Illegale Fischerei und Menschenrechtsverletzungen durch Chinas Fernfischereiflotte

Illegale Fischerei und Menschenrechtsverletzungen durch Chinas Fernfischereiflotte
Foto: EJF

Aufgedeckt: Illegale Fischerei und Menschenrechtsverletzungen
durch Chinas Fernfischereiflotte

Von EJF-Team

In der chinesischen Fernfischereiflotte – mit Abstand die größte weltweit – sind
Menschenrechtsverletzungen und illegale Fischerei weit verbreitet und die Flotte
gefährdet geschütztes Meeresleben im Ozean weltweit. Dies zeigt der neue Bericht
der Environmental Justice Foundation (EJF), einer internationalen Umwelt- und
Menschenrechtsorganisation.

In der bisher umfassendsten Analyse der Flotte zeigt die EJF, dass es Chinas staatliche
Subventionen der Flotte ermöglicht haben, die Gewässer von Ländern des globalen Südens
auszubeuten, die auf Fisch und marine Ressourcen für Ernährungssicherheit und
Lebensunterhalte ihrer Bevölkerungen angewiesen sind.

Die Zerstörung wird durch den oft kompletten Mangel an Transparenz in der globalen
Fischerei ermöglicht, so die EJF. Als Gegenmaßnahme müssen alle Länder schon heute
verfügbare, kosteneffiziente Maßnahmen
umsetzen, die allen Beteiligten eine sehr viel
stärkere Kontrolle über ihre Lieferketten für Fisch und Meeresfrüchte geben würden.
Die chinesische Fernfischereiflotte operiert auf der ganzen Welt, mit Folgen für fast alle
Länder, wie der EJF-Bericht zeigt, in dem Daten der chinesischen Regierung mit
Aufzeichnungen über illegalen Fischfang und Aussagen von Besatzungsmitgliedern
abgeglichen werden.

Illegale Fischerei

Wie die EJF feststellte, ist illegaler Fischfang in der chinesischen Fernfischereiflotte weit
verbreitet. Die Aussagen von über hundert Besatzungsmitgliedern an Bord von 88 Schiffen
zeigten, dass 95 % der Befragten berichteten, dass sie verschiedene Formen illegalen
Fischfangs beobachtet haben.

Foto: EJF

Fast alle befragten Besatzungsmitglieder gaben an, dass Haien an Bord der Schiffe illegal die Flossen abgetrennt wurden – eine grausame und verschwenderische Praktik, bei der die wertvolleren Flossen abgetrennt werden und der Hai zum Sterben über Bord geworfen wird. Smartphone-Aufnahmen, die der EJF vorliegen, zeigen zudem, wie Seelöwen zu Tode geknüppelt und ihre Köpfe abgetrennt wurden. Mehr als ein Drittel der Befragten berichtete, dass geschützte Arten wie Schildkröten und Robben auf ihren Schiffen gefangen und getötet wurden. Rund ein Fünftel der Besatzung gab außerdem an, dass Delfine routinemäßig als Köder für Haie geschlachtet wurden.

„Es spielte keine Rolle, ob der Hai groß oder klein war, sogar mit Jungtieren im Bauch der Haie – wir fingen sie alle. Ich glaube, man könnte es ein ‚Teufelsschiff‘ nennen, weil es wirklich alles mitnahm“, sagte ein Besatzungsmitglied.

Menschenrechtsverletzungen

Die zerstörerischen Praktiken der chinesischen Fernfischereiflotte werden nicht nur durch
schädliche staatliche Subventionen – in Höhe von rund 1,8 Milliarden US-Dollar [ca. 1,65
Mrd. Euro] – ermöglicht, sondern auch durch grobe Menschenrechtsverletzungen an
Wanderarbeitern an Bord der Schiffe. Diese Arbeiter berichteten von körperlichen und
verbalen Misshandlungen, zermürbenden Arbeitszeiten, unzureichender Versorgung mit
Nahrung und Wasser sowie Zwangsarbeit durch chinesische Kapitäne und andere
Führungspersonen.

