Klimaschutz: Das falsche Versprechen von 1,5 Grad

Klimaschutz: Das falsche Versprechen von 1,5 Grad
Screenshot: zeit.de

Klimaschutz: Das falsche Versprechen von 1,5 Grad

zeit.de: In ihren Wahlprogrammen dringen fast alle Parteien auf radikalen Klimaschutz – gemessen am 1,5-Grad-Ziel. Doch wie man es auch rechnet: Dafür reicht es kaum.

Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, die Hitzewelle in Nordamerika, die Waldbrände am Mittelmeer, die Hungersnot in Madagaskar: In diesem Sommer zeigte sich einmal mehr, mit welchen Extremen eine wärmere Welt zu rechnen hat – bei bisher etwa 1,1 Grad Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Allen scheint klar: Es muss gehandelt werden.

Das versprechen auch die meisten Parteien im Bundestagswahlkampf. Der Planet solle sich nicht um mehr als 1,5 Grad erhitzen, heißt es in vielen Wahlprogrammen. Damit halten die Parteien an dem Symbolwert der Klimapolitik fest, der seit dem Pariser Klimavertrag von 2015 die Debatte bestimmt. Ob CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke und FDP: Sie alle wollen den gerechten deutschen Anteil daran leisten, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. 

Doch wer nachrechnet, stellt schnell fest: Schon bei der Zielsetzung, wie viele Treibhausgase in den kommenden Jahren ausgestoßen werden sollen, geht die 1,5-Grad-Rechnung bei einigen Parteien gar nicht erst auf. Damit die Temperatur nicht weiter ansteigt, müssen die Treibhausgasemissionen – allen voran CO₂ – sinken. Und daran wird sich die Politik messen lassen müssen.

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Wie schnell wollen die Parteien die deutschen Emissionen reduzieren?

  • Sowohl CDU/CSU als auch die SPD verpflichten sich dem neuen Klimaschutzgesetz, das im Juni dieses Jahres beschlossen wurde. Darin vorgesehen: Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden. 2030 sollen 65 Prozent weniger CO₂ ausgestoßen werden als 1990, 2040 will man 88 Prozent einsparen.
  • Strengere Ziele fordern die Grünen und die Linke. Laut den Grünen soll Deutschland innerhalb der nächsten zwanzig Jahre klimaneutral sein, bis 2030 wollen sie die Emissionen um 70 Prozent senken. Die Linke fordert die Klimaneutralität schon für 2035, bis 2030 sollen die Emissionen um 80 Prozent reduziert werden.
  • Die FDP will die Emissionen hauptsächlich über den europäischen Emissionshandel kontrollieren. Bei den deutschen Zielen bleibt sie in ihrem Parteiprogramm schwammig, auch wenn in der EU bereits beschlossen wurde, dass reiche Länder wie Deutschland ihre Emissionen schneller reduzieren müssen. Im Parteiprogramm findet sich lediglich ein Verweis auf die Klimaneutralität bis 2050. Dieses Ziel will man „regelmäßig auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse“ neu evaluieren.
  • Allein die AfD verspricht in ihrem Wahlprogramm – wenig überraschend – keine 1,5-Grad-Politik. Stattdessen widerspricht sie den wissenschaftlichen Belegen und behauptet weiter stoisch: Bis heute sei nicht nachgewiesen, „dass der Mensch, insbesondere die Industrie, für den Wandel des Klimas maßgeblich verantwortlich ist“. Das Paris-Abkommen will die AfD deshalb auch kündigen…. weiterlesen

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