Interessenverdreher – die Macht der Lobbyisten

Interessenverdreher – die Macht der Lobbyisten
Foto: Achim Melde/Deutscher Bundestag

Interessenverdreher – die Macht der Lobbyisten

Im Schmutz wühlen lohnte sich: All jenen, die am nur schleppenden Fortgang des Klimaschutzes verzweifeln, da doch alle Argumente seit Jahrzehnten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufbereitet und frei zugänglich sind, die mit halbherzigen Politentscheidungen hadern oder Konzernmanager am liebsten ob ihrer im Zweifel stets für ihre Weiter-so-wie-immer-Strategien in der Hölle lodern sehen würden, liefern die beiden Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres jene Details, die sie bislang schon immer vermutet, aber vielleicht noch nicht belegen konnten. In ihrem neuen Buch „Die Klimaschmutz Lobby“ nennen sie nach ihren akribischen, präzisen und umfangreichen Recherchen endlich Ross und Reiter. Sie entlarven jene Bremser, die verhindern, dass der dringend angemahnte Klimaschutz endlich an Fahrt gewinnt.

Das wird wohl so schnell kaum wahr werden.

Ideologie-Argumentation schmälert den Gebrauchswert des Buchs

Zu viele unentdeckte Interessenvertreter – oder zudem Interessenverdreher – haben das Entscheidungsgefüge bis in die letzten Winkel in Berlin oder Brüssel erobert. Dort wirken sie wie der Sand im Getriebe, verwässern Gesetze, schützen Partikularinteressen und verhindern obendrein, dass allzu viel ihres klammheimlichen Agierens ruchbar werden könnte – ein Lobbyist liebt das Munkeln und spinnt seine Fäden lieber im Verborgenen.

Schade nur, dass die lobenswerte Fleißrecherche der Journalistinnen sich dann doch in eben jenen Fallstricken verstrickt, die sie eigentlich abschneiden wollen. Sie verheddern sich aber darin, denn sie verfallen auf die Strategie jener Dubiosen, deren Machenschaften sie eigentlich bloßstellen wollen.

Statt dem Leser jene Argumente an die Hand zu geben, mit denen er Populisten aushebeln oder Klimawandel-Leugner bloßstellen könnte, verfallen auch sie dann doch wieder in eine ebenfalls ideologische Erzählung. Die bestätigt zwar jene, die ohnehin für Klimaschutz sind, kann aber keinen Zweifler umstimmen – weil die Thesen nicht argumentieren, sondern eben auch bloß behaupten.

So zementiert auch diese sonst so lobenswerte Buchprojekt die verhärteten Standpunkte. Es trägt leider kaum dazu bei, dass sie sich nähern und den Konflikt lösen könnten.

Das ist schade.

Lesenswert ist das Buch allemal, weil es Einblicke in eine Welt vermittelt, von der viele nur ahnen wie sie funktionieren könnte. Götze und Joeres tischen dazu Insider-Informationen auf „wie Öpolitiker und Wirtschaftlenker die Zukunft unseres Planeten verkaufen“ (Untertitel) und lassen uns daran teilhaben. Allein das lohnt die Lektüre, zumal sie spannend erzählt ist.

pit

Cover Klima Schmutz Lobby Piper Verlag

Susanne Götze. Annika Joeres
Die Klima Schmutz Lobby
Wie Politiker und Wirtschaftslenker
die Zukunft unseres Planeten verkaufen
Piper Verlag
2020
304 Seiten
20,00 € (D)

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