Die Interviews und das Filmmaterial, das die EJF zusammengetragen hat, zeigen, dass z. B.
indonesische Besatzungsmitglieder von leitenden chinesischen Crewmitgliedern mit
Metallrohren geschlagen und mit Messern bedroht wurden. Insgesamt gaben 58 % der von
der EJF befragten Besatzungsmitglieder an, dass sie körperliche Gewalt gesehen oder
erlebt haben. 85 % der Interviewten berichteten von missbräuchlichen Arbeits- und
Lebensbedingungen. „Ich wurde gefesselt und geschlagen. Sie schlugen jeden Teil meines
Körpers“, sagte ein indonesischer Mann. Darüber hinaus gaben fast alle befragten
Besatzungsmitglieder (97 %) an, dass sie in irgendeiner Form von Schuldknechtschaft
betroffen waren, oder dass ihnen wichtige Dokumente wie Pässe abgenommen wurden.

Intransparente Unternehmen

Der Bericht untersucht nicht nur die auf See begangenen Straftaten, sondern auch die
Unternehmen, die an diesen Verstößen beteiligt sind und zeigt die komplexen
Unternehmensstrukturen der Flotte an Land auf. In Ghana beispielsweise stehen
mindestens 90 % der industriellen Schleppnetzfischereiflotte des Landes unter Verdacht,
chinesischen Unternehmen zu gehören, die sich über lokale Scheinfirmen als ghanaische
Unternehmen registrieren lassen und so die lokalen Gesetze umgehen. Viele dieser Schiffe
wurden wiederholt mit illegalem Fischfang in Verbindung gebracht.

Wo der von der Flotte gefangene Fisch letztendlich landet, ist ebenfalls nur sehr schwer
nachzuvollziehen, so dass es kaum oder gar nicht möglich ist, Lieferketten
zurückzuverfolgen. Bekannt ist jedoch, dass eine Reihe chinesischer Fernfischereifahrzeuge
Genehmigungen für den Export nach Europa besitzen. China ist zudem der größte
Handelspartner der USA im Bereich Seafood
.

Ausbeutung der Gewässer der Länder des globalen Südens

Die chinesische Fernfischereiflotte ist stark präsent in vielen Ländern und Regionen, die nur
über begrenzte Kapazitäten zur Überwachung von Fischereifahrzeugen verfügen, aber in
hohem Maß von der Fischerei abhängig sind, um die Ernährungssicherheit vor Ort und
Lebensunterhalte zu sichern, wie der Bericht zeigt.

Der Großteil der von der chinesischen Regierung genehmigten Fischereiprojekte in anderen
Ländern liegt mit 78,5 % in afrikanischen Gewässern. In Westafrika, einer Region, die für
illegale Fischerei traurige Berühmtheit erlangt hat, fängt die chinesische
Grundschleppnetzflotte jedes Jahr schätzungsweise 2,35 Millionen Tonnen Fisch und
Meeresfrüchte. Nach einigen Schätzungen entspricht dies etwa der Hälfte der gesamten
Fänge der chinesischen Fernfischereiflotte, mit einem Wert von über 5 Milliarden US-Dollar
[ca. 4,55 Mrd. Euro]. Viele Fischpopulationen vor Afrika werden stark befischt und sind
teilweise bereits in einem kritischen Zustand. Eine weitere Verschlechterung hätte
katastrophale Auswirkungen für bereits jetzt vulnerable Küstengemeinden.

Steve Trent, CEO und Gründer der Environmental Justice Foundation, kommentiert: „Diese
staatlich subventionierten Schiffe verwüsten den Ozean, verletzen Menschenrechte und
befördern die Umweltungerechtigkeit. Sie verstecken sich hinter komplexen
Unternehmensstrukturen an Land und verhindern somit, dass die Verantwortlichen zur
Rechenschaft gezogen werden. Diese Ergebnisse verdeutlichen das allgemeine Versagen
der chinesischen Regierung bei der wirksamen Kontrolle und Regulierung ihrer
Fernfischereiflotte, zeigen aber auch ein größeres internationales Problem auf: den
eklatanten Mangel an Transparenz in diesem Sektor. China muss seine Flotte kontrollieren
und jedes Land, das Fisch importiert, der von chinesischen Schiffen gefangen wurde, sollte
volle Transparenz entlang der gesamten Lieferkette einfordern. Nur so können wir sicher
sein, dass wir als Verbraucher*innen keinen Fisch konsumieren, der mit Sklavenarbeit
gefangen wurde und der zur Zerstörung unseres Ozeans beiträgt.“

Environmental Justice Foundation

Lesen Sie auch den Bericht:

THE EVER-WIDENING NET: Illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei in der chinesischen Fernfischereiflotte

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