesen


